Anna_94
Sehr geehrter Herr Dr. Paulus, Ich habe in der Frühschwangerschaft eine Therapie mit Dexamethason erhalten und mache mir nun Sorgen wegen möglicher Folgen. Mein Weg zur Schwangerschaft war lang und steinig, da ich aufgrund eines genetischen Syndroms (Turner-Mosaik) keine eigenen Eizellen habe. Daher wurde eine Kinderwunschbehandlung mit gespendeten Eizellen durchgeführt. Nach drei IVF-Versuchen war ich überhaupt nicht schwanger, nach der vierten IVF kam es zu einer biochemischen Schwangerschaft. Soweit ich es richtig verstehe, ist dies ungewöhnlich, da diese Therapie in der Regel eine sehr hohe Erfolgsrate hat. Selbst Frauen über 40 mit Vorerkrankungen werden oft schnell schwanger – wenn nicht nach der ersten IVF, dann nach der zweiten. Ich selbst war 30, und die Gebärmutter, die Schleimhaut sowie die Progesteronwerte waren stets in Ordnung, sodass für mich nicht nachvollziehbar war, warum es nicht funktionierte. Ich war bereits sehr verzweifelt. Bei der fünften IVF verordnete mir der Arzt in der Kinderwunschklinik Dexamethason. Auf Nachfrage erklärte er, dass der Embryo genetisch fremd sei und möglicherweise mein Immunsystem den Embryo angreife, weshalb die vorherigen Versuche nicht erfolgreich waren. Dexamethason sollte das Immunsystem abschwächen. Damals habe ich diese Entscheidung nicht kritisch hinterfragt – die Embryos, die wiederholt starben, waren mir zu schade. Außerdem habe ich ohnehin viele Medikamente genommen (Estradiol, Duphaston, Prolutex-Spritze, Laktobakterien, Vitamine …) und davon ausgegangen, dass in der Kinderwunschklinik nichts verschrieben wird, was dem Embryo schadet. Leider wurde ich über die Risiken der Therapie nicht aufgeklärt, aber wahrscheinlich hätte ich sowieso zugestimmt, da es ohne diese Therapie wohl nicht funktioniert hätte. Ich habe Dexamethason 1 mg täglich fünf Tage vor dem Embryotransfer begonnen und bis zur neunten Schwangerschaftswoche in dieser Dosierung fortgeführt. Anschließend wurde auf 0,5 mg täglich für eine Woche reduziert und bei ca. 9+3 SSW ganz abgesetzt. Diesmal hat es funktioniert, und wir erwarten ein Mädchen. Ich bin inzwischen in der 28. SSW. Im Nachhinein habe ich auf Embryotox gelesen, dass Dexamethason Lippen-Kiefer-Gaumenspalten auslösen kann. Im Zweittrimesterscreening und bei allen anderen Ultraschalluntersuchungen konnte man das Gesicht und den Kiefer gut erkennen, und es wurden keine Auffälligkeiten festgestellt. Das wäre auch nicht meine größte Sorge, da diese Fehlbildung heutzutage gut operiert werden kann. Ich habe jedoch weiter recherchiert und gelesen, dass Dexamethason die psychische Entwicklung von Kindern negativ beeinflussen kann und das Risiko für Autismus, ADHS und geistige Retardierung erhöhen könnte. Zudem sollen diese Kinder anfälliger für Stoffwechselerkrankungen sein. Jetzt mache ich mir große Sorgen, dass mein Kind Dexamethason so früh und über einen relativ langen Zeitraum erhalten hat. Die Dosierung war zwar nicht hoch, aber trotzdem längere Zeit im ersten Trimester. Mein einziger Trost ist, dass psychische Erkrankungen vor allem von Genetik und Erziehung abhängen, und Diabetes zum Beispiel auch von Genetik und Ernährung. Dexamethason hat zwar statistisch einen Effekt, aber ich hoffe, dass es nicht die entscheidende Rolle spielt. Wie schätzen Sie diese Situation ein? Liege ich mit meiner Einschätzung richtig, oder ist Dexamethason sehr bedenklich? Ich habe gelesen, dass man den Einsatz in der Schwangerschaft soweit möglich zu vermeiden versucht. Vielen Dank für Ihre Einschätzung!
Untersuchungen an Nagetieren zeigten eine Häufung von Lippen-Kiefer-Gaumen-Spaltbildungen unter Behandlung mit Glukokortikoiden. Einige Studien postulierten auch beim Menschen einen Zusammenhang zwischen mütterlicher Glukokortikoidtherapie und orofazialen Spaltbildungen. Eine Fall-Kontroll-Studie und mehrere prospektive Kohortenstudien konnten einen derartigen Zusammenhang jedoch nicht bestätigen (Vickers 1962; Warrell & Taylor 1968; Heinonen et al 1977; Mogadam et al 1981; Mintz et al 1986; Czeizel & Rockenbauer 1997). Eine neuere kontrollierte Kohortenstudie mit 311 Schwangeren unter oraler Glukokortikoidtherapie ergab keine Zunahme kongenitaler Anomalien (Gur et al 2004). Es wurde keine Zunahme von Gaumenspalten oder anderen Anomalien im Zusammenhang mit der mütterlichen Dexamethasoneinnahme festgestellt (Serment & Ruf 1968, Heinonen et al 1977). Die Anwendung von Dexamethason in geringen Dosen – wie bei Ihnen – ist im Rahmen der Kinderwunschbehandlung durchaus üblich. Eine besondere Gefahr für eine kindliche Schädigung sehe ich unter dieser Anwendung nicht, sofern sie nicht während der ganzen Schwangerschaft in hohen Dosen erfolgt (auch nicht für neurologische Schäden oder Stoffwechselstörungen!).
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