Chefarzt Dr. med. Jan Matussek

Hüftreifung

Antwort von Chefarzt Dr. med. Jan Matussek

Frage:

Sehr geehrter Herr Dr Matussek,

Mein Sohn trägt seit sechs Wochen die Tübinger Schiene. Zu Beginn der Behandlung beim Kinderorthopäden waren seine Werte Winkel alpha 57 (links und rechts), beta 71 (rechts), 74 (links), Hüfttyp nach Graf 2a+.
Wir beobachteten vier Wochen, dann wurden ff. Werte gemessen: Alpha Winkel links 61, rechts 59. Beta Winkel links 58, rechts 64. Alter des Kindes 9 Wochen und drei Tage alt. Ab hier Therapiebeginn mit Tübinger Schiene.
Inzwischen trägt er diese seit sechs Wochen, es ergaben sich bei der letzten Kontrolle die Werte :
Winkel links alpha 65, beta 63 und rechts alpha 58.5, beta 70 Hüfttyp nach Graf links 1b und rechts 2a-.
Müssen die Werte wirklich über 65 Grad sein?
Ich finde es extrem frustrierend, dass sich rechts keine Besserung einstellt und überlege ernsthaft, die Schienenbehandlung abzubrechen. Der Bewegungsdrang meines Sohnes nimmt zu, hat er anfangs die Schiene gut akzeptiert, wehrt er sich inzwischen immer mehr dagegen. Dazu kommt, dass die einzige Verbesserung der rechten Hüfte sich in der Zeit ohne Schiene einstellte als er frei strampeln dutfte. Kann es sein, dass die rechte Seite auf die Behandlung einfach nicht anspricht?
Ich bin ehrlich gesagt ziemlich deprimiert und sehe wenig Sinn in all diesen Bemühungen, wenn sich die Werte nicht bessern.
Beide Seiten bewegen sich gleich, äußerlich ist nichts erkennbar. Langsam bekomme ich den Eindruck, dass man sich hier auf Messwerte versteift. Es fällt mir schwer zu glauben, dass mein Sohn später Hüftprobleme bekommt, wenn er nicht weiter permanent die Schiene trägt, was wir Aktuell tun. Lt Orthopäden ist das jedoch die einzige Möglichkeit, Probleme zu vermeiden, Physiotherapie sieht er als nicht erforderlich an. Kann hier Osteopathie unterstützend wirken?
Ich wäre Ihnen um Ihre Einschätzung dankbar.
Freundliche Grüße

von Verena_M am 13.07.2020, 14:16 Uhr

 

Antwort auf:

Hüftreifung

Liebe Eltern liebe Eltern, Liebe besorgte Mutter,

Sie sollten einen guten Kompromiss finden: Kind sollte einige Stunden am Tag und vor allem nachts die Tübinger ab Spreizschiene tragen, dann aber auch zwischendurch in Bauchlage das Strampeln üben und an den Hüften bewegt werden.
Natürlich ist Bewegung der Hüften auch essenziell und wichtig neben der Ab-Spreizlagerung.
Ich kenne die Probleme die sie beschrieben haben, weil wir auch mit unseren Patienten hier viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Tatsächlich biete ich den Eltern, die frustriert sind mit ihren ab Spreizschienen, an, auch z.B. Tragetücher zu benutzen, mit denen sie ihr Baby an den Körper heran wickeln können mit abgespreizten Beinen. Dies finde ich für zwischendurch einen guten Kompromiss. Desgleichen gibt es ja die Tragetaschen in denen die Kinder mit abgespreiztem Beinen sitzen können, angeschminkt an den Körper der Mutter. Dies hat einen sehr positiven Effekt auf die Hüft- Entwicklung und das Prinzip ist abgeschaut aus dem Tierreich, insbesondere aus der Welt der Menschenaffen.

Man sollte tatsächlich versuchen, durch die Abspreizung eine sinnvolle Hüfte-Nachreifung zu erzielen. Natürlich verlässt man sich hier auf die Werte aus den Ultraschallmessungen. Vielleicht gibt es einen Entwicklungsschub durch die Mischung, die ich Ihnen oben genannt habe. Ganz aufgeben sollten Sie die AbSpreiztechniken z.B. in den Schlaf- und Ruhephasen nicht. Frustration hilft leider nicht, aber ganz im Ernst: Auch ich würde mein Kind in den Wachphasen strammpeln lassen und aus der Schiene herausnehmen und die Hüften bewegen lassen.

Mit herzlichen freundlichen Grüßen, Ihr Jan Matussek

von Dr. J. Matussek am 20.07.2020

Antwort auf:

Hüftreifung

Nachtrag : Unser kinderorthopäde vertritt die Meinung, daß nach der 12. Woche die Alphawerte mind 65 Grad betragen sollten... Der Kinderarzt sprach bei 59 Grad davon, daß er fast die 60 Grad hat und damit so gut wie in der Norm ist. Was zählt denn nun?

von Verena_M am 13.07.2020

Antwort auf:

Hüftreifung

Hallo
ich kann dich gut verstehen, unser kleiner hat auch diese schiene getragen und wir waren schon immer im Grenzbereich (ob man sie überhaupt tragen muss).
Unser kinderarzt hat gesagt 60 grad muss die hüfte haben, der Kinderorthopäde hat uns erklärt dass er mindestens 64 grad haben möchte, da 4 grad wohl messtoleranz sind.
Somit wäre er bei 64 grad auf der sicheren Seite.

Wir hatten Glück und die hüfte ist bei uns tatsächlich von alleine nachgereift, unser Sohn hat tagelang nur gebrüllt, sich nicht mehr tragen lassen und war wie ausgewechselt. als die schiene weg war, war er wieder unser Sonnenschein. (Natürlich alles mit Rücksprache mit dem Arzt, bevor hier jemand etwas sagen kann )

Ich drück dir die Daumen dass ihr es bald geschafft habt.

Liebe Grüße
Lilly

von Lilly892011 am 15.07.2020

Antwort auf:

Hüftreifung

Tatsächlich gibt es eine Leitlinie, die besagt, dass mit 12 Wochen eine reife Hüfte deutlich über 60 Grad, also am besten 65 Grad haben sollte. Wenn das Kind das nur knapp erreicht, also Werte um 60-63 Grad zeigt, dann drückt man meistens eine Auge zu. Der hohen Fehlerbreite der Messungen geht es hier nicht um ein oder 2 Grad. Der Trend muss deutlich über 60 Grad zeigen.

Einen schönen Abend wünsche ich Ihnen, JM

von Dr. J. Matussek am 20.07.2020

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