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Geschrieben von Frosch am 22.10.2004, 13:36 Uhr

Moderne Art der Sklavenarbeit *aufreg*

Hallo!

Teile von der Firma, in der ein Freund arbeitet, sind nach Tschechien verlegt worden. Klar, billige Arbeitskräfte... Am Ort ist eine Uni, die den Studenten einen abgrundtief schlechten Abschluß ermöglicht (dieser ist in D nicht anerkannt, sie müßten also nochmal studieren). Deswegen muß sogar der Chef der Abteilung, der aus D dorthin gezogen ist, mitarbeiten. Sie werden also neu angelernt. Und von alldem hat das Management natürlich nichts gewußt, wie immer. Aber der Chef ist derjenige, der den Kopf kürzer gemacht wird, wenn es sich nicht so gut anläßt wie erwartet.
Dort verdient ein Arbeitnehmer netto 160 Euro im Monat. Nachdem eine Stundenmenge von 160 (!) im Monat gelten, haben diese Arbeitnehmer also einen 1-Euro-Job. Natürlich die Überstunden nicht mitgerechnet, da sieht es dann noch dunkler aus.
Außerdem müssen Angestellte dort, die im ersten Jahr kündigen, AN DIE FIRMA 5000 Euro zahlen. Das reduziert sich mit den Jahren, ab dem 4. Jahr müssen sie dann nichts mehr zahlen. Kulant, nicht wahr?!

LG Antje

 
8 Antworten:

Was ist das für eine Firma?

Antwort von nini+ am 22.10.2004, 13:58 Uhr

Das Einzige, was wir vielleicht aktiv tun können, ist, solche Firmen zu boykottieren.

Deshalb würde ich gern wissen, wie die Firma heißt und was sie herstellt.

Aber diese Einstellung ist ja oft nicht vereinbar mit "Geiz ist geil" und "Es lebe billig"...

Danke und LG
nine

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Re: Moderne Art der Sklavenarbeit *aufreg*

Antwort von Elisabeth mit Fumi & Temi am 22.10.2004, 14:28 Uhr

Hallo Antje,

tja, das ist ein weites Feld.

Ich finde die Angaben nicht detailliert genug, um mir ein wirklich echt negatives Urteil zu erlauben. Das alles kann nämlich durchaus legale und richtige Hintergründe haben.

Ich arbeite in der IT-Abteilung einer nicht ganz kleinen Firma (börsennotiert, aber nicht DAX). Wir haben Produktionsstandorte auf der ganzen Welt. Die letzten beiden Standorte in Deutschland werden ständig reduziert. Wir gehen davon aus, daß in 10 Jahren gar nicht mehr in Deutschland produziert wird. Mal sehen, wie lange es dann die Zentralabteilungen noch in Deutschland hält.

ie derzeitigen Schwerpunkte für die Auslagerungen sind Osteuropa und Asien, dort vor allem Indien und China. Ein Teil der IT wird gerade zu einem Dienstleister nach Indie verlagert, und da bekomme ich das hautnah mit. Außerdem weiß ich ein bißchen, weil ich ja auch 2 Jahre in Singapur gearbeitet habe (als Singapur noch ein Billiglohnland war, inzwischen verlagern wir von Singapur nach Malaysia und China, weil auch die Singapurianer zu teuer werden).

Zum einen: Es ist allegmein so, daß die Schulabschlüsse in den Billiglohnländern nicht so wirklich prickelnd sind. Man plant also eine gewisse "Einarbeitungszeit" ein. Wenn das dort nicht gemacht wurde, spricht das sicher für ein mieses Management, aber es würde mich sehr wundern. Es wissen nur oft nicht alle Kollegen. Auch bei uns ist es üblich, daß die Chefs am Anfang mitarbeiten. Wir schicken meistens 10-15 Leute (Leiter der eingearbeiteten Abteilungen eines anderes Standortes) hin, wenn eine neue Produktion aufgebaut werden soll.

