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Kerviel

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Was haltet ihr von dem Urteil? http://www.welt.de/wirtschaft/article10095008/Kerviel-muss-180-000-Jahre-lang-Strafe-zahlen.html Gerechtfertigt? Oder eher Anprangern eines Sündenbocks? Ich gebe zu, mein erster Impuls war schon etwas Schadenfreude.....aber im Prinzip ist doch Kerviel auch nur in diesem System so verrückt geworden. Was nun? Ist der einzelne verantwortlich? Oder kann das "System", also die Möglichkeit des unbegrenzten Gewinns bei solchen Spekulationen jeden dazu machen?


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ein klassisches beispiel für den sündenbock... ich bin fest überzeugt, dass seine vorgesetzten von seinem tun wussten. erst als das ganze in die hose ging, wurde er fallen gelassen. da ist keine moral mehr, nichts. er ist ein bauernopfer und das ganze schauspiel zeigt nur mal wieder, dass wir hilflos sind und auch so gehalten werden.


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"Im November 2007 fragt die Terminbörse Eurex bei der SG nach, wie ein Händler für 1,2 Milliarden Euro in zwei Stunden 6000 Terminkontrakte kaufen könne. Kerviel hat für den Dax beispielsweise nur die Autorisierung für 200 bis 300 Kontrakte. Kerviels Vorgesetzter Eric Cordelle erkundigt sich bei seinem Untergebenen, doch gibt sich mit ausweichenden Antworten Kerviels zufrieden. Später wird Cordelle in einem Zeitungsinterview sagen, wie leicht der Weg in seiner Abteilung von einer zur nächsten Null war: „Um 1,19 Milliarden Euro zu kaufen, reicht ein etwas häufigerer Mausklick.“ Cordelle stellt Kerviel öfter zur Rede - am Kaffeeautomaten. Dort genügen ihm ein paar Worte, und die Sache ist wieder erledigt. Der Vorgesetzte bezeichnet sich selbst als fachfremd und überlastet. Er erhalte täglich zu viele E-Mails, doch nicht die richtigen. Hätte er gewusst, dass die Eurex 6000 Transaktionen in zwei Stunden entdeckt habe, dann hätte er sofort reagiert, sagt er später. Kontrollen ohne Konsequenzen Die von der Bank eingesetzten internen Ermittler schreiben bald darauf: „Die Prozesse werden eingehalten. Doch niemand ergreift die Initiative, die Richtigkeit von Kerviels Angaben zu überprüfen, obwohl diese unglaubhaft erscheinen. Wenn die Vorgesetzten gewarnt werden, reagieren sie nicht.“ 75 interne Kontrollen verlaufen zwischen Ende 2006 und Januar 2008 im Sande. Der junge Händler scheut jedoch auch keine Anstrengung, um seine Geschäfte zu verschleiern. Er kommt morgens als Erster und geht abends als Letzter. Täglich verbringt er mehrere Stunden mit seinen Scheingeschäften. Selbst am Wochenende ist er im Büro und verzichtet mit ausdrücklicher Erlaubnis seiner Chefs auf Urlaub; die Genehmigung dafür ist ein weiterer Fehler der Vorgesetzten. Soldat im Hamsterrad Kerviel loggt sich auch unter den Passwörtern von Kollegen ein, annulliert viele Transaktionen, bevor sie fällig werden, und erfindet danach gleich neue. So vermeidet er Anzahlungen sowie die Überstellung von Wertpapieren. „Ich bin in eine Spirale geraten, die sich selbst am Laufen hielt. Doch meine Vorgesetzten gossen Öl hinein, damit alles rund lief“, sagt er nun. An einem eng besetzten Händlertisch, wo die Kollegen nur 30 bis 40 Zentimeter entfernt säßen, sei nichts verborgen geblieben. Die Abteilung habe seine Risiken gekannt, darauf beharrt Kerviel; abends seien die Vorgesetzten gekommen und hätten ihn für seine Gewinne sogar gelobt. Und er sagt: „Ich wünschte, jemand hätte mir gesagt: ,Hör auf mit diesem Unsinn!'“ Nach allen verfügbaren Erkenntnissen arbeitete Kerviel allein, machte allenfalls ein paar Andeutungen gegenüber einem Broker oder Freunden. Für sich persönlich zweigte er kein Geld ab. Er sei „ein kleiner Soldat gewesen, der einfach nur viel Geld für seine Bank verdienen wollte“, gibt er zu Protokoll. Die Schlösser schnappen zu spät Ein gutes Jahr danach hängt der SG die Affäre immer noch nach, auch wenn sich die schlimmsten Befürchtungen eines Aufkaufs oder einer Zerschlagung nicht bewahrheitet haben. Einige Fondsmanager sagen, dass der Skandal so lange auf der Bank laste, wie der Gerichtsstreit andauere. Der Erzrivale BNP Paribas prüfte ein Übernahmeangebot, entschied sich aber dagegen. Was die Finanzkrise alles noch bringen wird, weiß indes niemand. SG-Manager dagegen finden, dass der Kerviel-Schock zur rechten Zeit gekommen sei. Noch bevor die ganze Branche wegen der Finanzkrise in die Kritik geriet, habe die SG so schon die Lehren aus ihren Schwächen gezogen, die Kontrollen verstärkt und sich reorganisiert. 100 Millionen Euro hat die Bank in die Umbauten investiert; sie schuf eine „Product Control Group“ mit 600 Mitarbeitern, die seit vergangenem November alle Ergebnisse der Bank zentral analysiert. Verschiedene Abläufe wie die Benutzung von unternehmenseigenen Gegenparteien für Transaktionen und überhaupt alle Geschäfte, die kurzfristig storniert oder verändert werden, unterstehen nun strengeren Prüfungen. Handbücher wurden neu geschrieben, Passwörter für den Zugang zum Handelssystem werden öfter geändert, 7800 Personen bildete die Bank mit dem besonderen Verweis auf die Möglichkeit von Betrug durch Kollegen fort. Die Stabsfunktion der Händlerkontrolle erhielt mehr Unabhängigkeit. „Ohne drei Unterschriften kann man hier nichts mehr machen“, stöhnt ein Händler." http://www.faz.net/s/RubB8DFB31915A443D98590B0D538FC0BEC/Doc~E16347374716E4662A7258A9618E62072~ATpl~Ecommon~Sspezial.html sehr schön aufgearbeitet... da brauchst du keine stylingprodukte mehr, damit die haare zu berge stehen.


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er ist schlicht der glückloseste der einstmals vermeintlich glücklichen broker, der jetzt von seinen vorturnern, die ursprünglich garnicht wissen wollten, was und wie genau er den profit seiner bank "erwirtschaftet", zur schlachtbank geführt wurde. obwohl es ja heißt "unwissenheit schützt vor strafe nicht", muss man wohl mit grausen anerkennen, dass dieser grundsatz in dieser liga der hochfinanz nicht gilt. so blöd sind die höheren schachfiguren ja nun auch wieder nicht, als dass sie nicht hätten sofort stoppen müssen und können, was kerviel und andere getrieben haben. es ist wie immer: die großen werden befördert und die kleinen gehänkt...