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Geschrieben von Korya am 12.09.2018, 15:05 Uhr

Nachtrag 2: Gastarbeiter

Ich glaube, vieles verdrängen wir auch einfach. Ich hatte vor ein paar Jahren ein Gespräch mit meinem Vater über genau dieses Thema, und er erzählte, mit welchem geballten Misstrauen und welch teils offener Feindseligkeit den Gastarbeitern der ersten Generation begegnet wurde. Gastarbeiter war fast ein Schimpfwort. Mein Schwiegervater, der zur allerersten Generation gehörte, erzählt ähnliches. Wie die Tiere wurden sie behandelt, herum geschubst, ihnen wurde täglich zu verstehen gegeben, sie wurden nur vorübergehend geduldet. Anständige Wohnungen mit fließend Wasser oder eigener Toilette gab es auch nicht. Sie bekamen die Löcher, in die die Deutschen nicht ziehen wollten.
Mein Schwiegervater meinte, wenn man den Kopf einzog, die Schnauze hielt und sich unterwürfig zeigte, wurde man in Ruhe gelassen. Bei erster Gelegenheit machte er sich selbstständig, weg von den deutschen Chefs.

Kurz nach den Italienern kamen die Koreaner, in die Minen und als Krankenschwestern. Sie waren somit nicht ganz so prominent im Stadtbild wie die Italiener, hatten es aber mindestens so schwer wie sie. Allerdings reden sie nicht gern über die Zeit und wie sie behandelt wurden, meist schweigen sie sich aus, oder betonen, wie sehr das Geld ihnen geholfen hat - wenigstens in meinem Bekanntenkreis.

Dann kamen die Griechen. Da hatte sich Deutschland so halbwegs an die italienischen Gastarbeiter gewöhnen können, und auf einmal wandelte sich das Bild des italienischen Gastarbeiters vom Spaghettifresser zum charmanten Nachbarn um die Ecke (à la "isch habe gar kein Auto"), und die Griechen waren die neuen "Bösen".

Fast forward, und es kommen die Türken - und auf einmal waren die Italieber und Griechen "ja fast wie wir", das neue Feindbild trug Kopftuch und sprach Anatolisch.
Naja, und nun sind halt die Nordafrikaner dran.

Sicherlich gibt es da qualitativ einen massiven Schnitt, wenn das Fremde nicht nur eine andere Sprache spricht, sondern noch dazu einer anderen Religion angehört - ohne Frage. Aber zu sagen, dass mit den anderen alles Friede Freude Eierkuchen war stimmt historisch einfach nicht.

 
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