Sylvia Ubbens

Ständig Sorgen

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Liebe Frau Ubbens,

Ich habe ein großes Thema, dass mich schon lange beschäftigt. Mein Sohn geht in die 1. Klasse seit September. Er braucht schon immer sehr lange um mit anderen 'warm' zu werden. Im Kiga ging es. Da hat sich im Spiel oft was entwickelt. Verabredungen hatte er auch, weil ich diese vereinbart habe beim holen und bringen. In der Schule kannte er nur einen Jungen am Anfang aus dem Kiga. Sie sind beide sehr verschieden. Er saß dann eine Zeit neben einem. Das Interesse war nicht groß. Am Elternabend habe ich mit der Mutter des neuen Jungen was zum spielen vereinbart. Sie kommen gut aus. Es passte soweit. Mit anderen Kindern wird er nicht warm. Sie haben sich inzwischen auch alle umgesetzt. Sein neuer Sitznachbar ist wohl ein guter Lernpartner laut Lehererin. Immer wenn ich ihn nach ihm frage, sagt er nicht so wirklich etwas. Ich habe gefragt ob wir mal was zum spielen ausmachen sollen,aber das will er nicht so recht. Der Junge vom Anfang mit dem er sich ab und zu trifft, spielt in der Pause jetzt mit einem anderen und er darf nicht mitspielen. Ich habe ihn gefragt warum er nicht mit anderen spielt, er weiß nicht mit wem. Wenn ich ihn frage, wen er in seiner Klasse mag, sagt er, das weiß er nicht.
Ich mache mir Sorgen. Ich merke er tut sich schwer und möchte nicht, dass er alleine rumsteht. Er ist manchmal sozial etwas schwierig von seiner Art her. Wenn wir irgendwo andere Kinder treffen die er kennt und sie grüßen ihn, dann schaut er weg und sagt nichts. Auch nach der Schule, wenn ich ihn abhole, und jemand verabschiedet sich, dann sagt er nichts. Er steht sich selbst so im Weg. Mich macht das traurig. Ich würde mir wünschen, dass er ein bisschen mehr auf andere zugeht. Oder zumindest Interesse zeigt.
Im Kindergarten beim spielen war es immer so, dass jeder gerne bei ihm mitspielen durfte, aber er wollte sagen was gespielt wird und wie. Sich da anderen anzupassen war immer schwer für ihn und er hatte auch nie das Bedürfnis, sich da in ein bestimmtes Spiel einzugliedern. Oder wenn etwas total 'In' war im Kiga, war ihm das auch egal. Er hatte nie den Wunsch mitreden zu können. Darum wurde er, glaube ich, auch so selten auf Geburtstage eingeladen.
Ich würde ihm so gerne helfen. Ihn beim Freundschaften schließen unterstützen. Sehen, dass er versucht soziale Kontakte zu knüpfen. Irgendwie steht er sich selbst so im Weg.
Mich belastet das. Und ich merke, dass ich oft dazu neige ihn förmlich auszufragen nach der Schule und ihm Ratschläge zu geben. Das ist nicht gut. Das weiß ich. Ich möchte ihm nicht vermitteln, dass er nicht ok ist. Ich würde ihn so gerne einfach 'lassen', aber es ist wahnsinnig schwer für mich, mir nicht die ganze Zeit Sorgen um sein Sozialleben zu machen. Wenn ich mal nicht nachfrage brennen mir die Fragen den ganzen Tag unter den Nägeln und ich habe dauernd das dringende Bedürfnis ihm unter die Arme zu greifen.
Entschuldigen Sie bitte den langen Text. Ich hoffe es ist nicht zu viel und zu wirr.
Kurz zusammen gefasst, wie schaffe ich es, meinen Sohn in seinem Sozialleben zu unterstützen ohne ihn in die Enge zu treiben und wie bekomme ich dieses Gefühl, das Bedürfnis des ständigen 'kontrollieren' wollen in den Griff. Manchmal denke ich, dass es ja unterbewusst schon meine Erwartungshaltung ist, dass er sich schwer tut und ich etwas tun muss. Und sich das einfach nur erfüllt.

