Elternforum Baby- und Kleinkindpflege

Totaler Hygiene-Fokus meiner Frau

Totaler Hygiene-Fokus meiner Frau

MMXXVI

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Guten Morgen, ich habe nicht "das" Forum gefunden, daher beschreibe ich hier meine Situation in der Hoffnung, dass manche Mütter von ähnlichen Erfahrungen berichten können.  Meine Frau und ich sind im Februar 2025 Eltern geworden. Sie ist in Elternzeit gegangen; wir konnten es uns leisten, dass sie die vollen Monate in Elternzeit geht. Seitdem arbeite ich tagsüber und kümmere mich um Einkauf, Kochen, das Papading halt.  Ich habe den Eindruck, dass meine Frau sich seitdem in ihr "eigenes Leben" mit ihren eigenen Regeln zurückgezogen hat. Sprich: Sie bestimmt zu 100%, was unser Kind macht (Genaueres weiter unten). Am Anfang war das ok für mich; ich sehe mich zwar nicht in der traditionellen Rolle, würde also gerne mehr direkte "Arbeit" am Kind vornehmen (Wickeln, in Schlaf wiegen, tragen), akzeptiere den Wunsch meiner Frau aber. Da ich unser Kind immer glücklich sehe, habe ich einiges von dem Verhalten ignoriert, bis es meiner Meinung nach nicht mehr geht:  Meine Frau hatte schon immer/seit Corona? den Wunsch, Oberfächen zu reinigen. Seit der Elternzeit hat sie - wie oben beschrieben - die Kontrolle über alles, was im Haus passiert. Diese Kontrolle scheint ihr wichtig zu sein, aber damit überfordert sie mich mittlerweile enorm: Anfangs fiel mir auf, dass ich mich nicht mit meiner Hose "von draußen" auf die Couch setzen sollte, danach sollte ich den Wäschekorb nicht mehr "dort" hinstellen, da er auf dem Boden stand. Ich soll unser Kind nicht anfassen, wenn ich mir nicht unmittelbar davor die Hände gewaschen hab (ich wusch mir einmal die Hände und hab 5 Minuten gewartet und das war meiner Frau zu lange her). Ich sollte unser Kind nicht tragen, da - keine Ahnung warum. Einkäufe sollten nicht einfach irgendwo abgestellt werden. Gestern schockierte mich dann, nachdem ich super glücklich unser Kind in der Trage hatte, damit meine Frau den Hochstuhl desinfizieren konnte, das Folgende: Ich legte unser Kind auf der Wickelkommode ab; meine Frau bat mich rauszugehen und die Tür zu schließen (angeblich wegen der Heizung). Dann konnte ich sehen, dass sie unser Kind mit Waschtüchern wusch, nachdem ich es also bei mir hatte. Ich weiß ja, dass die Mamawerdung neue Gefühle verursacht, und ich bin ja auch einverstanden, etwas weniger direkt fürs Kind dazusein, wenn meine Frau gut für unser Kind sorgt, aber mittlerweile sorge ich mich, dass unser Kind mit einer falschen Vorstellung von Hygiene aufwächst; und da ihr Einfluss auf unser Kind möglicherweise größer sein wird als meiner, dass ich in unserer Konstellation der Außenseiter sein werde. Außerdem reagiert meine Frau schon total gereizt darauf, wenn ich sie darauf anspreche, was für mich ein Zeichen von "Suchtverhalten" sein kann. Sie gibt sogar zu, dass es ein Zwang ist, sie aber nichts dagegen tun kann und ich sie in Ruhe lassen soll damit. Therapie lehnt sie auch ab, da sie es alleine schaffen kann. Irgendwann sagte sie, dass sie etwas kompensiere - da sie aber nicht mit mir darüber spricht, kann ich gerade nichts tun, als mich täglich gekränkt zu fühlen.  Gibt es ähnliche Erfahrungen? Oder Tipps, was ich tun kann? Ich habe bereits 10 Monate zugesehen und wenig gesagt, jetzt habe ich mir vorgenommen, hier nicht locker zu lassen, da ich unsere gemeinsame Zukunft in Gefahr sehe. Ich danke euch!


Tigerblume

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Antwort auf Beitrag von MMXXVI

Schwierig, sehr schwierig.  Gibt es vielleicht eine gemeinsame Vertrauensperson die bei diesem Thema einen besseren Zugang zu Deiner Frau hätte? Ich bin wirklich sehr sauberkeitsliebend, aber ich finde man darf dabei den Verstand nicht ausschalten und sich nicht zu sinnlosen Aktionen verleiten lassen. Wenn Euer Kind mobiler wird, möchte es die Welt auf eigene Faust erkunden. Da gab es für meine Kinder klare Grenzen, zum Beispiel habe ich sie nicht alles anfassen lassen (Spielzeug im Wartezimmer der Kinderarztpraxis zum Beispiel) und sie auch nicht auf schmutzigen Fußböden (zum Beispiel im Krankenhaus oder Supermarkt) krabbeln lassen. Aber dass sie sich durch den Sandkasten oder Waldboden graben und sich in den Matschpfützen wälzen kann man nicht verhindern ohne die Entwicklung zu beschneiden. Ich bin auch eine Mutter die am liebsten alles selbst macht, denn dann weiß ich wenigstens dass alles ordentlich gemacht wurde. Andererseits ist das eine riesen Belastung weil immer alles auf mir lastet. Da ich regelmäßig auch mal für mehrere Tage am Stück von zuhause abwesend bin, blieb mir gar nichts anderes übrig als (aus meiner Sicht) Defizite in Kauf zu nehmen. Und den Kindern ist es egal ob da in der Küche noch ein Fleck auf der Arbeitsplatte ist. Ich möchte auch nicht dass meine Kinder mit dem Rollenverständnis aufwachsen dass die Frau für alles zuständig ist und der Mann halt auch da ist.  Ich denke es ist wichtig, das eigene Verhalten zu reflektieren. Es gibt Hygiene die sinnvoll ist (zum Beispiel Hände waschen beim nach Hause kommen, nach dem Toilettengang und vor der Essenszubereitung bzw. dem Essen). Und es gibt "Hygiene" die sinnlos ist weil sie gar nichts zielführendes bewirkt.  Vielleicht hilft aufrichtige Rationalität, ohne Kritik? Was genau wird besser, wenn das Kind mit feuchten Tüchern abgewischt wird? Was genau wird dadurch anders/besser?


MMXXVI

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Antwort auf Beitrag von Tigerblume

Vielen Dank erstmal für deinen Beitrag. Es ist schön, wenn einem so schnell geantwortet wird. Mich würden auch weitere Einschätzungen freuen, da ich versuche auszutarieren, wo die Grenzen sind, auch meine Grenzen, was ich von meiner Frau erwarten kann. Da hilft es mir, dass Du mir deine Meinung gibst. Ich hoffe tatsächlich, dass mit dem Krabbeln und dem Entdeckerwillen meine Frau irgendwann quasi "aufgibt", aber es könnte auch sein, dass in meiner Abwesenheit die Einschränkungen für unser Kind größer sind.   Ich versuche gerade mir Rat bei ihrer Mutter zu holen, mit der sie ein enges Verhältnis verbindet. Da ich meiner Frau nicht in den Rücken fallen möchte, habe ich ihr das bereits angekündigt.    Es ist irgendwie schwierig als junge Eltern (dazu noch wenige Kinder im Bekanntenkreis) herauszufinden, was richtig ist. Ich freue mich daher, wenn es weitere Einschätzungen gibt. Viele Grüße.