lise73
hallo
ich mache mir einfach viele sorgen um meinen knapp 12 jährigen. bei ihm wurde mit ca. 4 jahren selektiven mutismus diagnostiziert, den er mittlerweile recht gut im griff hat.
er ist in der schule zwar gut integriert aber in der freizeit hat er leider kaum verabredungen. mit graut es dann immer schon vor den wochenenden und ferien
er selber mag/traut sich nicht wirklich andere fragen, da er sich immer vor zurückweisung fürchtet - dies ist leider noch ein überbleibsel des sel. mutismus.
er ist auch in einem fussballverein, aber auch dort ist er zwar relativ gut integriert aber halt nur im verein. wenn über seine fussball whats app gruppe etwas ausgemacht wird, ist er immer dabei, aber halt eben nur über die gruppe. privat wird er nur ganz ganz selten angeschrieben oder eingeladen.
ich versuche immer wieder ihn aufzufangen / aufzubauen und mit ihm darüber zu sprechen und möchte ihm tipps geben, aber da blockt er immer ab. es ist, und war für uns schon immer relativ schwer, an ihn heran zu kommen.
für ihn ist es das schönste, wenn er viele kollegen um sich herum, aber kann so schlecht auf andere zugehen. er hat nicht wirklich freunde, nur kollegen.
freunde sind für mich kinder die sich immer wieder regelmässig anrufen, treffen (gegenseitig was abmachen) und auf die man sich verlassen kann. sehe ich das zu eng / streng??
nach der letzten klassenfahrt war er so geknickt, dass er wieder heim musste, er wäre gern noch viel länger geblieben. manchmal hab ich das gefühl, dass er leicht depressiv ist, da er sich von den anderen nicht angenommen bzw. gesehen fühlt. er hängt dann nur daheim am handy und lässt sich auch zu nichts motivieren.
ich weiss mir manchmal keinen rat mehr, wie ich ihm helfen soll / kann.. habt ihr mir vlt tipps?
danke fürs lesen
lg, lise
Huhu, wenn Kinder wenig Anschluss finden, sind ja oft auch deren Eltern nicht sehr kontaktfreudig. Es ist ein bisschen Genetik, aber auch ein erlerntes und abgeschautes Verhalten. Wenn man zu Hause ein offenes Haus mit vielen Freunden und deren Kindern hat, hat es das eigene Kind natürlich leicht, auf diese Weise auch Anschluss zu finden. Zum Beispiel gibt es sicher Mütter und Väter in eurem Fußballverein, die sich auch privat kennen und treffen. Für deren Kinder ist es dann leichter, miteinander befreundet zu sein als für deinen Sohn, weil auch ihr Eltern vielleicht wenig Anschluss in dem Verein habt. Ist nur ein Beispiel. Ich würde versuchen, Familienfreundschaften aufzubauen. Es bringt nichts, das Kind allein zu instruieren, was es Tolles tun könnte, um Freunde zu finden. Denn könnte es das, würde es das ja längst tun. Vielleicht könnten du oder dein Partner mehr auf andere Eltern in der Schule, im Verein, vielleicht in der Kirchengemeine usw. zugehen und Freundschaften aufbauen. Die Kinder sind dann automatisch mit drin. LG
Wobei mit 12 da der Zug für Eltern-Freundschaften bald abgefahren ist. Die Kinder werden immer selbstständiger und verabreden sich nicht mehr über die Eltern... Spätestens mit 14 hörte das hier auf... Dann tauchten auch neue Freunde auf, deren Eltern wir nicht kannten.
Vielen lieben Dank für eure Antworten
Wir als Eltern sind relativ gut integriert aber das ändert nichts daran dass außertourlich nicht viel statt findet.. dann gehts 1-2 gut und dann war’s das wieder.
Für mehr Hobbies fehlt leider die Zeit, da er mit Schule und Sport gut eingedeckt ist.
Ich mach mir hauptsächlich sorgen, wenn wie jetzt wieder Ferien sind ..
Der Tipp mit der Therapie ist gut, aber ich möchte es auch nicht zu sehr thematisieren, da ich befürchte das ihn das noch mehr zurück schlägt. Ich denke ich muss mir mal professionellen Rat holen wie ich am besten damit umgehen kann …
Ich verstehe schon, dass er sich schwer damit tut, selber auf andere zu zu gehen. Aber wenn er selbst nie signalisiert, dass er sich treffen würde - entsteht halt der Eindruck, dass er daran eh kein Interesse hat. Blöder Kreislauf - aber er wird da selbst zumindest einen kleinen Schritt machen müssen. Im Zweifel würde ich dann evt. doch mal mit einem KJP sprechen. Oder andere Option: kennst du denn Kinder, mit denen er sich gerne treffen würde, sich aber nicht traut, zu fragen? Dann vielleicht doch - auch bei einem 13-jährigen - als Mutter mal die andere Mutter ansprechen und nachfragen, ob ihr Kind Interesse hätte. Vielleicht muss man dann auch "die Hosen runter lassen" und erklären, dass Kind sich schwer tut/sehr schüchtern ist, und man deswegen eine kleine Starthilfe geben möchte. Eins ist aber sicher: darauf zu warten, dass man eingeladen wird, während man selber aber gar nicht so wirkt, als wenn man Interesse daran hätte, wird nicht passieren. Warum musste er denn von der Klassenfahrt heim? das verstehe ich nicht ganz. Ist dort etwas passiert, was ihn so traurig gemacht hat oder hat er auch da darauf gewartet, dass man ihn explizit anspricht? IdR gibt es doch in dem Alter auch noch Programm, wo man eh etwas zusammen macht. Völlig ausgeschlossen kann er dann doch nicht gewesen sein, oder? Das sind natürlich noch mal on Top Dinge, die sowohl ihn vermutlich beschämen und zusätzlich hindern - als auch Zeichen an die anderen Kinder, dass euer Sohn gar nicht wirklich dabei sein will.
