Torsti
der Amoklauf aus der Sicht eines Polizisten. Also wie er das erlebt hat. Der Polizist hat es bis heute nicht verarbeitet. Kann nachts nicht schlafen, hat Panik, Angst und sieht die Opfer bei sich in der Wohnung.
Meinst du den Amoklauf von Winnenden? Das glaube ich, dass es auch für die Einsatzkräfte furchtbar war. Bei dem Amoklauf an unserer Schule war einer der ersten Polizisten die am Tatort waren, der Ehemann einer erschossenen Lehrerin. Das muss für ihn schrecklich gewesen sein. Von Alpträumen geplagt sind viele heute noch. Auch wenn es nach außen hin so scheint, als hätte meine Tochter das ganze schon gut verarbeitet, macht sie jede Nacht zum Tag und kann seit dem 11.03.2009 nicht mehr schlafen. Egal, um welche Uhrzeit ich nachts zur Toilette gehe und anschließend bei meiner Tochter ins Zimmer schaue, sie liegt immer wach im Bett. Nach außen hin, vor allem Fremden gegenüber, zeigt meine Tochter nicht, wie es ihr wirklich geht. Das haben jetzt auch verschiedene Radio- und Fernsehteams, die die letzten Tage hier waren gesagt. Sie sagten jedes Mal, meine Tochter wäre ein starke Frau, die das alles sehr gut weggesteckt hätte. Im Innersten sieht es jedoch ganz anders aus. Ich als Mutter bzw. wir als Familie merken es, wenn es meiner Tochter nicht gut geht. Ihr geht es natürlich nicht durchweg schlecht, aber es gibt auch heute noch Tage, an denen sie sich am liebsten verkriechen würde. Meine Tochter hatte letztes Jahr eine Ausbildung zur Erzieherin begonnen, da sie bis jetzt noch immer keinen Ausbildungsplatz bekommen hatte, weil sie aus der besagten Schule kommt. Die Ausbildung zur Erzieherin ist eine Ausbildung mit Vollzeitschule. Sie musste die Ausbildung im Dezemer letztes Jahr abbrechen, da sie es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr konnte. In Schulhäusern hat meine Tochter Panik. Sie sitzt dann ganz angespannt im Klassenzimmer. Die Anspannung hat zu schweren Verspannungen geführt, so dass meine Tochter sich zum Schluss nicht mehr bewegen konnte ohne Schmerzen. Die Verspannungen haben sogar den Hörnerv geklemmt, so dass sie auf einem Ohr nichts mehr hören konnte. Das ist dann natürlich keine Basis für eine Ausbildung mit Vollzeitschule. Als sie sich dann auf unser Anraten und auch auf Anraten unseres Arztes von der Schule abgemeldet hatte, meinte ihre Lehrerin und auch ihre Schulkameraden, dass sie gar nicht gemerkt hätten, dass es ihr so schlecht ging. Die Lehrerinnen meinten sogar, dass sie doch immer so gut mitgemacht hätte und auch immer super Noten geschrieben hätte. Da sieht man, wie gut meine Tochter das vor Fremden verbergen kann. Wir haben dann überlegt, was man machen kann, damit sie eine Ausbildung bekommt, die sie ja auch unbedingt möchte, aber nicht mehr in ein Schulgebäude muss. So sind wir dann auf die Ausbildung per Fernstudium gekommen. Das macht sie jetzt und lernt nun eisern von zu Hause und macht per Fernstudium eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin. Aber was soll man machen, wenn Schulgebäude Panik auslösen. Man sieht, auch Jahre nach so einer schrecklichen Tat, kehrt kein Alltag mehr ein. Auch ich habe heute noch große Probleme damit. Ich war früher ein fröhlicher unbeschwerter Mensch, heute bin ich ein ängstlicher Mensch geworden, der unter ständiger Verspannung leidet, wenn die Kinder nicht zu Hause sind und dadurch richtige Schmerzen im Bewegungsapparat bekommen habe. Gruß Sylvia
Ich habe ja schon bei der Sendung im ZDF gesagt das ich das Gefühl habe das deine Tochter es noch nicht verarbeitet hat. Bekommt sie noch Hilfe von aussen? Ihr seid eine tolle Familie und ich wünsche euch das ihr alle es schafft damit umzugehen. Es ist ein Trauma für die ganze Familie, für jedes einzelne Mitglied. Zur Sendung. Ich habe bis jetzt immer " nur" " Mitleid" mit den Schülern Opfern, Angehörigen gehabt. Wobei Mitleid hier auch nicht so das richtige Wort ist. Als ich gestern diesen Polizisten gesehen habe, ist mir ein richtiger Schauer übern Körper galaufen. Weil ich eben nie dran gedacht habe das auch sie leiden. Für mich war es eben immer ihr Job und sie mussten da durch. Was du hier über deine Tochter erzählst macht mich richtig traurig und das schlimme ist, das man es nicht einfach vergessen kann und es sein Lebenlang begleiten wird. Euer lebenlang. Durch dich und deine Geschichte habe ich mir das erstemal intensiver Gedanken über das Thema gemacht. Wenn man sowas in den Nachrichten gehört hat, habe ich Gedacht Ohje wie schlimm die armen Kinder und nach 2-3 Tagen war das Thema wieder vom Tisch.
Ich hatte nicht den Eindruck, dass Deine Tochter Das Trauma gut verarbeitet hat. Es saß alles noch ziemlich fest drin, und deshalb wirkte sie schüchtern. Die andere junge Frau machte den Eindruck, dass ihre Leichtigkeit aufgesetzt war. Wie soll man denn so ein schreckliches Ereignis wegstecken ? Ich wünsche Deiner Familie weiterhin viel Kraft und Zuversicht.
Liebe Sylvia, ich glaube auch, dass Ihr ein Leben lang mit den Folgen leben müsst. Und da Deine Tochter ja unmittelbar dabei war, als die Referentarin erschossen wurde bzw. diese ihr das Leben gerettet hat, wird sie NIE vergessen. Ich hoffe auch, dass sie sich noch lange Hilfe von aussen holt. So sehr Ihr sie unterstützt, seid Ihr aber auch betroffen und daher ist fremde Hilfe besser. Kann sie nicht wenigstens homöopatische Schlafmittel nehmen, damit sie ihr Fernstudium auch gut beenden kann? Ich wünsche Euch alles Glück der Welt und dass Ihr damit leben lernt. Denn verarbeiten geht schlecht...nur versuchen, damit zu leben!