Danke fürs lesen. Vg nina

von Nina0713 am 03.12.2019, 08:56 Uhr

 

Antwort auf:

Ständig Sorgen

Liebe Nina,

wie Sie selbst schon so treffend geschrieben haben, haben Sie Sorgen. Ihr Sohn scheinbar nicht. Meine Vorrednerin hat schon sehr gut und treffend geantwortet und werde die Worte hier nicht wiederholen.

Versuchen Sie sich zurückzunehmen. Fragen Sie in den nächsten Wochen nicht so gezielt nach. Erzählen Sie beim Mittagessen von Ihrem Tag, vielleicht erzählt dann auch Ihr Sohn von seinem.

Für viele Kinder sind die ersten Monate in der Schule eine emotionale Herausforderung. Und so lang ist das Schuljahr ja noch nicht gewesen. Jetzt kommt noch die ganze Aufregung von Weihnachten dazu, da hat Ihr Sohn gar kein Bedürfnis sich zu verabreden. Es wird kommen. Ihr Sohn wird sich verabreden wollen und sich Ihnen gegenüber äußern. Haben Sie entsprechend Geduld.

Nichtsdestotrotz sprechen Sie gerne mit der Klassenlehrerin und fragen nach, ob sie Handlungsbedarf sieht.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 04.12.2019

Antwort auf:

Ständig Sorgen

Ist euer Sohn denn unglücklich damit? Belastet es ihn?
Wenn nicht und die Kl auch sagt, das er gut in die Klasse integriert ist, solltest du ihn vielleicht einfachmal lassen. Es gibt Menschen, die sind sich selbst sozusagen genug. Sie genießen die Gesellschaft anderer um sie herum und wenn dann die Arbeit oder eben schule vorbei ist, haben sie gar nicht das Bedürfnis, sich jetzt gleich wieder zu verabreden.
Beschäftigt er sich denn zu Hause dann selbst oder hast du den Eindruck, er weiß nicht so Recht etwas mit sich anzufangen?
Ichglaube, wir haben immer das Bild im Kopf, das ein Kind sich doch mit anderen treffen muss, immer gerne Besuch hat oder haben will - aber wie Erwachsene gibt es eben auch Kinder, die das gar nicht brauchen bzw. wollen. Denen der Kontakt in der Schule reicht.
Unser Kind erzählt auch wenig über die Schule - wenn diese aus ist, ist das Thema für ihn sozusagen beendet. Wenn, erzählt er von sich aus irgendwann einfach so. Frage ich, höre ich meist ein "wie immer", "alles ok" oä wenig Informatives ;-)

Und hab im Kopf, das die Schule eigentlich gerade erst begonnen hat. Kinder brauchen unterschiedlich lange ums ich an die neuen Anforderungen und Anstrengungen zu gewöhnen. Unser Kind wollte im ersten HJ eigentlich nur seine Ruhe. Die Schule war anstrengend genug und Verabredungen kamen erst im 2. HJ und sind auch mal mehr, mal weniger mal gar nicht.

Ich würde nochmal die KL fragen, wie sie das einschätzt. Ob sie euren Sohn für gut integriert hält oder ihr auffällt, das er oft alleine in den Pausen steht, sich schwer tut, Anschluss zu finden etc.

Ach so - kleiner Tipp: frag ihn nicht immer, wie es bei hm war, was er gemacht hat sondern geh sozusagen mit gutem Beispiel voran. Erzähl du doch einfach von deinem Tag. Vielleicht steigt er darauf ein und merkt, das man einfach etwas erzählen/sich unterhalten kann auch wenn nichts Besonderes passiert ist.

von cube am 03.12.2019

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