Frage im Expertenforum Schwangerschaftsberatung an Dr. med. Vincenzo Bluni:

Schwanger werden (Lang)

Frage: Schwanger werden (Lang)

Mitglied inaktiv

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Hallo alle zusammen. Ich hab da mal ne Frage, ich möchte gern schwanger werden und lese von allen Seiten: Nimm die Pillen und die Vitamine usw...... Was ist nötig und was nicht????? Ich bin 23 Jahre alt bin seit 2 Jahren glücklich verheiratet & wir wünschen uns sehnlichst ein (oder zwei) Kind(er). Sei April 2004 hab ich die Pille abgesetzt. Im Juli 2004 war ich Schwanger und hab im September eine Fehlgeburt gehabt. Die Ärzte sagten mir: "Die Gene wären nicht in Ordnung gewesen." Das habe ich den Ärzten dann auch geglaubt. Aber im nachhinein ist diese Aussage schon komisch. Denn die Gene sind doch immer gleich. Oder?? Die Gene gibt man doch immer wieder weiter oder??? Tja ich habe keine Ahnung. Was meint Ihr und Sie Herr Blumi. Wodurch kann das passiert sein? Genauso geht es mir mit den ganzen Pillen die man vor oder während der Schwangerschaft einnehmen soll. Früher gab es das doch auch nicht?? Ich weis nicht was ich nachen soll!!??? Ich hab auch leztens in einem erforschtenBericht gelesen, dass der Ultraschall bei den Frühuntersuchungen (d.h. ab 5 - 12 Woche) das Fruchtwasser kurzzeitig zum Kochen bringen kann. Was ist da dran??? Wäre toll wenn mir jemand bei meinen Fragen weiterhelfen könnte. Vielen Dank schon mal. Liebe Grüße Euer Baby


Dr. med. Vincenzo Bluni

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hallo, 1. sofern die Frau jünger als 35 Jahre alt ist und die Zeit des Versuchens weniger als zwei Jahre beträgt, würde man ihr sicher erst mal raten, geduldig zu sein und abzuwarten, es sei denn, man hat schon vorab den Eindruck, dass, hormonelle oder organische Probleme vorliegen. Auch würde man mit einer Diagnostik nicht unbedingt vorher beginnen. Etwa 80% der Ehepaare mit Kinderwunsch erzielen im 1.Jahr eine Schwangerschaft, weitere 5% der Paare im 2.Jahr. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte ein Arzt /Ärztin aufgesucht werden, falls die Ehe kinderlos bleibt. Beim Alter der Frau über 35 Jahre, ist es angebracht, die Abklärungen bereits früher zu beginnen. Folgende Dinge sollten besprochen werden:  Besprechung des Kinderwunsches und der Krankengeschichte(durchgemachte Entzündungen und Operationen?)  Findet ein regelmäßiger Eisprung statt?  Wie steht es mit den wichtigsten Hormonen der Frau  Hat die Frau einen Eisprung? Sollte sie die Basaltemperatur messen? Die Messung der Basaltemperatur ist sicher interessant, hat aber dank den modernen Untersuchungsmethoden (Hormonbestimmung, Ultraschall) an Bedeutung verloren und belastet aus Erfahrung nur die Lebensqualität der Frau. Hier sind Hormonuntersuchungen zum Nachweis des Eisprungs an bestimmten Zyklustagen in Kombination mit der Ultraschallkontrolle der Gebärmutterschleimhaut und der Eierstöcke mit seinen heranreifenden Follikeln sicher viel aussagekräftiger, was die Aussagekraft zur Gelbkörperfunktion angeht. Wenn die Frau/das Paar hier das Bedürfnis hat, dieses genauer beurteilen zu lassen, sollte vielleicht mit dem behandelnden Frauenarzt oder Frauenärztin über ein Zyklusmonitoring sprechen, um die Abläufe besser eingrenzen zu können. Gleichzeitig sollte auch über negative Einflüsse auf die Fruchtbarkeit: Alkohol, Nikotin, Stress (bei beiden) und einem eventuellen Übergewicht bei der Frau gesprochen werden. 2.wenn es um die Frage geht, was an Mineralstoffen und Vitaminen schon bei Kinderwunsch bzw. in der Schwangerschaft ratsam ist, so kann man sagen, dass in jedem Fall frühzeitig schon die Einnahme von Folsäure (0,4 mg/Tag) und Jodid (200 Mikrogramm/Tag - sofern keine Schilddrüsenerkrankung vorliegt), empfehlenswert ist. Liegt bei der Frau ein Risiko für eine Neuralrohrfehlbildung (familiäre Belastung und/oder Kind mit offenem Rücken/Lippen-Kiefer-Gaumenspalte) vor oder nimmt sie z.B. Medikamente gegen eine Epilepsie ein, sollten vorsorglich 5mg Folsäure pro Tag eingenommen werden. Außerdem hat sich die prophylaktische Einnahme von Magnesium als sinnvoll erwiesen. Es sind 300 mg/Tag bzw. 15 mmol/Tag zu empfehlen. In oraler Verabreichungsform kann dieses problemlos gesteigert werden, da die einzige Nebenwirkung bei zu hoher Dosierung der Durchfall ist. Die Erfahrung zeigt, dass in vielen Fällen diese empfohlene Tagesdosis auch über die Ernährung nicht erreicht wird und es deshalb in der Schwangerschaft mehr als ratsam ist, dieses zuzuführen. Die Folsäure sollte in jedem Fall in den ersten 3-4 Monaten der Schwangerschaft eingenommen werden. Neuere Untersuchungen stützen die Vermutung, dass eine gute Versorgung mit Folsäure in der Frühschwangerschaft das Risiko für Neuralrohrschäden, d. h. einen offenen Rücken des Kindes, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten und ähnliche Fehlbildungen mindert. Die offizielle Empfehlung, die auch von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE: www.dge.de) herausgegeben wird, ist, dass die Frau (sofern keine Schilddrüsenerkrankung vorliegt) schon mit Kinderwunsch und natürlich während der Schwangerschaft und Stillzeit täglich 200 Mikrogramm Jodid zusätzlich substituiert, unabhängig von der Ernährung oder Einnahme von jodiertem Salz. Die Vorteile für das Kind liegen hier wissenschaftlich in vielen Studien erwiesen eindeutig auf der Hand. Schwangere haben einen erhöhten Bedarf an Jod. Ein Jodmangel kann sich nicht nur an einer Vergrößerung der Schilddrüse zeigen, sondern hat für Schwangere noch schwerwiegendere Folgen. Ein Jodmangel des ungeborenen Kindes beeinträchtigt seine Entwicklung weitreichend. Die Neugeborenen zeigen eine verlängerte Neugeborenengelbsucht, sind trinkfaul und bewegungsarm. Wenn die Diagnose nicht frühzeitig gestellt wird, kann sich das Vollbild des Kretinismus (dysproportionierter Zwergwuchs mit Intelligenzeinschränkung) entwickeln. 3.die häufigste Ursache für eine frühe Fehlgeburt sind genetische Störungen, dann folgen anatomische Ursachen, Infektionen und Medikamente . Auch können sowohl Gerinnungsstörungen als auch immunologische Ursachen eine Rolle spielen. Erst, wenn sich Fehlgeburten häufen (mehr als drei mal hintereinander), sollte man eine weiterführende Diagnostik empfehlen und hierzu gehört neben der Untersuchung der Frau, der Genetik der Eltern ggf. auch die Suche nach den oben genannten Blutgerinnungsstörungen, die häufig unerkannt bleiben, aber dennoch in einer nicht unerheblichen Zahl die Ursache für wiederholte Fehlgeburten und Probleme in der Schwangerschaft sind. Prophylaktisch kann man nicht immer vorbeugen, da z.B. bei einer genetischen Ursache hier eine Art natürlicher Ausleseprozess abläuft. Es ist eben ein normaler Vorgang, daß mache Frauen erst ein oder zwei Fehlgeburten haben, bevor eine sich intakte Schwangerschaft entwickelt. 4. Die Information mit dem Ultraschall ist sicher falsch und sollte nicht zur Verunsicherung führen. VB


