Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Schlafverhalten

Frage: Schlafverhalten

Tatti87

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Liebe Biggi, ich brauche mal dringend Hilfe/Zuspruch! Mein Sohn ist am 10.07.2017 geboren, wird also in ein paar Tagen 8 Monate alt. Er isst mittlerweile mit Begeisterung drei Brei-Mahlzeiten (mittags, nachmittags und abends), ansonsten wird er noch gestillt. Große Probleme bereitet mir sein Schlafverhalten. Er war schon immer eher ein schlechter Schläfer. Aber anstatt besser wird es immer schlimmer und schlimmer. Die ersten 5 Monate ging es noch. Er wurde nachts zwar öfter wach, hat dann aber auch immer mal ein paar Stunden am Stück geschlafen. Seit etwa drei Monaten ist es aber immer schlimmer geworden und seit ein paar Wochen ist es einfach katastrophal. Ich bekomme kaum noch Schlaf. Er wird mittlerweile wirklich alle 30 bis 45 Minuten wach und fängt sofort an zu meckern. Er fordert dann die Brust, die ich ihm auch gebe. Ich zähle schon gar nicht mehr mit, wie oft ich ihn nachts stille. Letzte Nacht waren es bestimmt 15 mal. Früher ist er auch mal durch kuscheln oder streicheln wieder eingeschlafen, aber das geht gar nicht mehr. Wir schlafen im Familienbett und eigentlich hat er nachts meine permanente Nähe. Trotzdem schläft er nur mit der Brust wieder ein. Ich gehe langsam am Stock und fühle mich völlig ausgelaugt. Mein Mann kann mich auch nicht so richtig unterstützen. Er arbeitet immer bis 22 Uhr und kann somit die Kinder nicht mit ins Bett bringen. Daher brüllt der Kleine auch nachts richtig los, wenn mein Mann mal versucht, ihn wieder zum Einschlafen zu bringen. Er kennt es einfach nicht... Und tagsüber mit hinlegen geht auch nicht, da ich noch einen 3-jährigen Sohn habe, der keinen Mittagsschlaf mehr macht. Meine Kinderärztin hat mir schon zum konsequenten Abstillen geraten. Mein Sohn solle doch langsam lernen, alleine und ohne Brust einzuschlafen. Diesen Rat habe ich natürlich ignoriert. Trotzdem weiß ich einfach nicht mehr, was ich noch machen bzw. besser machen kann. Ist das Verhalten meines Sohnes normal? Wird das irgendwann von alleine besser oder muss ich etwas ändern, damit er besser schläft? Puh, das ist lang geworden... Vielen Dank schon im Voraus für deine Antwort.


