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Geschrieben von fiammetta am 21.10.2005, 17:05 Uhr

Wie seht Ihr das: Einfordern von Pflege im Alter

Hi,

diese Woche habe ich in einen Konversationskurs einen Text über ehrenamtliches Engagement in Italien mitgebracht. Meine z.T. sehr betagten, aber in jeder Hinsicht fitten Teilnehmer erklärten im Laufe der Diskussion, sie würden sich deshalb nicht in diesem Bereich zur Verfügung stellen, da sie jahrelang ihre kranken Angehörigen zu Hause gepflegt hatten und nun endlich froh sind, noch ein paar Jahre in Ruhe und ohne permanente Verpflichtung verbringen zu können. Ist nachvollziehbar. Eine jedoch, die in ihrem Leben dank tüchtigem Gatten nie einen Strich zu tun brauchte und zugegeben hat, nie jemanden gepflegt zu haben, war stockbeleidigt, als ich erklärte, das Einforderung (!) von Pflege durch die Kinder (eher: Töchter und Schwiegertöchter, die am besten auch noch den Job aufgeben sollen) sei ein Zeichen mangelnden Respekts gegenüber dem Leben anderer und damit meinte ich auch die Familien dieser Nachkommen. Natürlich möchte auch ich nie einsam, verarmt und verlassen in einem anonymen Altersheim sitzen und auf den Tod warten, aber ich kenne halt auch die Position der Pflegenden.
Wie ist Euer Standpunkt dazu?

LG,

Fiammetta

 
14 Antworten:

Re: Wie seht Ihr das: Einfordern von Pflege im Alter

Antwort von Rio am 21.10.2005, 17:53 Uhr

Hi,

Ganz aktuelles Thema bei mir. Meine Mutter war die letzten Monate in einer Klinik untergebracht und siedelt demnächst in ein geschlossenes Pflegeheim über.

Und nein - nie und nimmer hätte ich sie bei mir aufgenommen. Sie ist (noch?) nicht körperlich pflegebdürftig; körperlich ist sie fit.

Aber: geistig hat sie halt sehr abgebaut. Und keinerlei Krankheitseinsicht (wie es oft bei dementiellen Erkrankungen gegeben ist). Ich habe drei Kinder, das Jüngste gerade mal 2 Jahre alt.
Ich hätte KEINE einzige ruhige Minute mehr. Sie bedarf der PERMANENTEN Aufsicht. Ich könnte nicht zum Arzt mit den Kindern, nicht zum Kindergarten, nichts Einkaufen. Ich könnte nicht mal in Ruhe auf Toilette, ohne vorher die Türen zu verschliessen (Weglauftendenz). Ich müsste Angst haben, sie schnappt sich meinen 2jährigen und marschiert einfach los.

Es ist einfach nicht zu machen mit drei noch relativ jungen Kindern. Dazu kommen zwischenmenschliche Spannungen, die schon immer zwischen uns bestanden haben. Was ich sage, ist schon mal aus Prinzip verkehrt. Medikamente einnehmen auf meine Aufforderung hin? Pah, dann erst recht nicht. Usw.


Und wer ist jetzt natürlich die Böse? Klar, ich. Ich sitze ja nur den ganzen Tag meinen Hintern breit und arbeite ü-ber-haupt nichts, weil ich z.Z.t nicht berufstätig bin. Ich hätte ja jede Menge Zeit - aber nein, ich bin so ein Egoistenschwein, welches seine arme Mutter in einem Pflegeheim verkommen lässt.

Ich merke gerade, ich schreibe mich aus persönlicher Betroffenheit richtig in Wallung.

O.k., versuche ich mal, das ganze Thema etwas distanzierter zu sehen:
Es ist eine unglaubliche Belastung, einen alten pflegebdürftigen Menschen zu versorgen. Ich habe vier Fälle im Verwandten- bzw. Freundeskreis miterlebt, in denen das die Tochter, Schwiegertochter, Ehefrau und im einem Fall der Ehemann auf sich genommen haben.

Bei allen drei Fällen waren die eigenen Kinder der Pflegenden schon ausser Haus. Trotzdem waren die Pflegenden nach kurzer Zeit fertig. Körperlich und seelisch. Trotz Hilfen wie Kurzzeitpflegeeinrichtungen, trotz eigener Kuren, etc.

Man muß wirklich sein eigenes Leben aufgeben für die Pflege.

Und ich denke, niemand hat das Recht, dies von seinen Kindern (besser gesagt: Töchtern und Schwiegertöchtern) zu verlangen.