Mitglied inaktiv

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Hallo Baby, was Dein Arzt damals bei der Fehlgeburt meinte, ist: Wenn bei der Zellteilung ein Ablesefehler passiert und die genetische Information falsch weitergegeben wird, hört der Körper von selbst auf, den Embryo weiterzuentwickeln. Das ist eine sehr häufige, gesunde und normale Reaktion. Ich hatte eine Fehlgeburt aus dem gleichen Grund. Das Kopieren der Gene bei der Zellteilung ist ein so komplexer Vorgang, dass dabei eben auch Fehler auftreten. Meist wiederholt sich so etwas aber in der nächsten Schwangerschaft nicht, und vorbeugen kann man da auch nicht. Es kann einfach jeder Frau passieren. Jede zweite Frau mit Kindern hatte auch schonmal eine Fehlgeburt, das ist im Leben einer Frau (leider) etwas Normales. Natürlich brauchst Du nicht eine Million Pillen einzunehmen, wenn Du schwanger werden willst. Das einzige, was wirklich wichtig ist, ist Folsäure (Apotheke, gut sortierte Drogerie). Damit solltest Du jetzt schon beginnen, weil die Folsäure schon da sein muss, wenn die Schwangerschaft beginnt. Sie verhindert gewisse Missbildungen beim Kind. Du hast Recht, dass man das früher alles nicht wusste und nicht machte. Die Mutter einer Freundin von mir wusste das auch nicht. Das Ergebnis: Die Freundin hat eine Rückenmarksschädigung (spina bifida) plus verkrüppeltem Fuß plus nicht funktionierendem Schließmuskel der Blase etc. Es ist ein sehr schweres Leben, sie wurde schon x-mal operiert. Folsäure kann diese Erkrankung ganz verhindern, denn sie entsteht durch Folsäuremangel. Liebe Grüße, Mimi


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