Hallo zusammen, ich habe mir inzwischen mehrere Waldkindergärten angeschaut – und ehrlich gesagt immer wieder dasselbe Muster erlebt. Deshalb frage ich mich inzwischen ernsthaft: Ist ein Waldkindergarten wirklich ein pädagogisches Konzept oder einfach nur Aufbewahrung im Wald? Meine Beobachtungen: Strenger Ablauf statt Orientierung an den Bedürfnissen der Kinder. Die Kinder können nicht essen, wann sie Hunger haben, sondern nur zu festgelegten Zeiten. Auch nach langen Wegen gibt es nicht einfach mal einen Snack zwischendurch. Extrem kurze Eingewöhnung: Auch das hat mich  irritiert. Es wird eine sehr schnelle Eingewöhnung verlangt – viel schneller, als ich es aus anderen Einrichtungen kenne. Für eine normale Eingewöhnung im Tempo des Kindes scheint kaum Raum zu sein. Stattdessen müssen die Kinder sich offenbar möglichst schnell anpassen und funktionieren. Müdigkeit scheint keine Rolle zu spielen. Es wird gelaufen, gelaufen und noch mehr gelaufen. Auch kleine Kinder müssen die Wege schaffen. Wenn ein Kind völlig müde ist, hat es offenbar trotzdem Pech gehabt – alle müssen weiter. Schlafen? Fehlanzeige. Eine Kita bot nicht einmal eine Abholung zur Mittagszeit an, sondern Betreuung nur bis zum späten Nachmittag. Für kleine Kinder ohne Mittagsschlaf. Angeblich bräuchten die das nicht mehr. Schlafmöglichkeiten gab es keine. Pädagogik habe ich kaum erlebt. Die Kinder waren im Wald und im Grunde sich selbst überlassen. Natürlich ist Freispiel wichtig, aber irgendwann fragte ich mich schon: Wo ist eigentlich die pädagogische Arbeit? Es wirkte teilweise wirklich so, als würden die Erwachsenen hauptsächlich die Aufsichtspflicht erfüllen. Der Umgang mit den Kindern hat mich teilweise regelrecht. Liebevoll habe ich es in den Waldkindergärten, die ich gesehen habe, nicht erlebt. Eher ein Umgang nach dem Motto: „Da musst du jetzt durch.“ Oder: „Alle warten auf dich!“ Für mich hatte das teilweise mehr von Bootcamp als von Kindergarten. Viele dort sind gar keine ausgebildeten Erzieher. Manche haben lediglich eine Fortbildung gemacht. Und ehrlich gesagt: Ich finde, man merkt es auch.Einige Mitarbeitende kamen offenbar aus völlig überfordernden Einrichtungen und sagten offen, dass sie im Wald jetzt ihren Burnout verarbeiten könnten. Kann ich menschlich nachvollziehen. Aber wenn das dann bedeutet, dass man einfach im Wald herumsteht, die frische Luft genießt und hauptsächlich aufpasst, während die Kinder sich selbst beschäftigen, dann frage ich mich schon, ob das wirklich der Sinn von Betreuung ist. Und dann kommen natürlich noch die Gefahren des Waldes dazu: Zecken, Stiche, Wespen beim Essen usw. Das allein wäre für mich kein Ausschlusskriterium, aber zusammen mit allem anderen verstärkt es meinen Eindruck. Ich habe wirklich mehrere Waldkindergärten gesehen und langsam frage ich mich: Habe ich einfach unglaubliches Pech gehabt – oder ist das tatsächlich eine Tendenz?