Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Nachtrag

Frage: Nachtrag

Kamikatze3010

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Liebe Kristina, erstmal danke für deine letzte Antwort. Doch, es waren Beraterinnen der LLL. Die erste meinte, das Zufüttern werden wir eh nicht mehr los. Die zweite hatte ehrlich gesagt gar keinen Plan und hat nur Standardfloskeln rausgehauen wie "Stillen ist eben bunt" und Allgemeines zum Anlegen etc. Das weiß ich alles, ich habe mittlerweile mehr als genug dazu gelesen. Vom Brusternährungsset, mit dem wir damals einen Versuch gestartet haben, hatte sie keine Ahnung und meinte nur, naja, in der Broschüre sieht das so und so aus, dann machen Sie das doch so. Toll, eine Broschüre kann ich mir auch anschauen. Die dritte meinte, er trinke ja ganz okay (60ml in 30min laut Wiegetest) und ich solle ihn max. ne Stunde stillen und dann mit Schnuller ins Tragetuch packen und wenn er schreit trotzdem abwarten, mindestens eine Stunde, bis ich ihn wieder anlege und nicht mehr die Flasche geben, damit er lernt, nur an der Brust zu trinken - ich kann und will mein Kind aber nicht schreien und hungern lassen. Die Hebamme war leider noch weniger hilfreich. Sie hat uns das Zufüttern aufgeschwatzt, weil der Kleine nach einer Woche sein Geburtsgewicht noch nicht wieder hatte (mittlerweile weiß ich, dass dafür 14 Tage auch okay sind), hat danach aber keinen einzigen konkreten Vorschlag gemacht, wie wir das nun wieder loswerden und meinte nur irgendwann, nachdem mehrere Wege, die ICH mir überlegt hatte, nicht funktioniert haben, sie sei nun mit ihrem Latein am Ende - na, vielen Dank dafür... Beim Windelwiegen kommen wir auf ca. 450g in 24h, was meines Wissens in seinem Alter ja okay ist. Trotzdem habe ich nie das Gefühl, dass er satt ist und wenn ich ihm dann doch eine Flasche gebe, haut er die weg wie nix. Eines der Hauptprobleme ist wahrscheinlich meine eigene Unsicherheit. Ich hab immer Angst, dass mein Kind hungert und ich zu wenig Milch habe und verkrampfe deshalb auch zunehmend beim Stillen und dann geht gar nichts mehr. Aber ich weiß auch nicht, wie ich das loswerden kann, man hat mich hier nachhaltig verunsichert. Ich überlege jetzt, am Wochenende ein Stillwochenende mit dem Kleinen einzulegen, aber hat das mit zehn Wochen überhaupt noch Sinn? Und ist es dabei okay, wenn er quasi rund um die Uhr an der Brust hängt? So war es beim letzten Versuch, einen Stilltag zu machen, und irgendwann habe ich aufgegeben, weil ich das Gefühl hatte, er wird nicht satt :-( Ach so, und natürlich ist an der Brust ungeduldiger, aber meist ist er trotzdem gerne dort und trinkt auch ganz gut... Ich bin mittlerweile ziemlich verzweifelt. Ich wollte so gerne voll stillen und nun ist alles so ein Chaos und Stress und ich weiß einfach nicht mehr weiter. Schöne Grüße, Kamikatze3010