Und (jetzt kommt wieder meine persönliche Betroffenheit ins Spiel) es kotzt mich an, von meiner Umwelt dauernd Vorfürfe deswegen zu bekommen. Natürlich sagt mir das keiner ins Gesicht, was er von mir denkt. Aber Sticheleien, 100 mal diesselbe Frage ("Willst du nicht doch deine Mutti zu dir nehmen?") und immer wieder die Bemerkung, ich hätte doch genug Platz. Ja, stimmt, ein Zimmer haben wir "übrig", welches bislang ungenutzt ist. Aber damit ist es doch nicht getan.

Und ich werde das auch niemals von meinen Kindern einfordern. Momentan hätte ich auch kein Problem damit, im Alter in ein Altersheim zu ziehen. Aber natürlich wird man im Alter festgefahrener, will sich nicht mehr umgewöhnen, hängt an dem Haus, in dem die Kinder aufgewachsen sind, etc.

Kann schon sein, dass es mir auch mal schwerfallen wird/würde. Aber solange ich noch bei halbwegs klarem Verstand bin, werde ich niemals so etwas von meinen Kindern einfordern.


Ganz kurz noch was Politisches dazu: diejenigen von uns, die jetzt Ende 30 bis Mitte 50 sind, sind ja die sogenannte Sandwichgeneration. Wir kommen für unsere Kinder auf, müssen für unsere Eltern aufkommen (entweder eigenes Leben aufgeben oder Pflegeheim kräftig draufzahlen) - und wir werden selbst kaum in diesen Genuss kommen, wenn WIR mal 30 Jahre älter sind. Rente oberhalb von Grundversorgung? Glaubt ihr da dran? Und der Generationenvertrag? Ob der dann noch gilt oder aufgrund demographischer Zwänge längst aufgegeben sein wird?


So ,isch habe fertig.

Viele Grüsse,
Rio

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Re: Wie seht Ihr das: Einfordern von Pflege im Alter

Antwort von Frosch am 21.10.2005, 18:12 Uhr

Hallo Fiammetta,

schwieriges Thema...

Ich bin auch persönlich betroffen. Ich habe meine Mutter betreut und gepflegt, als sie Chemotherapie bekam. Klar kann man das nicht mit einer "Pflegesituation" an sich vergleichen, aber ich bin damals ziemlich an den Rand meiner psychischen und physischen Kräfte gekommen. Und hätte beinah meinen Sohn verloren, war damals schwanger...

Wir haben sie, als es deutlich wurde, daß sie nicht mehr lange lebt, in ein Hospiz gebracht. Da sie rund um die Uhr Schmerzmittel intravenös und mit Spritze bekam. Außerdem war sie die ganze Zeit am Kämpfen und es war furchtbar, diesen Kampf mit zu erleben.

Meine Schwester hat in der ganzen Situation völlig ausgetickt und überreagiert wo es nur ging. Obwohl sie entschieden hatte, sich um unsere Mutter zu kümmern. Ich bin froh, daß ich nur selten Kontakt zu ihr habe.

Was ich eigentlich sagen will: Wenn eine Pflege von den Eltern "eingefordert" wird, kann das Verhältnis zu den Kindern nicht sehr gut sein. Das sollte ein Miteinander sein, in dem man über solche Sachen redet. Und auch verschiedene Standpunkte anhört. Ist natürlich ein Idealfall, der leider selten stattfindet.

Mist, würde gerne mehr schreiben, keine zeit: Nachtrag kommt noch

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Re: Wie seht Ihr das: Einfordern von Pflege im Alter

