Frage im Expertenforum Schwangerschaftsberatung an Dr. med. Vincenzo Bluni:

Kaiserschnitt sinnvoller?

Frage: Kaiserschnitt sinnvoller?

Eris

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Guten morgen und vielen Dank schon einmal für dieses Angebot!!! Zu meiner Situation: Ich bin in der 35. SSW, laut gestriger Messung wiegt sie jetzt fast 3kg. Proportionen passen zusammen und es liegt keine SS-Diabetis vor. Vor zwei Jahren kam meine erste Tochter mit 4 kg zur Welt (KU 35cm). Ich hatte damals einen vorzeitigen Blasensprung und keine einsetzenden Wehen. Nach diversen Stunden am Wehentropf öffnete sich zwar der Muttermund, aber der Kopf wanderte nicht tiefer und irgendwann wurde ihr Herz immer langsamer, wenn eine Wehe anstand. Daher wurde ein Kaiserschnitt durchgeführt. Nun sagte der Chefarzt gestern im Krankenhaus bei der Geburtsanmeldung, dass es überdenkenswert sei, es wieder mit einer nromalen Geburt zu versuchen, da das Kind ja scheinbar wieder sehr groß wird. Ich würde dazu gerne eine zweite Meinung hören. Kann es denn wirklich nur an der Größe gelegen haben, dass meine erste Tochter nicht normal rauswollte? Der Kopf senkte sich ja nicht mal fest ins Becken, was er doch tun müsste, wenn es nur an der Größe lag, oder denke ich da falsch? Wie wahrscheinlich ist es denn, dass es wieder nicht klappt? Wie ist ihre Einschätzung? Wozu würden Sie raten? (Ich habe eigentlich kein Problem mit einem Kaiserschnitt, würde nur wegen der ersten Tochter gerne schnell wieder fit sein.) Vielen Dank für ihre Mühe! Sonja


Dr. med. Vincenzo Bluni

Dr. med. Vincenzo Bluni

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Liebe Sonja, wenn auch die geflügelten Worte “Once a cesarean – always a cesarean“ (einmal Kaiserschnitt – immer Kaiserschnitt) des Amerikaners Cragin zu Beginn des 20.Jahrhunderts lange Zeit das Denken prägten, ist diese Ansicht bei uns in Deutschland längst überholt. Aus diesem Grund sind für die Beantwortung der Frage, ob bei einer Folgeschwangerschaft erneut ein Kaiserschnitt erfolgt, die folgenden Parameter von großer Bedeutung 1.warum wurde der Kaiserschnitt gemacht? Wie war der Geburts- und Wehenverlauf? 2. Gibt es bei der folgenden Schwangerschaft besondere, geburtshilfliche Risiken bei der Frau und während der Schwangerschaft? 3. Wie schwer ist das folgende Kind ungefähr bei Geburt? Dieses sollte um die 36. SSW durch Untersuchung und per Ultraschall abgeschätzt werden. 4. Wie sind die Bedürfnisse der Eltern hinsichtlich des Entbindungsmodus? 5. Was empfehlen Frauenarzt/Ärztin und die Entbindungsklinik den Eltern? Generell ist es wohl sicher den meisten Fällen möglich, eine vaginale Entbindung (spontan, per Saugglocke oder Zange) auch nach einem Kaiserschnitt durchzuführen, ohne, dass hier Probleme entstehen müssen. Dieses sollte aber in Absprache mit der Frauenärztin/Frauenarzt und der Entbindungsklinik entschieden werden, wo die Frau sich eigentlich immer vor der Geburt vorstellen sollte und nach einem Kaiserschnitt vielleicht noch mehr, um über die Vor- und Nachteile und auch die möglichen Risiken des ein oder anderen Vorgehens zu sprechen. Studien zufolge liegen die Erfolgsraten einer vaginalen Entbindung je nach untersuchter Studiengruppe zwischen 50% und 90% (Mittelwert bei etwa 73%). Bei einer Spontangeburt nach mehr als einem vorangegangenen Kaiserschnitt liegt die Erfolgsrate zwischen 45% bis 90% (Mittelwert bei 68%). Wenn der der Kaiserschnitt aber wegen eines Geburtsstillstandes und der wiederum wegen eines Missverhältnisses zwischen kindlichem Kopf und mütterlichem Becken zu Stande kam, sinken die Chancen auf eine spontane Geburt doch erheblich und in dieser Situation ist es für sie das Beste, wenn Sie um die 37. SSW zu einem Geburtsplanungsgespräch in die Entbindungsklinik gehen, wo am besten ein erfahrener Facharzt, dem auch der letzte Geburtsbericht vorliegt an Hand einer Untersuchung und vielleicht eines Ultraschalls entscheiden kann, ob zunächst eine normale Geburt angestrebt werden kann oder ob es vielleicht jetzt Hinweise auf ein relatives Missverhältnis gibt. Wenn sich ein solcher Verdacht ergibt, kann es in der Tat sinnvoll sein, eher zum Kaiserschnitt zu raten, gerade, wenn das jetzige Kind am Termin wieder in Richtung 4.000 Gramm gehen wird. Denn dieses Vorgehen ist dann mit deutlich geringeren Risiken für das Kind verbunden. VB Quellen: - Landon, M. B. et al. (2005). The MFMU Cesarean Registry: Factors affecting the success of trial of labor after previous cesarean delivery. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 193, 1016-1023 -Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft für maternofetale Medizin, Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin & Board für Pränatal- und Geburtsmedizin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. (2007). Schwangerenbetreuung und Geburtsleitung bei Zustand nach Kaiserschnitt. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 015/021. http://www. leitlinien.net/


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