Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Speiseplan 9 Monate altes Baby

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Hallo,

meine Tochter ist jetzt knapp 9 Monate alt und wird seit einer Woche nicht mehr gestillt. Wir haben mit 6 Monaten mit der Beikost begonnen und sie hat von Anfang an gut und voller Freude gegessen.

Seit ein paar Wochen verweigert sie allerdings fast gänzlich den Mittagsbrei. Ich habe das Gefühl als hätte sie gar keinen Hunger, obwohl sie eigentlich vormittags nur etwas Obstbrei und vielleicht ein oder zwei Hirsekringel bekommt.

Ihr Speiseplan sieht so aus:

Zwischen 5h und 6h: ca. 250ml PRE Milch

Vormittag: etwas Obstbrei und ein oder zwei Hirsekringel

Zwischen 11:30h und 12:30h: ca. 120gr. Mittagsbrei (wird momentan fast gänzlich verweigert)

Zwischen 15h und 16h: Obstmus/Obststücke und evtl. Dinkelstangerl oder etwas Zwieback
Ca. 17:30h: 120gr. Milch-Getreide-Obst Brei (mit PRE Milch)

Zwischen 18:30h und 19h: ca. 250 ml PRE Milch

Zwischen 0h und 1h: ca. 250 ml PRE Milch

Dazwischen soviel Wasser wie sie mag, meist ca. 100 ml am Tag.

Ich bin mir nicht sicher ob sie zu viel Milch bekommt oder das Ganze zu obstlastig ist? Bis vor einer Woche wurde sie gestillt (nur mehr nachts) aber sie wurde nach dem trinken alle 1,5h wach und ich hatte selbst schon dass Gefühl, dass sie einfach nicht satt wurde...

Ist der Speiseplan ausgewogen genug bzw. woran könnte es liegen, dass der Mittagsbrei nun gar nicht mehr gemocht wird?

Vielen Dank für Ihre Antwort!

von Theresa1612 am 26.06.2020, 19:54 Uhr

 

Antwort auf:

Speiseplan 9 Monate altes Baby

Hallo Theresa1612
dein Baby ist jetzt 10 Monate alt. Was du beschreibst ist für dieses Alter völlig normal. Es ist der Zeitpunkt, ab dem du Familienkost (spätestens) einführen kannst. Das schnelle Wachstum stagniert ab jetzt eine ganze Weile und bestimmt hat dein Baby gerade einen Wachstumsschub hinter sich. Kannst du das bestätigen? Darum kannst du jetzt entspannt in diese neue Phase übergleiten und den Fokus beim Essen mehr auf das Erlebnis, auf das Entdecken, auf Gemeinschaft legen.
Lass deine Tochter darum ab jetzt und ganz unbedingt auch selbständig essen und füttere sie, wenn sie danach verlangt. Biete deiner Tochter ein großes Potpourri an Möglichkeiten und Familienspeisen, damit sie diese selbständig, in ihrem Tempo kennenlernen kann.
Familienkost ist ein langsames Umgewöhnen. Es ist ein lamgsames Umstellen durch Nachahmung und Gewöhnung. Esst einfach zusammen und integriert eure Tochter so gut es geht in eure Essgemeinschaft. Zeigt ihr wie und was ihr Eltern esst - durch einfaches Vorleben.
Familienkost ist anfangs ein Ergänzen mit geeigneten festeren Speisen.
Es fördert die orale Tolerranz. Je mehr verschiedene Sinneseindrücke deine Tochter in Punkto Essen erleben kann, desto besser ist das.
Beginnt jetzt morgens mit ein paar Stückchen Brot zur Morgenmilch. Den GOB am Nachmittag kannst du dafür durch Obst(stücke) ersetzen. Mittags kannst du stückige Kost und Familienkost anbieten und abends nochmals Brot.

