Guten Tag Herr Dr. Christian Karle, herzlichen Dank für ihre wirklich wertvolle Arbeit! Ihr Expertenforum hat mir schon oft geholfen. Ich habe nun eine lange und auch recht komplexe Anfrage und hoffe, dass Sie mir etwas helfen können.  Ich leide unter einer Angst- bzw. Zwangsstörung, die im normalen nichtschwangeren Zustand zwar vorhanden, aber händelbar ist. In meiner ersten Schwangerschaft und auch der momentan bestehenden zweiten macht sie mir jedoch das Leben wirklich schwer und ich kann die bestehende (aus medizinischer Sicht bisher absolut problemlos verlaufende) Schwangerschaft kaum genießen. Aus vielen Forenbeiträgen anderer Schwangerer und Mamas lese ich heraus, dass ich nicht alleine damit bin und wollte daher nun hier nachfragen, ob Sie evtl. konkrete Tipps haben, die mir und auch anderen in solchen oft erdrückenden Situationen helfen könnten. Zu meiner speziellen Situation: Ich war nach der Geburt meines ersten Kindes in Therapie aufgrund großer Kontaminationsängste und daraus resultierenden Hygienezwängen sowie der Ängste, dass mein Kind irgendetwas Schlimmes verschlucken könnte. Dies wurde mit zunehmendem Alter und Selbstständigkeit meines Kindes deutlich besser. Leider hat sich nun im Lauf der zweiten Schwangerschaft meine Situation wieder deutlich verschlechtert und ich habe massive Ängste, meinem Baby zu schaden, v. a. durch falsches Essen (versteckter Alkohol, Listerien und Co.). Dies wirkt sich massiv auf meinen Alltag und auch meine Familie aus. Diese Probleme hatte ich auch in der ersten Schwangerschaft schon, leider konnte ich damals keinen Therapieplatz finden. Gottseidank konnte ich jetzt meine Therapie wieder aufnehmen. Das dort Gesagte kann ich absolut nachvollziehen, jedoch fehlen mir konkrete Strategien oder "1.-Hilfe-Maßnahmen" (falls es so etwas überhaupt gibt?), die mir in dem einen panischen Moment helfen, herauszukommen. Eine typische Situation sieht so aus, dass ich etwas vermeintlich "Schlimmes" esse, z.B. ein Gericht in einem Restaurant, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob das Fleisch ganz durch war oder bei dem ich der Bedienung nicht ganz geglaubt habe, dass kein Alkohol oder anderes Schädliches enthalten ist. Trotz Nachfragen und Rückversicherungen während des Essens (und eigentlich meistens auch wider meines eigenen besseren Wissens) bin ich mir dann doch wieder unsicher, ob ich nicht etwas falsch gemacht habe. Ich bekomme Angst, die mich stunden- oder auch tagelang belastet. Um diese furchtbare Angst zu umgehen, neige ich dazu, solche Situationen im Vorhinein zu vermeiden, also z.B. möglichst wenig auswärts essen zu gehen, Verpackungen von Lebensmitteln genauestens auf Inhaltsstoffe oder Beschädigungen zu kontrollieren, bestimmte Lebensmittel gar nicht zu essen, nicht selbst zu kochen (da es häufig irgendwelche "Malheure" bei der Zubereitung gibt, die dafür sorgen, dass ich das von mir Gekochte nicht essen kann), usw.. Dieses Vermeiden ist natürlich nur eine temporäre Lösung, da sie die Ängste und Zwänge auf lange Sicht nur verstärkt und auch den Alltag massiv verkompliziert. Ein "Augen zu und durch" erzeugt wiederum oft große Panik und auch Stress, was ja ebenfalls nicht gut für mein kleines Baby ist. Mir ist klar, dass Sie hier keine umfassenden Therapie leisten können und ich arbeite natürlich laufend selbst an meinem Problem. Ein paar kleine Hilfen habe ich für mich selbst schon herausgefunden, wie z.B. Ablenkung, einfach Zeit verstreichen zu lassen, Stress und Hunger möglichst vermeiden, usw.. Aber vielleicht haben Sie ein paar Anregungen für mich und auch andere, die in einer Ähnlichen Situation sind? Bitte entschuldigen Sie meinen Roman. Ich habe meine Situation so ausführlich geschildert, weil ich hoffe, damit anderen, die Ähnliches durchmachen, zu zeigen, dass man nicht einfach nur panisch und verrückt ist, sondern dass das eine ernstzunehmende Störung ist und man auch etwas dagegen tun kann. Auch hoffe ich, damit ein paar von denen, die hier im Forum an der Ernsthaftigkeit verschiedener vermeintlich unsinniger Anfragen zweifeln, klarzumachen, dass hier die wenigsten absichtlich irgendeinen "Blödsinn" fragen, sondern dass dahinter oft starke Ängste und Unsicherheiten stecken, und dieses Forum eine gute Möglichkeit ist, eine Situation von einem Experten einschätzen zu lassen, sodass sich diese Ängste wenigstens für diese eine Situation in den Griff bekommen lassen. Sie alle leisten daher eine wirklich wichtige Arbeit und ich bin sehr dankbar dafür. Vielen Dank schon mal für Ihre Zeit und viele Grüße! Deine Schwangerschaftswoche: 22