Antwort von Nurit am 21.10.2005, 19:02 Uhr

Wir hatten die Situation, als meine 90jährige Oma sehr krank wurde. Sie wohnte zwar im Haus meinr Eltern, aber es war von vornherein klar, dass das eine Lösung ist, um ihr das beschwerliche Leben im Alter zu erleichtern; eine Vollzeitpflege bei Pflegebedürftigkeit war nicht vorgesehen (von beiden Seiten nicht). Als meine Oma langsam aber sicher eine ausgeprägte Alterdemenz zeigte und zahlreiche Katastrophen passierten (Einkoten und dann den Kot an alle Wände und Gardinen verteilen etc.)war meine Mutter oft an ihre Grenzen gekommen, kriegte es aber nicht fertig, sich um eine Pflegestelle zu bemühen. Erst als meine Oma auch körperlich sehr krank wurde und oft ins Krankenhaus musste, leiteten meine Eltern alles in die Wege und sie kam zunächst in ein privates Pflegeheim. Leider wurde sie da rund um die Uhr ruhiggestellt und meine Mutter war völlig fertig, weil sie ein schlechtes Gewissen hatte, wenn sie Oma so liegen sah. Erst nachdem ein geeignetes Pflegeheim gefunden war, bekam meine Mutter Ruhe. Sie wusste, dass ihre Mutter gut aufgehoben war und professsionell gepflegt wurde. Das ist auch für mich der springende Punkt: ich weiß, dass ich niemals so gut und zielgerichtet pflegen könnte; meine Oma wurde auch im Pflegeheim ermuntert, einige Dinge wieder selbst zu erledigen und war medikamentös so eingestellt, dass es ihr noch fast 5 Monate gut ging, bevor sie dann starb.
Sie war auch nicht einsam: sie hatte eine Zimmernachbarin und jeden Tag besuchten wir sie umschichtig.Ich denke, dass damit allen Seiten geholfen war. Es gibt so viel Beispiele von Gewalt in der häuslichen Pflege von Angehörigen-das ist die explosive Mischung von Emotion, Verzweiflung, Überforderung, daher denke ich nicht, dass ich (ohne zwanghaft mein moralisches Gewissen erleichtern zu wollen) sagen kann: Jeder, der nicht von mir gepflegt wird, ist besser dran-ich würde aber Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um die optimale Pflege für meine Eltern zu finden.

LG,
Kathrin

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Nachtrag:

Antwort von Frosch am 21.10.2005, 19:29 Uhr

Aber es ist auch wichtig, daß sich Geschwister einig sind über die Pflege. Und es auch akzeptieren, wenn der andere "Part" irgendwann nicht mehr leisten kann.

Aber wie dann in so einer Situation reagiert wird, weiß keiner. Das kann man vorher nicht planen.

Meine Schwiegereltern haben schon gesagt, daß sie uns eine "Pflege" nicht antun möchten. Sicher fühlt sich mein Mann verpflichtet, er liebt seine Eltern, aber trotz allem finde ich es gut, daß sie ihn nicht unter Druck setzen.

LG Antje

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Re: Nachtrag:

Antwort von Moneypenny77* am 21.10.2005, 19:49 Uhr

Meine Großeltern haben das von meiner Mutter ganz klar verlangt. Sie sind zwar bis heute kein Pflegefall, aber zum Üben durfte sie ihr Leben lang nicht neben ihnen wegziehen, für sie putzen und sich dauernd ihre Probleme anhören. Dank? Nein, das war alles selbstverständlich, weil "man das für seine Eltern tut", schließlich haben sie ja auch viel für sie und meinen "Versager"-Vater getan. Zur Unterstützung wurde ihr das Haus, in dem wir wohnten geschenkt. Meine Mutter hätte, als ich im KiGa war, wieder arbeiten gehen könne, sie tat es nicht, da man sie zu Hause "brauchte". Als mein Vater vor 4 Jahren einen Job 450 km von zu Hause weg bekam, blieb sie da, sie konnte ja meine Großeltern nicht allein lassen. Gleichzeitig sagte sie mir aber immer, sie hoffe, daß das alles irgendwann ein Ende habe und sie endlich "frei" sei. Letztes Jahr hatte meine Mutter mit 49 Jahren einen schweren Schlaganfall, seither ist sie ein Vollpflegefall. Danach erst 3 Monate Reha, die aber nicht viel brachten. Mein Vater wollte sie unbedingt mit nach Nürnberg nehmen, in seine 2-Zimmer-Wohnung. Beide allein, weit weg von Familie und Freunden... Ich bot an, sie für's erste zu uns zu nehmen. Tut man ja... Ob ich das geschafft hätte? Ich bezweifle es, mit einem kleinen Kind in einer Etagenwohnung... Und ich war insgeheim heilfroh, als mein Vater sagte, das sei einzig seine Aufgabe, wir hätten unser Leben und sie würden dieses niemals derart beeinträchtigen wollen. Ich bin schon genervt, wenn er hier oben Termine hat und ich mal einen Tag auf sie aufpassen muß und er macht das JEDEN Tag, neben seinem Job und das alles ganz allein.

Nebenbei: mein Großvater hat die Schenkung zurückgenommen. Es gab eine Klausel im Vertrag, nachdem die Schenkung unwirksam wird, wenn meine Mutter wegzieht. Als ich drohte, dies vor Gericht anzufechten, sind sie klammheimlich mit einem Notar zu meiner Mutter in die Reha und haben sie nach einem anstrengenden Tag dazugebracht, ihnen die Immobilie wieder zurückzuschenken.

Sie glaubt bis heute, daß das richtig so war, schließlich ist sie nun zu nichts mehr nütze.