Biggi Welter

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Liebe Tatti87, ich kann Dich so so gut verstehen, Schlafentzug ist Folter :-(. Du musst dir bewusst sein, dass sich durch das Ab- oder Wenigerstillen dein Leben keineswegs auf wundersame Weise positiv verändern würde. Falls Du diese Vorstellung haben solltest, könntest Du eine herbe Enttäuschung nach dem Abstillen erleben. Ein Baby muss eine gewisse Reife erreichen, um längere Zeit schlafen zu können. Wann dieser Zeitpunkt erreicht wird, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Eine Flasche mit künstlicher Säuglingsnahrung (oder ein Abendbrei) verbessern das Schlafverhalten nicht (das wurde in Studien nachgewiesen). Es gibt nicht wenige Kinder, die dann sogar noch weniger schlafen. Auch wenn das Kind am Tag viel isst, schläft es nicht besser, denn es wacht ja nicht nur wegen dem Hunger auf, sondern sucht Nähe und Geborgenheit! Seit Jahrtausenden und in unzähligen Kulturen ist es so, dass Mütter ihre Babys in den Schlaf stillen. Das Saugen wirkt beruhigend und nicht umsonst wurden im Laufe der Zeit die verschiedensten Brustattrappen (z.B. Schnuller s.o.) erfunden. Von der Natur ist es nicht vorgesehen, dass ein Baby oder Kleinkind allein ist und alleine einschläft. Nur passt dieses „natürliche" Verhalten des Babys nicht in unsere derzeitige Zeitströmung und damit haben wir ein (von uns selbst produziertes) Problem: Babys wissen nicht, was zur Zeit „Mode" ist und benehmen sich so, wie sie es seit Anbeginn der Menschheit getan haben. Es hat seinen Grund, warum stillende Mütter die besten Einschlafhilfen SIND. Beim Saugen an der Brust findet ein Baby das, was es braucht: Trost, Nahrung, Sicherheit. Es liegt vermutlich an einer gewissen neurologischen Unreife, wenn einige Babys das mehr brauchen als andere, und es "verwächst" sich wirklich von alleine!! Dein Baby braucht also vor allem eines: Zeit zum Reifen. Vielleicht "schenkst" Du ihm einfach noch ein bisschen von dieser Zeit, in der du ihm gestattest, so zu sein, wie es ist. Schau du, dass du gut auf dich achtest, Ruhepausen findest, vielleicht mal jemanden, der morgens oder am Nachmittag mit dem Kleinen im Tragetuch spazieren geht, damit du dich ausruhen oder in die warme Wanne legen kannst. Und hast Du es schon einmal mit dem Kinn-Trick" probiert? Der ist oft sehr hilfreich bei Babys, die die Brust fast ein wenig aus Gewohnheit im Mund haben wollen beim Schlafen. Dabei legst du, wenn du die Brust dem schlafenden Kind aus dem Mund gezogen hast, einen Finger längs unter die Unterlippe, so dass die Lippe beim "Suchen" einen gewissen Widerstand spürt. Dieser Widerstand wirkt beruhigend auf viele Kleinen, und sie schaffen es sich zu entspannen und eine tiefere Schlaf-Ebene zu erreichen... Das geht auch, wenn das Kind im Schlaf oder Halbschlaf wieder zu "suchen" beginnt: Man drückt ganz sanft sein Kinn nach oben. Bei vielen Babys wirkt das Wunder und sie schlafen plötzlich auch ohne Brust weiter/wieder ein. Manche Mütter berichten, dass es sogar geholfen hat, wenn sie ein kleines Kuscheltier ans Kinn des Kindes gelegt haben... Da ist es natürlich wichtig darauf zu achten, dass die Atemwege nicht blockiert werden :-). Wichtig ist auch, dass Du weißt, dass dies zwar eine lange Phase ist, aber sie WIRD vorbei gehen! Bis dahin ist es meist einfacher, das Drumherum zu ändern, als das Baby. • Nimm ALLE Hilfe an, die Du bekommen kannst. Erkundige dich mal, ob Du nicht eine Haushaltshilfe bekommen kannst (wegen absoluter und chronischer Erschöpfung). Möglicherweise kann dir auch deine Mutter, Schwiegermutter, Schwester oder eine Freundin (selbstverständlich auch das männliche Pendant dazu) etwas unter die Arme greifen. Das können ganz simple Dinge sein z.B. einmal alle Fenster putzen, deinen Bügelkorb leerbügeln, einige vorgekochte Mahlzeiten für deine Tiefkühltruhe, ein Nachmittag Babysitten während Du in die Sauna gehst oder sonst etwas für dich tust ... • Vielleicht findest Du auch einen verantwortungsbewussten Teenager, der gegen geringes Entgelt bereit ist, mit deinem Kind zu spielen oder spazieren zu gehen. In dieser Zeit solltest Du dann aber wirklich entweder schlafen (bzw. ruhen) oder DIR etwas Gutes tun. • Lass den Haushalt auf Sparflamme laufen. Nicht alles muss gebügelt werden. Wenn Handtücher nach dem Baden und Duschen wieder aufgehängt werden, statt auf dem Fußboden zu landen, können sie mehrmals benutzt werden, das spart Wäsche. Es ist nicht wesentlich mehr Arbeit die doppelte Menge Spaghettisoße zu kochen, aber Du hast dann eine fast fertige Mahlzeit für die Tiefkühltruhe. Es schadet nicht der Gesundheit der Familie, wenn Du die Fenster erst wieder im nächsten Jahr putzt. Du wirst sicher einiges finden, was im Haushalt nicht so perfekt gemacht werden muss. • Achte darauf, dass Du genügend isst und trinkst. Du musst keine perfekten Menüs kochen und essen, einigermaßen ausgewogen reicht und es darf auch Tiefkühlgemüse statt frischem Gemüse sein (dann sparst Du dir auch das Schälen und Putzen). Eine hungrige Mutter ist nicht so belastbar. Überlege dir auch einmal zu einem Stillgruppentreffen zu gehen und tausch dich dort mit den anderen Müttern aus. Vielleicht hast Du sogar das Glück so wie ich vor Jahren, dass Du dort Mütter oder eine Stillberaterin kennen lernst, die bereits ältere Kinder haben und Du kannst miterleben, dass es sich lohnt noch etwas durchzuhalten. Ich hoffe, die Antwort hilft dir weiter. LLLiebe Grüße Biggi


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