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Geschrieben von Murmel82 am 04.02.2021, 10:09 Uhr

Neigen eure ehemaligen Frühchen auch zu heftigen Wutanfällen??

Hallo! Mein Sohn kam im August 2014 an 33+5 nach einem vorzeitigen Blasensprung an 33+4 zur Welt mit 2.400g. Es ging ihm gut. Er war nur zur Überwachung bis 36+0 auf Station. Nur gestillt werden wollte er nicht und er musste mal für 24 Std unter die Lampe.
Er war das ruhigste Baby, das man sich vorstellen kann. Mit 6 Wochen hat er das erste mal mehr als 8 Std nachts geschlafen.
Mit ca. 15 Monaten ging es mit seinen Wutanfällen los. Die waren im Vergleich zu anderen Kindern und auch im Nachhinein zu seiner kleinen Schwester wesentlich heftiger. Und er hat sie bis heute. Aktuell ist es wieder sehr schlimm. Mehrmals täglich flippt er richtig aus. Ich hab früher immer gedacht, ich möchte ihm einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf schütten, um ihn auf die Erde zurück zu holen. Die kleinste Kleinigkeit lässt ihn ausflippen, aber richtig... eine Freundin von mir sagte, sie hätte mal gehört, dass Frühchen oft ne geringe Frustrationsgrenze haben. Ist das so? Und was kann ich machen?? Es ist frustrierend.

Kurz zur Info: Woanders kann er sich richtig gut benehmen. In der kita und jetzt in der Schule ist er sehr vorbildlich und höflich. Die glauben nie, dass er so wütend sein kann. Ich denke, er hält sich da so zurück, dass er das an uns rauslassen muss. Er ist sehr schlau, deshalb ist er auch als Kann-Kind im Sommer in die Schule gekommen, nachdem uns die kita dringend dazu geraten hat. Schulleiter und Lehrerin sagen auch, sie hätten sich so entschieden. Wir wollten es eigentlich nicht. Aber er ist ängstlich, was körperliche Sachen betrifft. Er klettert nicht, traut sich nicht, höhere Rutschen zu rutschen und jedes Mal, wenn er 3 Monate im Winter z.B. nicht Fahrrad gefahren ist, hat er solche Angst, dass wir quasi von vorne beginnen. Selbst Rodeln mag er nicht... Dafür spielt er Fußball ohne Rücksicht auf Verluste, er halt also keine körperlichen Defizite.
Ich denke nicht oft daran, dass er ein frühchen war. Man hat es ihm nie angemerkt. Zudem ist er größer als andere Kinder. Und nein, verrechnet haben wir uns damals auch nicht, ich war in KiWu-Behandlung und weiß genau, wann der ES war...

Kennt ihr das? Und was können wir machen? Wir reden nach den Wutanfällen mit ihm und erklären ihm immer, warum wir irgendwas gesagt/ gemacht haben, was ihn hat ausflippen lassen. Er versteht es dann oft und gelobt Besserung. Aber er flippt immer wieder aus. Es ist zum verzweifeln. Ich mag ihn schon gar nicht mehr ansprechen. Wenn ich mal was nicht verstehe, was er erzählt, ist er schon unter der Decke vor Wut...

Danke!

 
4 Antworten:

Re: Neigen eure ehemaligen Frühchen auch zu heftigen Wutanfällen??

Antwort von sunnydani am 04.02.2021, 11:34 Uhr

Ich glaube, dass das charakterabhängig ist und nichts mit der Frühgeburt zu tun hat.

Mein Großer (gerade um ein paar Tage noch eine Frühgeburt, aber ich sah ihn nie als Frühchen, da er von Anfang an bei mir war und alles wie bei einem "normalen" Baby war) hatte sehr häufige und intensive Wutanfälle und eine sehr niedrige Frustrationstoleranz, genauso war/ist er sehr hartnäckig und fordernd.

Und mein Kleiner, mein richtiges Frühchen (25+2) ist viel ausgeglichener, fröhlicher, ruhiger und akzeptiert auch viel schneller mal Kompromisse, kann jetzt mit 2,5 Jahren schon viel besser warten als der Große und sich auch besser allein beschäftigen und beruhigen. Er hat sicher auch hin und wieder mal Wutanfälle, ich denke, das ist normal und hat jedes Kind, aber es gibt doch einen sehr deutlichen Unterschied zum Großen. Die Wutanfälle sind bei weitem nicht so intensiv und häufig und er kann sich viel schneller beruhigen, als der Große das konnte.