Fazit: Eltern haben keinen Anspruch darauf, daß ihre Kinder sie pflegen. In erster Linie müssen sie es sich "verdienen" und dann hoffen, daß ihre Kinder Platz, Geld und Kraft haben, dies zu tun!

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Re: Wie seht Ihr das: Einfordern von Pflege im Alter

Antwort von susu3 am 21.10.2005, 19:52 Uhr

Hi,

ganz ehrlich: es wäre für mich eine Horrorvorstellung, meine Eltern pflegen zu müssen.

Mein Vater (64, bis auf einen Herzschrittmacher topfit)hat sich schon vor ein paar Jahren eine Wohnung gesucht in einer (privaten) Einrichtung. Dort lebt er jetzt völlig autark, kann aber nach Bedarf Pflege "hinzubuchen" und muss nicht mehr umziehen oder sich umgewöhnen im Fall der Fälle. DArüber bin ich froh und dankbar.

Bei meiner Mutter wird das anders, da befürchte ich, dass sie Pflege einfordern wird. Ich werde das nicht können und da es jetzt schon seit Jahren Spannungen zwischen uns gibt, wird es sich dann wohl zuspitzen, fürchte. Zum Glück geht es ihr zur Zeit gut.

Meine Schwiegereltern würden niemals erwarten, dass ich sie pflege, da sind mein Mann und ich uns sehr sicher.

Wir werden alles tun, damit es unseren Eltern gut geht, wenn sie Hilfe brauchen, aber die Eltern im Haus pflegen, das könnte ich nicht. Und ich denke (hoffentlich weiß ich das dann auch noch), dass ich das niemals von meiner Tochter fordern würde.

LG
Susu

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Re: Nachtrag:

Antwort von susu3 am 21.10.2005, 19:57 Uhr

Hallo,
das ist ja ohne Worte ! Die Frage, ob Du noch Kontakt zu Deinen Großeltern hast, erübrigt sich ja wohl.
Ich bin wirklich schockiert und beeindruckt von dem , was Dein Vater tut.
LG
Susu

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Re: Nachtrag:

Antwort von Moneypenny77* am 21.10.2005, 20:04 Uhr

Doch, ich habe Kontakt. Aber nur, weil meine Oma genauso arm dran ist wie meine Mutter. Nach mehreren Schlaganfällen, Herzinfarkten etc. ist sie meinem Großvater ausgeliefert. Zitat: "Ihr müßt mir nicht sagen, wie es ist, wenn man mit jemandem zusammenlebt, der nichts mehr kann und zu allem zu blöd ist. Das mache ich seit 35 Jahren mit."

Wer "Der Untergang" gesehen hat und Ekel Alfred kennt, der hat einen guten Eindruck von meinem Großvater. Wenn ich diesen Mensch auch nur einen Tag pflegen müßte, würde ich sofort riskieren, mein Leben lang für aktive Sterbehilfe in den Knast zu gehen.

Für meinen Vater dagegen würde ich mich bis zu meinem letzten Atemzug aufopfern, nicht weil er es fordert, sondern weil er es sich verdient hat.

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Genau!

Antwort von Frosch am 21.10.2005, 20:10 Uhr

Wenn das Eltern-Kind-Verhältnis aus Geben, Nehmen und Liebe besteht, ist es klar, daß die Kinder irgendwann auch "Geben".
Für mich war es selbstverständlich, für meine Mutter da zu sein, soweit ich es konnte. Da sie ja auch immer für UNS da gewesen war.

LG ANtje

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Re: Wie seht Ihr das: Einfordern von Pflege im Alter

Antwort von saulute am 21.10.2005, 20:33 Uhr

Ich denke, die Pflege der alten Menschen/Verwandten/Familie sollte auf Freiwilligkeit basieren, von der einforderung der Pflegepflicht halte ich nicht viel. Alte Menschen werden aus 3 Gründen zu Hause gepflegt: aus liebe, aus Tradition oder weil sie zuschuß von der Krankenkasse bekommen und somit billiger dabei wegkommen. Wenn man jetz jemanden zwingen sollte, seine alte Mutter zu pflegen, der in keine diese 3 kategorien paßt, würde nichts bringen, höchstens die alte Mutter würde früher sterben.

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Re: Wie seht Ihr das: Einfordern von Pflege im Alter

Antwort von Nicole-Mami am 21.10.2005, 20:41 Uhr

Ich finde dieses Thema sehr schwierig. Die "ältere" Generation sieht das soewiso noch anders, was ja auch in Ordnung ist.

