nadhei
Guten Tag Herr Dr. Paulus, ganz zu Beginn meiner Schwangerschaft (5. SSW) hatte ich eine periodenähnliche Blutung und dachte daher nicht, dass ich schwanger sein könnte. Daher habe ich in dieser Zeit in einem Zeitraum von 5 Tagen an 3 Tagen (So., Mi. und wahrsch. Do. morgens) pro Tag eine Tablette Ibulysin mit 400mg Ibuprofen eingenommen. Als ich ein paar Tage später wusste, dass ich schwanger bin, habe ich recherchiert, ob diese Einnahme schädlich war und stieß auf folgende Studie: U.A. französische Forscherinnen vom Forschungsinstitut INSERM in Rennes untersuchten in einer Studie den Einfluss von Ibuprofen auf die Entwicklung von Eizellen. Die Experimente wurden an menschlichen Ovarien durchgeführt, die von Aborten in der 7 bis 12 SSW stammten. Ihr Eierstockgewebe wurde unterschiedlich konzentrierten Ibuprofenlösungen ausgesetzt, die einer Konzentration bei Einnahme von 400 oder 800 mg Ibuprofen entsprachen. Die Keimzellen reagierten im fetalen Eierstock besonders empfindlich auf Ibuprofen, so ein Ergebnis der Studie. Es zeigte sich eine verringerte Gesamtzahl an Keimzellen, weniger Proliferation und erhöhte Apoptose. Vergl.: https://academic.oup.com/humrep/article/33/3/482/4831088 Unabhängig davon, ob man die Studie auf den lebenden Organismus übertragen kann und möchte, hätte ich trotzdem gerne gewusst, ob dies in meinem Fall überhaupt vergleichbar ist, da ich im Unterschied zur Studie bei Einnahme des Ibuprofen erst in der 5. SSW (4+0 - 4+4) war? Und nicht wie in der Studie in Woche 7 - 12. Ich habe gelesen, dass im weiblichen Embryo zwar bereits ab der 5. SSW Urkeimzellen entstehen, dieser aber erst in der 6. SSW in die Keimleiste einwandern und sich erst im weiteren Verlauf die Oozyten vermehren? Kann es daher sein, dass meine Einnahme aufgrund des frühen Zeitpunkts der Schwangerschaft unkritisch war und so oder nicht die in der Studie beschriebenen Folgen haben kann? Besten Dank vorab und freundliche Grüße
Die Einnahme von drei Tabletten Ibuprofen 400 mg in der Frühschwangerschaft lässt sich natürlich nicht mit einem Laborversuch an Zellkulturen vergleichen. Selbst die verantwortlichen Wissenschaftlicher der von Ihnen zitierten Studie weisen darauf hin, dass sich die Labordaten nicht auf die menschliche Schwangerschaft übertragen lassen. Leider hat diese Studie durch unkritische Darstellung in der Sekundärliteratur sehr viel Verwirrung ausgelöst. Grundsätzlich wird bei Kinderwunsch von einer täglichen Daueranwendung von Ibuprofen abgeraten, weil durch die Prostaglandinsynthesehemmer der Eisprung gehemmt werden kann. Außerdem ist im letzten Schwangerschaftsdrittel wegen eines möglichen vorzeitigen Verschlusses des Ductus arteriosus (kindliche Kreislaufverbindung vor Geburt) mit all diesen Prostaglandinsynthesehemmern Vorsicht geboten.
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