Guten Abend, mein Sohn ist aktuell dreieinhalb Monate alt. Seit seiner Geburt bin ich ziemlich vorsichtig, was Hygiene und mögliche Infektionen angeht. Gerade jetzt während der Erkältungs-, RSV- und Grippesaison versuche ich, ihn möglichst vor Infekten zu schützen. Deshalb meiden wir größere Menschenansammlungen, Einkaufszentren, Cafés und Babygruppen wie PEKiP. Auch Besuche von Freunden und Verwandten haben bisher nur selten stattgefunden, weil ständig irgendjemand erkältet war. Ich möchte eigentlich noch seine zweite Impfrunde in etwa drei Wochen abwarten, bevor wir wieder mehr unternehmen und soziale Kontakte zulassen. Gerade in den ersten Monaten habe ich außerdem sehr auf Hygiene geachtet. Ich habe häufig meine Hände gewaschen oder desinfiziert, nach Kontakt mit unseren Haustieren teilweise sogar die Kleidung gewechselt und Spielzeug gereinigt, wenn es auf den Boden gefallen ist. Mittlerweile bin ich da schon deutlich entspannter geworden. Wir haben auch einen Hund und zwei Katzen im Haushalt, sodass er vermutlich trotz regelmäßiger Reinigung mit vielen Mikroorganismen in Kontakt kommt. Außerdem wird er voll gestillt. Nun habe ich allerdings von der *Delayed-Infection-Hypothese nach Mel Greaves* gelesen, die einen möglichen Zusammenhang zwischen einer geringen Keimexposition in der frühen Kindheit und einem erhöhten Risiko für akute lymphoblastische Leukämie (ALL) beschreibt. Soweit ich verstanden habe, gibt es Studien, die bei Kindern mit frühen Gemeinschaftskontakten, beispielsweise durch einen frühen Kitabesuch, ein geringeres Leukämierisiko festgestellt haben. Natürlich gehen die meisten Kinder im ersten Lebenshalbjahr noch nicht in die Kita, sind aber vermutlich deutlich häufiger mit ihren Eltern unterwegs, treffen andere Menschen oder werden zu Besuchen mitgenommen. Genau solche Kontakte haben wir bisher weitgehend vermieden. Jetzt frage ich mich, ob ich durch meine Vorsicht möglicherweise mehr schade als nutze. 1.⁠ ⁠Könnte die intensive Hygiene und die Vermeidung sozialer Kontakte in den ersten vier bis fünf Lebensmonaten tatsächlich das spätere Leukämierisiko erhöhen, wenn man die Delayed-Infection-Hypothese berücksichtigt? 2.⁠ ⁠Reichen die normalen Kontakte mit Mikroorganismen im Haushalt, durch uns Eltern, die Haustiere und das Stillen für eine gesunde Immunentwicklung aus, oder braucht ein Baby auch regelmäßigen Kontakt zu anderen Menschen und deren Keimen? 3.⁠ ⁠Könnte mein Sohn später häufiger oder schwerer krank werden, weil er in den ersten Monaten vergleichsweise wenigen Krankheitserregern ausgesetzt war? 4.⁠ ⁠Gibt es möglicherweise ein besonders wichtiges Zeitfenster in den ersten Lebensmonaten, in dem das Immunsystem mit möglichst vielen unterschiedlichen Mikroorganismen in Kontakt kommen sollte? Oder macht es keinen wesentlichen Unterschied, wenn wir erst ab dem fünften oder sechsten Lebensmonat wieder mehr unter Menschen gehen?