Meine eine Oma hat meinen Opa zu Hause gepflegt (schwerst pflegebedürftig) und er hat es - von seinem gesundheitlichen Zustand mal abgesehen - wirklich bis zum Schluß sehr gut gehabt.
Dafür kann meine Oma heute vor lauter Rücken-, Knie- und ich-weiß-nicht-was-Schmerzen kaum noch irgendwelche Unternehmungen machen, weil sie schnell erschöpft ist und tagelang braucht, um sich zu erholen. Zum Teil ist sie allerdings selbst daran schuld (hat trotz Pflegestufe III keine Hilfen im Haushalt in Anspruch genommen, außer die der Kinder), aber diese Generation sieht das wohl noch ein bißchen anders.

Meine andere Oma hat ihren ebenfalls schwerst pflegebedürftigen Mann in ein Pflegeheim gegeben und war vom Tag seiner Einlieferung bis zu seinem Tod JEDEN Tag vom Frühstück bis zum Abendbrot bei ihm und hat sich - ergänzend zur Pflege - um ihn gekümmert (rasieren, füttern, wickeln etc) Dabei hatte sie furchtbare Einblicke in den Alltag mancher Pflegeheime, wo trotz horrender monatlicher Zahlungen kein Pflegepersonal vorhanden ist und Menschen sich wundliegen, nicht gefüttert werden (ach, Herr XY, heute wieder nichts gegessen, wohl keinen Hunger, na macht nichts) und stundenlang in ihrem Kot liegen.

Ich persönlich möchte weder meine Eltern noch meine Schwiegereltern pflegen müssen. Ich finde auch, dass niemand ein Recht darauf hat, dies "einzufordern", denn die Pflege eines Menschen bedeutet für den Pflegenden einfach die Aufgabe des eigenen Lebens.

Wir persönlich arbeiten daran, eines Tages genug Geld zu verdienen, dass es uns möglich ist, unsere Eltern bei uns im Haus (in separater Wohnung) unterzubringen, aber für die Pflege Personal einzustellen. Damit hoffen wir, die beste Lösung für alle Beteiligten finden zu können.

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Re: Wie seht Ihr das: Einfordern von Pflege im Alter

Antwort von Nr. 3 am 21.10.2005, 20:50 Uhr

Ich denke, daß niemandem pauschal das Recht zusteht, unmittelbare Pflege einzufordern. Kinder sind zwar in gewissem Sinne schon mitverantwortlich, daß ihre Eltern überhaupt durch irgendjemanden gepflegt werden, aber das ist dann eher die Sache mit der (gesetzlich definierten) Unterhaltspflicht.

Direkte Pflege durch Kinder ist meines Wissens nicht einklagbar. Das wäre auch nicht sinnvoll, denn wie saulute schon schreibt, ginge das nur zu Lasten der Pflegedürften, und sicher auch der Pflegenden. Wobei ich anders als saulute denke, daß auch jemand, der "freiwillig" aus Tradition oder "freiwillig" aus finanziellen Gründen pflegt, möglicherweise besser daran täte, professionelle Pflege zu organisieren, statt sich für Geld oder aus traditionalismus zu etwas zu zwingen, daß ihm vielleicht gar nicht liegt, oder zuviel fordert.

Und auch in Fällen, wo es jemandem wirklich aus Liebe ein Bedürnis ist, Pflegebedürftige zu Hause zu versorgen, sind in etlichen Fällen Grenzen erreicht, wo es einfach nicht mehr geht. Dann sollte weder der Pflegende ein schlechtes Gewissen haben, noch der Pflegebedürftige etwas weiterhin einfordern, daß nicht mehr leistbar ist.

Stephanie

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Re:an Nr.3

Antwort von saulute am 21.10.2005, 21:14 Uhr

Wobei die Traditionspflicht nicht zu unterschätzen ist,auch wenn ich dir recht geben muß, dass es dabei eine gewisse Freiwilligkeit entfält. Die Tradition und das Pflichtbewußtsein ist meistens seit der Generationen so tief verwurzelt, dass die Betreuung der Familie im Pflegeheim für beide Seiten unglücklich ausgehen würde. Schuldgefühle für den pfleger und die resignation für die zu pflegende Person wären die folgen eines solchen Handelns.

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Re: Wie seht Ihr das: Einfordern von Pflege im Alter

Antwort von Murmeline am 22.10.2005, 9:31 Uhr

Als alter Mensch würde ich lieber in einem Pflegeheim leben, als möglicherweise von Verwandten gepflegt zu werden, die dies nur widerwillig tun bzw. auf meinen Tod/ihr Erbe warten.

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