Sozialpädagogin Sylvia Ubbens

Kindererziehung

Sylvia Ubbens, Dipl.-Sozialpädagogin

   

Antwort:

Verweigerungshaltung 6jährige

Hi. Da du nichts davon schreibst, dass sie Probleme mit dem Unterrichtsstoff hätte oder im Verein nicht so gut mit dem Training an sich klarkommt, gehe ich davon aus, es kann nicht an Überforderung liegen? Schule ist anstrengend und Sportverein auch eine Anforderung - evt. ist ihr Verweigerung auch Ausdruck einer Überforderung mit der den ganzen Anforderungen, die an ein Schulkind gestellt werden.
Wenn das auf keinen Falls ein kann, fallen mir spontan 2 Möglichkeiten ein:
Kinder, die zu Hause viele Regeln haben oder einen sehr durchgetakteten Alltag, versuchen dann an anderer Stelle "auszubrechen" bzw. ihre eigenen Ansprüche/Vorstellungen durchzusetzen.
Die Gegenvariante: Kind darf zu Hause sehr viel (evt. auch, um eine Verweigerung zu vermeiden?) und dann hat eben nicht gelernt, dass es in manchen Situationen eben ohne Regeln nicht geht. Regeln, die für alle - auch dieses Kind - gelten.

Das hieße, man müsste mal darüber nachdenken, wie es zu Hause so läuft. Und das ist bitte nicht so zu verstehen, als wenn der "Fehler" bei euch liegt! So viele Dinge ergeben sich einfach aus dem Alltag mit Beruf etc und schleifen sich ein, ohne das man es wirklich registriert.

Die Schule hat jetzt natürlich ein Problem: da ist ein Kind, das sich nicht an Regeln hält, teilweise auch richtig provoziert (auf den Tisch kritzelt). Sie muss also Maßnahmen ergreifen und da bleibt nicht viel als Strafarbeiten. Wobei ich zB bei Tisch bekritzeln sagen würde, sie muss den nach dem Unterricht wieder sauber machen. Einfach eine Zusatzaufgabe wird kein Verständnis bei ihr wecken. Grundsätzlich glaube ich, die Strafarbeiten werden nicht viel bewirken. Sie findet die Aufgaben unsinnig und macht sie deswegen nicht. Da wird die Strafarbeit natürlich auch als unsinnig empfunden werden.
Aber die Schule kann natürlich nicht einfach darüber hinwegsehen oder sie anders behandeln als die übrigen Kinder.

Was sagst sie denn eigentlich selbst dazu? Wie fühlt sie sich in der Schule? Hat sie dort Freunde? Wie schätzen die Lehrer sie sonst ein? Will sie den Sportverein selbst überhaupt noch machen?

Ich würde mal ohne Vorwürfe mit ihr reden. Fragen, wie sie sich fühlt. Und darüber nachdenken, wie es zu Hause läuft. Was dort anderes ist oder evt. ebenfalls problematisch.
Und mit der Schule reden. Also ein richtiges Gespräch, nicht zwischen Tür und Angel. Vielleicht gibt es auch eine Sozialarbeiterin/Pädagogin, die mit dazu kommen kann. Versucht auf jeden Fall, MIT der Schule zu arbeiten. Jetzt, in der 1. Klasse kann noch viel gedreht werden und ein paar Extras ausprobiert werden, um ein Kind besser zu integrieren. Im nächsten Jahr wird es bereits mehr anziehen und viele Dinge werden als selbstverständlich gesetzt - die Möglichkeiten und der Wille, da noch auf solche Bockigkeiten immer wieder einzugehen, wird deutlich abnehmen.

von cube am 13.06.2019, 09:06 Uhr

 
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