Ob 160,- Euro viel ist oder nicht, kann man nur beurteilen, wenn man das Durchschnittseinkommen der Region kennt. Unsere Chinesen verdienen auch nicht mehr als 160,- Euro, sie arbeiten auch mehr als wir, weil die 40-Stunden-Woche es noch nicht bis dorthin geschafft hat. Ein chinesisches Mädel am Band kostet uns 0,50 Euro pro Stunde, incl. Lohnnebenkosten und Arbeitsplatzkosten. Aber mit dem Geld hat sie ein gutes Einkommen und kann sich und meistens auch noch die Familie irgendwo auf dem Land ernähren (unsere Fabriken stehen in den Freihandelszonen um Chenzhen, die meisten Arbeiter dort sind Wanderarbeiter).

Wegen der intensiven Einarbeitung sind auch solche Verträge üblich, daß man die Einarbeitungskosten "abdient". Gerade in den Gebieten, wo immer mehr Fabriken von europäischen Firmen aus dem Boden gestampft werden, ist die Fluktuation sehr groß. Ist ja klar - wenn neben unserer Fabrik eine neue Fabrik entsteht, nehmen die lieber unsere eingearbeiteten Leute als frische. Um zu vermeiden, daß man viel Geld in die Einarbeitung steckt und die Leute dann sofort zur Konkurrenz abwandern, werden solche Regelungen im Arbeitsvertrag getroffen. In Asien zumindest bezahlt man solche Klauseln auch, indem die Leute dann schon von Anfang an etwas mehr Geld bekommen. Mit unseren Fabriken in Osteuropa habe ich nicht so viel zu tun, da weiß ich es nicht.

Ich will hier nicht sagen, daß ich das toll und klasse finde. Aber unter Sklaverei verstehe ich etwas anderes. Nur, weil dort nicht euorpäische Löhne gezahlt werden, muß es doch nicht gleich Sklavenhaltung sein. Mein Arbeitsplatz ist ganz konkret von Indern gefährdet, aber bisher sehe ich noch nicht, daß die die Qualität bringen, die ich bringe. Leider ist das bei Fabrikarbeitern, wo mehr oder weniger nur Maschinen bedient werden müssen, anders. Verhindern läßt sich das nicht, zumindest nicht mit Mitteln der Politik. Und gegen die Globalisierung sein ist ungefähr wie gegen den Einbruch des Winters zu sein. Wir sollten lieber überlegen, wie man das Ganze menschlich gestalten kann. Und wie WIR in Deutschland die Qualität unserer Arbeit wieder auf ein Niveau heben können, das der allgemein erwünschten Bezahlung entspricht.

Schöne Grüße,
Elisabeth.

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Re: Moderne Art der Sklavenarbeit *aufreg*

Antwort von famisa am 22.10.2004, 14:57 Uhr

Hi!

Ich verstehe deine Empörung - allerdings glaube ich, dass man die Situation differenzierter sehen muss.

Wenn ich als Firma in die Ausbildung eines Mitarbeiters investiere, dann erwarte ich natürlich, dass diese Ausbildung mir zugute kommt und nicht etwa einem Konkurrenzunternehmen. Insofern ist es klar, dass ich den Mitarbeiter solange an die Firma binde, bis die Ausbildungskosten "hereingewirtschaftet" wurden. Der MA bekommt ja nicht weniger Lohn, er muss sich nur verpflichten für eine gewisse Zeit für mich zu arbeiten.

Die Auslagerung der Standorte in Billiglohnländer auch innerhalb der EU ist ein riesiges Problem. Da krankts aber nicht nur an der Firmenpolitik.

Firmen wie Saturn und Mediamarkt etc. prahlen ja mit Slogans wie "geiz ist geil" etc., auch in der Bekleidungsindustrie ist die Billigschiene die erfolgreiche - wo glaubst du denn, werden die Stoffe etc. von Quelle, Otto, H&M produziert.

Du profitierst doch tagtäglich von den Dumpingpreisen - aber wenn das Produkt nichts mehr wert ist, wie soll dann die Arbeitskraft etwas wert bleiben??

lg mi

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Re: Moderne Art der Sklavenarbeit *aufreg*

Antwort von Birgit32 am 22.10.2004, 16:27 Uhr

Halli hallo,

schliesse mich meinen Vorrednern an.