...
das mit den müttern habe ich schon öfter versucht, aber da die meisten das problem selbt nicht kennen, sehen die das oft auch nicht so. und es wird so abgetan, dass die kinder sich selber verabreden sollen.
nein, die klassenfahrt war einfach zu ende und er hat es sooo sehr genossen in der klasse - also während der schulzeit ist er gut integriert. solange kein anderer junge der eher ein grösseres selbstbewusstein hat, dazwischen kommt da unserer nicht so selbstbewusst ist, rückt er dann relativ schnell wieder in den hintergrund.. da diese schule aber in einem anderen ort ist, kommen da kinder von überall her und somit ist die freizeit gestaltung sowiso schon schwieriger.
Zumindest wird Dein Sohn in Gruppen integriert. Das ist schon einmal viel wert. Ich denke, da fehlt wirklich vor allem der Schritt, sich mal zu trauen, sich zu verabreden. Vielleicht wären ein, zwei Therapiestunden, wo ihm ein Psychologe Tips gibt, wie er es schafft, sich zu trauen, sinnvoll.
ja eben, aber er ist nach einer "niederlage" dann wieder so down.. ich versuche immer ihn dazu zu animieren, aber das klappt leider nicht so oft. versuche ihm dann zu erklären, dass es auch bei uns erwachsenen immer mal wieder tage gibt, dass keiner zeit hat, aber das nimmt er dann halt auch nicht immer so gut an. ich hoffe, dass auch das alter ein bisschen erleichterung bringt.
ja darüber bin ich auch sehr froh, es fehlt einfach noch der letzte schubs und auch, dass er einfach lernt, auch mit einer Absage besser / gut klar zu kommen..
Wie empfindet er das denn selbst? Mein Sohn wird auch 12 und trifft relativ selten Freunde. Das war bei unserer Tochter in dem Alter ähnlich. Ich würde einfach versuchen ihm Hobbies etc . zu ermöglichen. Vielleicht mal mit befreundeten Eltern ein Vater Kind Zelten organisieren oder so. Will er denn Freunde treffen oder wollt Ihr das? Ich würde versuchen das nicht mehr zu thematisieren. Das setzt ihn zusätzlich unter Druck.
ja, er möchte das schon selber. er ist so glücklich wenn er dann mal mit jemandem was unternehmen kann. ansonsten ist er oft frustriert und traurig - was mich dann halt auch wieder traurig macht. und ich bzw wir sind einfach kein guter ersatz, wir versuchen dann schon immer was mit ihm zu machen oder ihn einzubinden aber das ersetzt halt keine freunde... bei unserer tochter war es komischerweise auch so. bis dann endlich eine freundin gefunden wurde und seit da (ca 3 Jahre jetzt) sind sie unzertrennlich.. das würde ich ihm auch so sehr wünschen. einen freund der sich für ihn interessiert und auch immer wieder gegenseitiges interesse da ist.
wie oft trifft sich denn dein sohn mit anderen kindern.
meiner ist unter der woche mit schule und fussball zwar gut eingedeckt, aber grad nach dem fussball - fragen sich die anderen immer gegenseitig ob noch sie noch mitkommen wollen, nur unserer bleibt dann meist übrig.. deshalb ist das wochenende dann auch recht einsam.
Huhu, wenn Dein Kind gern in einer Gruppe unterwegs und dann üblicherweise gut integriert ist, würde ich vorschlagen, Ihr sucht erstmal noch weitere Hobbies, in denen gemeinsam etwas unternommen wird. Mehr Sport, ein Chor, Pfadfinder, Jugendfeuerwehr, eine Umweltgruppe... was ihn interessiert. Gemeinsame Unternehmungen mit anderen Familien sind sicher auch gut, aber, wie jemand anderes schrieb, damit müsst Ihr Euch etwas ranhalten.
wir wohnen in einem kleinen dorf, da gibt es leider nicht sovie andere Gruppen. Aber ich werde mich mal umhören. es wird natürlich mit 12 auch nicht wirklich einfacher ..