Was hilft, ist sicher von Kind zu Kind verschieden.
Wir haben sehr vieles durchprobiert und mit dem Alter wurde es auch immer besser. Er wird jetzt in zwei Wochen 7 Jahre alt und hat mittlerweile nicht mehr so häufig einen Wutanfall. Er kann sich schon viel besser verbal ausdrücken und auch seine Gefühle benennen, sodass man damit einen richtigen Wutanfall oft schon abfangen kann.
Früher haben wir öfter versucht Situationen zu vermeiden, von denen wir wussten, sie führen zu einem Wutanfall, wir haben seine Gefühle benannt, haben danach darüber gesprochen und versucht gemeinsam eine Lösung zu finden, was man machen könnte, damit er nicht so ausrastet.
Wir haben ein "Wutbarometer" gebastelt. Ein Barometer von 1 bis 10, das unten grün und oben rot ist und an dem er eine Wäscheklammer befestigen kann, wenn er wütend ist und damit anzeigen kann, wie sehr er wütend ist. 1 ist gar nicht und 10 ist extrem.
Wir haben ein Buch zum Thema "Das kleine Wutmonster" ganz oft gelesen. Darin kam ein Lied vor und oft hat es auch geholfen, wenn ich beim Anbahnen eines Wutanfalls angefangen habe, das Lied zu singen und ihn gefragt habe, ob das kleine Wutmonster gerade wieder bei ihm zu Besuch ist.
Dann haben wir einen Knetball, den er ganz fest drücken konnte, wenn er wütend war. Wir haben einen Boxsack, in den er dann hineingeschlagen hat. Wir haben ihm gesagt, er soll und darf mal ganz laut schreien und soll somit seine ganze Wut hinausschreien, wir haben ihn rausgeschickt, dass er ganz schnell laufen soll, um seine Wut hinauszulaufen. Wir hatten ein Wutkissen, dass er werfen und boxen und schlagen durfte, so lang und fest er konnte und wollte.
Wir haben einfach versucht seine Wut gezielt irgendwo hineinzulenken, denn das oberste Gebot war, dass er niemanden verletzen und nichts kaputt machen darf. Es ist in Ordnung, dass man wütend ist, man darf wütend sein, aber man muss lernen, wie man damit umgeht.

Und das alles haben wir über viele Jahre gemacht und oft haben wir auch gedacht, dass nichts fruchtet. Aber jetzt denke ich mir, doch, es hat etwas geholfen, denn es ist, im Vergleich zu früher, schon viel besser geworden. Er hat doch daraus gelernt und kann sich schon viel besser selber wieder beruhigen und mit der Wut umgehen. Deshalb hat es sich gelohnt all die Jahre durchzuhalten.

Ich hoffe, ihr findet auch irgendwie euren Weg, damit umzugehen und etwas, dass euch dabei hilft!

Alles Liebe!

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Re: Neigen eure ehemaligen Frühchen auch zu heftigen Wutanfällen??

Antwort von AnniMath am 06.02.2021, 8:25 Uhr

Mein spätes Früchchen, 36.3 hatte zwar eine Trotzphase aber harmlos. Der Bruder, 37.4 war eine andere Nummer. Ausgerastet bei der kleinsten Sache, Problem war vor allem, dass er dann oft mit dem Kopf geschlagen hat.
Ein befreundeter Arzt hat uns dann versucht einzureden, es käme von der Lungenreife, die er aufgrund früher Wehen erhalten hat.
Wir sind zum Kinderarzt, die wollte uns gleich einweisen, und zum Kinderpsychologen. Die hab mir einige Tipps.
Aber schlussendlich, hat es bei dem Kleinen Klick gemacht, mit ca.2 Jahren und 9 Monaten. Er hat zwar immer noch einen starken Willen, ja, aber wir haben keine Ausraster mehr.
Und das habe ich bin mehreren gehört, so um 3 wird die Trotzphase häufig strafbar.
Halt noch durch, LG

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Re: Neigen eure ehemaligen Frühchen auch zu heftigen Wutanfällen??

Antwort von JaLo am 28.03.2021, 23:11 Uhr

Ich glaube nicht, dass es etwas mit Frühchen zu tun hat. Die größten Anfälle hatte bei mir der, der am längsten ausgetragen wurde. Inkl. Kopf auf Steinboden schlagen, Glasscheiben einschlagen etc.
Mein Frühchen ist da viel ruhiger. Aber auch viel ängstlicher. ( Außer beim Fussball )
Ich tippe auf Charakter.

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Re: Neigen eure ehemaligen Frühchen auch zu heftigen Wutanfällen??

Antwort von qwerrewq am 06.04.2021, 20:43 Uhr

Hallo, ich erlebe genau das was du beschreibst. Meine Tochter würde im Juli 2014 geboren, auch 33+5. Sie ist normal entwickelt, niemand würde auf die Idee kommen, dass sie ein Frühchen war. Im Kindergarten war sie immer unauffällig, im Sommer 2020 wurde sie regulär eingeschult und kürzlich im Sozialverhalten als vorbildlich von ihrer Klassenlehrerin beschrieben. Sie ist beliebt und kann sich sehr gut benehmen. Zu Hause hat sie auch eine extrem geringe Frustrationstoleranz. Kleinigkeiten können dazu führen, dass sie ausrastet. Sie schreit, knallt Türen, haut sich auch manchmal selbst. Körperlich ist sie nicht ängstlich, aber sie hat sehr wenig Ehrgeiz. Sie ist beim an- und ausziehen oft die letzte, das war schon in der Kita so. Sich zu fokussieren und sich zu beeilen fällt ihr enorm schwer.

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