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Kamikatze3010, die Vorstellung, dass die Brust (ähnlich wie eine Flasche) nach dem Stillen leer ist und erst wieder aufgefüllt werden muss, ist so nicht richtig. Zwar wird zwischen den Stillmahlzeiten Milch produziert, der Hauptanteil der Milch wird jedoch erst während des Stillens gebildet. Das Saugen des Kindes gibt das entsprechende Signal zur Milchbildung, der Milchspendereflex wird dann ausgelöst. Deshalb ist es auch falsch zwischen den Stilmahlzeiten eine längere Pause einzulegen, damit sich die Milch in der Brust sammelt, sondern es muss häufiger angelegt bzw. effektiv gepumpt werden, um die Milchmenge zu steigern. Deshalb ist es gut und richtig, wenn Du Stilltage einlegst und Dein Baby anlegst, sooft es nur mag! Die Trinktechniken an Brust und Flasche (künstlichem Sauger) unterscheiden sich grundlegend. Manche Kinder kommen mit dem Wechsel zwischen den beiden Techniken nicht klar und versuchen dann mit der falschen Technik an der Brust zu trinken. Das funktioniert nicht, das Kind bekommt an der Brust keine oder nur wenig Milch, ist frustriert und lehnt die Brust dann im schlimmsten Fall sogar ab. In dieser Situation spricht man dann von einer Saugverwirrung. Bei den Beruhigungssaugern handelt es sich um künstliche Sauger. Und unabhängig davon, ob sie auf einer Flasche oder als Beruhigungssauger Anwendung finden, können sich künstliche Sauger negativ auf das Stillen auswirken, Dies ist eines der Probleme, die sich aus dem Gebrauch von Beruhigungssaugern beim gestillten Baby ergeben können, insbesondere dann, wenn das Baby noch nicht gelernt hat, korrekt an der Brust zu saugen. Das Saugen an einem künstlichen Sauger unterscheidet sich wie bereits geschrieben grundlegend vom Saugen an der Brust. Der künstliche Sauger ist bereits vorgeformt und relativ steif. Die Brust ist weich und nachgiebig. Ein Schnuller kann in den geschlossenen Mund eines Babys gesteckt werden. Um die Brust zu erfassen, muss das Baby den Mund weit öffnen, die Brustwarze reicht dann weit nach hinten in den Mund, wo die Bewegungen des Kiefers und der Zunge nicht stören. Auch die Bewegungsmuster der Muskeln von Mund, Gesicht und Zunge, sind am künstlichen Sauger ganz anders, als an der Brust. Mit der Saugtechnik, die das Baby beim Trinken an einem Flaschensauger oder beim Nuckeln an einem Beruhigungssauger anwendet, kann es kaum Milch aus der Brust bekommen. Wäre es denn möglich, dass dein Baby mit einer alternativen Fütterungsmethode gefüttert wird? Hast Du schon einmal versucht, dein Baby mit einem Becher zu füttern? Wenn du bei Youtube die Stichworte "Cup feeding" und "baby" eingibst, kannst du viele Videos finden auf denen zu sehen ist, wie das geht. Es ist in der Regel von Fütterer und Kind wirklich schnell gelernt und klappt meist erstaunlich gut. Ich würde dir zusätzlich noch empfehlen, ihm eine Kalorienbombe aus Muttermilchsahne zu geben, das gibt den Kleinen meist einen wirklich guten Zunahme- und Entwicklungskick. Schau, dass du Milch ausstreichst oder abpumpst, die du in 10 ml Spritzen aufziehst und dann kopfüber in ein Glas stellst (also mit der Spitze nach unten). Lass aber ein bisschen Luft, denn die Schwerkraft wird den Kolben vielleicht etwas weiter in die Spritze drücken... Oben auf der Milch wird sich eine Fettschicht absetzen, der Muttermilchrahm. Nach ca. 2 Stunden kannst du den wässrigen unteren Teil der Milch ausdrücken und deinem Kind die verbleibende Sahne in den Mund träufeln. Statt mit leeren Spritzen kannst du natürlich auch mit einer Tasse arbeiten, in die du die gewonnene Muttermilch gibst. Oben wird sich der fetthaltige Rahm absetzen, du kannst ihn mit einem Löffel abschöpfen und deinem Baby geben. Wenn du das 3-4 Tage lang machst (je mehr, desto besser), wird dein Baby ganz sicher einen Schub machen. Ich kenne dein Baby nicht, ich sehe nicht, wie es trinkt und wie es aussieht, deshalb könnte ich leider niemals sagen, wie Du weiter vorgehen kannst. Eben so wenig wie ein Arzt, dem Du am Telefon sagen „mir tut mein Rücken weh" eine Ferndiagnose stellen kann, kann eine Stillberaterin bei Saugproblemen aus der Ferne sagen „genau das ist es". Ich kann hier am PC aus dem, was mir die Frauen schildern, bestimmte Rückschlüsse ziehen und mehr oder weniger allgemeine Tipps geben, doch das ersetzt in vielen Situationen niemals die direkte Beratung durch eine Stillberaterin vor Ort. Ja, es wäre sogar fahrlässig, wenn ich behaupten würde, die Stillberatung über Internet kann alle Probleme lösen. Falls Du noch keinen Kontakt zu einer Stillberaterin hast, solltest Du dich an eine Stillberaterin vor Ort wenden, die dich beim Stillen sehen kann und so feststellen kann, ob sein Baby korrekt an der Brust saugt oder vielleicht ein Saugproblem vorliegt, das behandelt werden müsste. Sie kann dir Tipps zum Pumpen geben und auch für die wunden Brustwarzen. Außerdem kann sie dir zeigen, wie es alternativen Fütterungsmethoden klappt. Adressen von Stillberaterinnen findest Du im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). Tut mir leid, wenn ich nicht mehr helfen kann…. LLLiebe Grüße Biggi Welter


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