Hier ist einmal eine kleine Orientierungshilfe:
morgens:
Butterbrotstückchen und Milch*, Beilagen
neu ist jetzt, dass der Start in den Tag mit einer Beilage zur Milch (Mumi oder Säuglingsmilch) begonnen werden kann/sollte. Ideal ist dazu ein kohlenhydrathaltiger Zusatz in Form von Getreide im Brot oder Getreide als Müsli.
Es geht auch darum, dass du dein Kind langsam an eine 1. Mahlzeit am Tag, an ein Frühstück, am Tisch sitzend, gewöhnst. Morgens ist die Bereitschaft zum Kauen noch hoch. Kauen ist wichtig für die Ausbildung einer kräftigen Kaumuskulatur.
ZMZ: Brot oder Obst (
je nach dem wie lange die Zeitspanne bis zum Mittagessen ist, kann eine Zwischenmahlzeit sinnvoll sein. Hier gibt es entweder etwas Obst oder je nach dem evtl auch noch einmal etwas Brot.
Mittagessen:
gewohnter Brei, dazu Mittagessen - entweder sehr basic in Anlehnung an die üblichen Breie (alle Zutaten separat, breiig oder stückig, oder bereits bekannte einfache Gerichte wie Nudeln mit Sosse, Pizza etc und/oder Familienkost
neu ist jetzt, dass neben dem üblichen Brei und bekanntem Fingerfood auch schon Familienkost, vermehrt stückige Nahrung und das selbständige Essen, das Erlebnis ganz besonders im Vordergrund der Mahlzeit stehen.
Nachmittag/ZMZ:
Obst oder Getreidestängelchen o.ä., ggf Kuchen, Babykekse, Muffins, Waffeln etc
nachmittags ist ein Energienachschub durch Kohlenhydrate (Obst und/oder Getreide) erwünscht
Abends:
Brot und Milch oder Nudeln, ggf gewohnter Brei
die Kombination aus Getreide mit Milch fördert den guten Nachtschlaf.
dazu Obst/Gemüse ggf erste geeignete (feine) Rohkost

Milch = Muttermilch oder Säuglingsmilch (empfehlenswert sind etwa 400-500 ml Säuglingsmilch in 24 h.Stillen, sowie Pre-Milch (1er-Milch) kann es (zusätzlich) nach Bedarf geben, Milch im Brei inklusive).

Zum gewohnten Brei dazu kannst du ab sofort verschiedene weiche und babygerechte, ungefährliche (Konsistenz u.a.) Angebote vom Familientisch anbieten, biete einen Mix aus weichen Speisen, die dein Kind gut und schnell kauen und schlucken kann und kombiniere diese einfache Kost mit festeren Elementen,welche etwas mehr Kauaufwand erfordern.
Finde Kompromisse im täglichen Speisenangebot, die deinem Kind ermöglichen unkompliziert und ausreichend zu essen und fordere dein Kind bedürfnisorientiert, so dass sie stetig dazulernen und Neues entdecken kann.
Brei kann es zusätzlich geben, wenn dein Baby weiterhin auch Brei isst.

Zusammenfassend könnte man sagen:
dein Baby hat einen Wachstumsschub erlebt. Dein Baby braucht jetzt noch etwa 400-500 ml Säuglingsmilch (plus Pre-Milch nach Bedarf) am Tag. Der momentane Bedarf ist abends eher hoch, dafür morgens/vormittags/mittags eher geringer. Daraus resultiert, dass du den Ernährungsplan ggf umstellen könntest und die Phasen, in denen deine Tochter mehr Hunger hat (Milch fordert), mit entsprechenden Familienkosterlebnissen ergänzen könntest.
Den GOB kannst du weg lassen und stattdessen morgens Frühstück anbieten.
Finde einfach Kompromisse, die zu euch passen.
Hilft dir das weiter?
Grüße
Birgit Neumann
.

von Birgit Neumann am 29.06.2020

Antwort auf:

Speiseplan 9 Monate altes Baby

Hallo Frau Neumann,

vielen Dank für diese tolle Antwort, das hilft mir wirklich sehr weiter :-)

Lg

von Theresa1612 am 01.07.2020

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