Aber eine Frage hab ich noch, was ist an 160 Stunden im Monat schlimm?? 4 x 40 Stunden pro Woche geben auch 160 nach Adam Riese, oder hab ich mich vorhin verlesen bei deinem Posting? :o)

Liebe Gruesse,
Birgit

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Re: Moderne Art der Sklavenarbeit *aufreg*

Antwort von famisa am 22.10.2004, 17:57 Uhr

das schlimme ist nicht die anzahl der gearbeiteten stunden - sondern dass wenn der monatslohn €160 beträgt, sie bei einer vierzigstundenwoche genau einen euro pro h verdienen..

und @frosch - ich denke selbst für tschechische verhältnisse sind 8€/tag verdammt wenig - der punkt geht an dich...
lg mi

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Re: Moderne Art der Sklavenarbeit *aufreg*

Antwort von Benedikte am 22.10.2004, 23:38 Uhr

Mich ergreift auch immer ein so komisches gefühle bei so Informationen- fei nach dem Mooto: Bals sind alle arbeitsplätze weg, die, die vorher dort sassen, auch arbeitslos und das vergrößert unser größtes problem- denn das sind die sechs Millionen arbeitslosen, die eben von den 25 Millionen arbeitenden durchgefüttert werden müssen und wenn die Zahl der Arbeitslosen ständig steigt, die der arbeitenden sinkt, dann gibt es eine Katastrophe.
Nur- ich glaube es auch nicht so ganz. Die Eu-Länder sind nicht mehr das, was man komplett Billiglohnländer nennt mit leuten, die nichts können.Im Zuge der Opel-geschichte haben sie im fernsehen jedenfalls klar gesagt, dass das polnische Opelwerk in Polen ausgebaut wird- bei exzellent ausgebildeten arbeitern eben nur ein drittel der deutschen Lohnkosten hat. Und es scheint sich ja für die Firma Deines reundes zu lohnen, also so schlecht können die nicht ausgebildet sein. Denn das weiss ich inzwischen- keine Firma siedelt sich woanders an, wenn es sich nicht lohnt. Und lohnen tut es sich nur, wenn die Leute was bringen. Und was heisst : Abschluss ij Deutschland nicht anerkannt? ich habe zwei deutsche Staatsexamen in Juristerei, die werden weltweit nmicht anerkannt, außer in diesem kleinen deutschland. Und wenn ein Tscheche dann über mich sagen würde: Und die hat examen, die sind in tschechien nicht einmal anerkannt, dann müßte ich sagen, dass er recht hat, dass aber ziemlich belanglos sei.Ob ein anderes LAnd einen Abschluss anerkennt oder nicht, sagt wenig über seine Qualität aus.

Ich drücke jedenfalls deinem Freund die DAumen, dass er nicht arbeitslos wird.

benedikte

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Re: Moderne Art der Sklavenarbeit *aufreg*

Antwort von Birgit32 am 22.10.2004, 23:39 Uhr

so kam es aber nicht rueber, das rufezeichen war bei 160 Stunden und nicht bei 1-euro job. Deswegen war das meine Frage. ;o)

Was alles andere betrifft, schliess ich mich den vorrednern an, hatt ich ja geschrieben :o)

Liebe Gruesse,
Birgit

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An alle :-)

Antwort von Frosch am 23.10.2004, 13:11 Uhr

Hallo!

Also: Der ausgelagerte Teil der Firma stellt Elektronikbauteile für Autos her. Also nichts, das man nun boykottieren könnte.
Unser Freund hat die Informationen von hoher Stelle bekommen - es hat die Manager anscheinend wirklich überrascht, daß die Abschlüsse dort schlecht sind.

Eure Infos sind recht gut, und Ihr habt schon recht - man sollte es differenziert sehen. Und die Überschrift "Sklaverei" sollte provozierend sein. Klar, wenn man nach Indien etc. schaut, wo zB. die Nike-Schuhe hergestellt werden, sieht man die wahre Form der Sklaverei.

Übrigens sollte das "!" in Klammern nur sagen, daß 140 Stunden normalerweise nicht gearbeitet werden, sondern wesentlich mehr - gerade wenn man als Angestellter in der Einarbeitungsphase ist.

LG antje

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