Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Ernährung mir 15 Monaten

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Hallo, meine Tochter ist jetzt 15 Monate alt und wir haben bis vor kurzem noch recht viel gestillt. Zusätzlich isst sie ganz normal am Familientisch mit, d. h. morgens etwas Brot mit unterschiedlichen Belägen, Mittags ganz normales Mittagessen, zwischendurch Obst oder Joghurt. Sie isst je nach Lust und Laune mal viel, mal wenig, mal gar nichts und kommt mit fester Nahrung im Allgemeinen schon super zurecht. Nur Abends mache ich ihr häufig noch einen Milch-Getreide-Brei, da sie den im Gegensatz zu Brot sehr gerne isst. Seit kurzem bin ich wieder schwanger und meine Muttermilch ist rapide weniger geworden. Ich frage mich, ob ich ihr in dem Alter noch ein Fläschchen mit Milchnahrung als Ersatz anbieten sollte oder ob ich darauf vertrauen kann, dass sie die fehlenden Kalorien aus der Muttermilch jetzt einfach nach und nach durch "normale" Kost ersetzen wird. Vielen Dank schonmal!

von Yvon am 08.11.2019, 11:57 Uhr

 

Antwort auf:

Ernährung mir 15 Monaten

Hallo Yvon
so lange du noch weiter stillen kannst und magst und auch deine Tochter weiter gestillt werden möchte, kannst du so weiter machen wie bisher. Weiterführende Fragen könntest du sonst noch einmal Frau Welter/Frau Wrede im Nachbarforum stellen.
Auch wenn deine Muttermilch weniger wird und das Stillen sich hinsichtlich der nutritiven Eigenschaften ändert, ist eine Stillbeziehung trotz allem doch sehr viel mehr als nur Hunger/Durst stillen.
Ein Fläschchen mit (Säuglings-)Milch musst du deiner Tochter dennoch nicht stattdessen geben. Deine Kleine kann jetzt gewöhnliche Kuhmilchprodukte bekommen und diese aus einem gewöhnlichen Trinkgefäß trinken. Die Menge kannst du auf ca 300 ml erhöhen. Auch wenn deine Tochter zusätzlich Mumi trinkt, wird diese Menge ungefähr passen.
100ml Kuhtrinkmilch kannst du ersetzen durch:
100g Naturjogurt (hinsichtlich Eiweiß-und Calciumgehalt), ca 15 g Schnittkäse wie Gouda, Edamer (= ca 1/2 Scheibe) oder 30 g Weichkäse (pasteurisierter Brie etc) oder ca 30-40g Frischkäse oder 100 ml Buttermilch.
Dazu kann deine Tochter weiterhin Fingerkost, Familienkost und Breie/breiartige Speisen (je nach dem) bekommen. Brei und feste Kost kannst du zusammen anbieten. Deine Tochter darf in Punkto kauen üben gefordert werden, ohne dabei überfordert zu werden. Wenn deine Kleine momentan abends gerne noch breiige Speisen mag und sonst durchaus ausreichend Gelegenheit hat und nutzt, um zu kauen, dann ist das schon in Ordnung so wie es momentan bei euch ist. Abends haben manche Kinder einfach keine Lust mehr, sich anzustrengen. Du kannst Brotstückchen durchaus auch zum Brei dazu anbieten. So wird ein Übergang von Brei zu Brot irgendwann sicher gut gelingen.
Damit sich deine Tochter ausreichend gut satt und zufrieden essen kann, musst du nur auf eine entsprechend passende Speisenauswahl achten.
Das bedeutet, dass deine Tochter ausreichend Milch(produkte) erhält und auch alle weiteren Nährstoffgruppen im Speisenplan enthalten sein sollten.
Welche Nährstofgruppen das sind, das zeigt dir die Ernährungspyramide bzw der Ernährungskreis*.
All diese Angebote sollten so aufbereitet sein, dass deine Tochter diese gefahrenfrei kauen und schlucken und gut verdauen kann. Ganz besonders hilfreich ist es, wenn die Speisen so aufbereitet und zubereitet sind, dass dein Kind die Speisen (möglichst meistens) selbständig in den Mund nehmen kann, um diese ausreichend gut zu "bearbeiten", d.h. kauen und im Mund irgendwie zerkleinern kann, um sie gut zu schlucken. Eine Kombination aus festeren und weichen Speisen ist darum stets ideal.
So wie du eure Familientischsituation beschreibst und auch die Tatsache dass deine Tochter meistens gerne und gut isst, lässt die Vermutung zu, dass deine Tochter auch zukünftig stressfrei neue Speisen entdecken wird und sich (aus einem großen und guten, ausreichenden Angebot bedienend) gut satt essen wird.
Hast du noch explizite Fragen zur "Milch"?
Also dann
Grüße
Birgit Neumann


* Kreis:
Hier werden die unterschiedlichen Lebensmittelgruppen (Getreide, Milchprodukte, Fleisch, Obst und Gemüse etc) in unterschiedlich großen Segmenten gezeigt und verdeutlichen dadurch den ungefähren Anteil in der täglichen Ernährung.

Pyramide.
hier stehen die Lebensmittelgruppen zu einer Pyramide aufgetürmt.
Die mengenmäßig größte zu verzehrende Gruppe bildet die Basis. Zur Spitze hin wird der Anteil der täglich zu verzehrenden Menge kleiner. Ganz oben sind hier sichtbare Fette bzw Süßigkeiten und Knabbereien.

Ganz allgemein sieht die Empfehlung für eine ausgewogene Kostzusammenstellung in etwa so aus:
das tägliche Essen sollte bestehen aus:
Reichlich Getreideprodukten wie Brot, Nudeln, Reis etc (Basis) - macht langanhaltend satt
dazu reichlich Obst und Gemüse, etwa 5 P am Tag (1 P entspricht der Größe einer hohlen Kinderhand) - 2 P Obst + 3 P Gemüse (nur als ungefähre Idee - kein Muss)
gefolgt von Milch- und Milchprodukten (mit 1 Jahr etwa 300 ml am Tag)
Fleisch, Fisch (ca 30 -40g am Tag) - oder vegetarische Alternativen
ab und zu mal Ei, mal Hülsenfrüchte....
dazu Fette und Öle

von Birgit Neumann am 09.11.2019

Antwort auf:

Ernährung mir 15 Monaten

Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Das hilft mir sehr weiter. Dann werde ich weiter stillen, so wie sie es möchte und darüber hinaus zusätzlich zu den Kuhmilch-Produkten, die sie bereits am Familientisch bekommt (Käse, Joghurt, Butter usw.) Kuhmilch zum trinken anbieten, etwa beim Frühstück. Mal schauen, wie sie das annimmt.

von Yvon am 09.11.2019

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