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Geschrieben von Shania* am 02.12.2004, 14:52 Uhr

EU-Beitritt der Türkei, wie seht ihr das ?

Hallo liebe Diskussionswütige Mädels und Jungs,

wie steht ihr dem Thema EU-Beitritt der Türkei entgegen ? Seid ihr dafür oder dagegen und schreibt bitte auch dazu warum ihr dafür oder dagegen seid !

Da man zur Zeit in den Medien viel drüber hört und liest würde mich euere Meinung interessieren. Vielleicht kommt ja eine interessante sachliche Diskussion zustande.

Ich stehe dem ganzen skeptisch gegenüber, weil ich glaube, dass die EU das finanziell nicht verkraften würde und die Zahlungen für die "reichen" EU-Staaten in astronomische Höhen schnllen würden.

Aber wer weiß wie lange Deutschland noch zu den reichen Ländern zählt....

Ich freue mich auf eine spannende Disskusion !

Grüße von

Shania*

 
6 Antworten:

Re: EU-Beitritt der Türkei, wie seht ihr das ?

Antwort von famisa am 02.12.2004, 15:05 Uhr

Ich finde jegliche Erweiterung der Eu bedenklich, da sich die EU in ihrem inneren Strukturen nicht einig ist.
Sie versteht sich ja nicht mehr nur als Wirtschaftsmacht, sondern will eine gemeinsame Politik betreiben.

Dass das ordentlich ins Hoserl gehen kann, haben wir spätestens beim Irakkrieg gesehen.
Gemeinsame Politik heißt auch eine einheitliche Richtung in der Gesetzgebung.
Wenn wir gegen die Folter sind, dürfen wir - krass gesprochen sagen - aber ein bisserl Folter ist erlaubt u.U. erlaubt.. Diese Argumentation in sehr vielen Bereichen in der EU tagtäglich gelebt (Folter ist zugegebenermaßen ein krasses Beispiel).

Grundsätzlich sehe ich kein Problem darin, dass die Türkei der EU beitritt, wenn sowohl sie, als auch die EU in den nächsten 10-15 Jahren (vorher geht sich lt. Experten ein Beitritt nicht aus, bzw. es werden verschiedene Vorstufen durchlaufen) ihre Hausaufgaben machen.

lg mi

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schmeiße tüte mit fehlenden Wörtern hinterher...

Antwort von famisa am 02.12.2004, 15:06 Uhr

...bitte selbständig ergänzen *schäm*

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Das ist eine sehr heikle Sache... (sehr lang)

Antwort von Ralph am 02.12.2004, 15:33 Uhr

Hallo Shania,

erst einmal vorweg: Wenn Deutschland einmal so arm sein sollte, daß es nicht mehr Zahlland wäre, dann ist der Ofen mit der EU auch aus. Ohne die deutschen Zahlungen nämlich wird nichts gehen, wer soll den diese Milliarden übernehmen? Im Übrigen gehe ich davon aus, daß mit Deutschland zugleich auch Frankreich untergehen würde, und dann ist die EU sowieso am Ende, finanziell, wirtschaftlich und politisch.

Ganz abgesehen davon, daß die EU, früher die EG und auch deren Vorläufer EWG, immer von den teilweise wirklich faszinierenden Europa-Visionen der Politiker dieser beiden Länder profitiert haben. Deutschland und Frankreich haben, bei allen Differenzen, zusammen Europa geträumt, so manches davon ist umgesetzt worden.
Noch heute kann mann salopp sagen, daß, wenn die Achse Berlin - Paris Schnupfen hat, Europa unter Grippe leidet. Das Beklagenswerte ist in diesen Phasen, daß beispielsweise England oder gar Spanien als europäische Vorreiter mit schöner Regelmäßigkeit kläglich versagen.

Und jetzt zum eigentlichen Thema:

Ein EU-Beitritt der Türkei.. damit habe ich derzeit noch Bauchschmerzen. Einerseits haben sich die Türken in der Vergangenheit immer wieder dem Westen zugewandt. Sie sind der einzige Staat, der im islamischen Bereich den ernsthaften und doch weitestgehend erfolgreichen Versuch unternommen hat, Religion und Staat voneinander zu trennen. Das Erbe Attatürks wirkt bis heute, und das halte ich für eine sehr große Errungenschaft. Desweiteren würde eine langfristige Ablehnung der Türkei dieses Land derartig destabilisieren, daß daraus ein Pulverfaß würde, daß niemand mehr unter Kontrolle bringen könnte. Eine im Inneren stabile Türkei ist völlig im europäischen Interesse, da sind, das sage ich ganz offen, auch sehr egoistische Aspekte mit im Spiel.

Andererseits stelle ich zumindest derzeit sehr in Frage, ob bei einer EU-Mitgliedschaft der Türkei mit der damit verbundenen Freizügigkeit der Türken innerhalb EU-Europas der soziale Friede gesichert bleibt. Ich befinde mich da noch voll in der Meinungsbildung, und die wird auch noch einige Jahre anhalten. Zum einen höre ich, daß selbst hier geborene Türken sehr mißtrauisch gegenüber ihren eigenen Landsleuten in der Türkei sind (sie erwarten nicht die Abenteurer und klugen Köpfe aus der Türkei in Europa, sondern mehr diejenigen, die bereits in der Türkei nichts werden), zum anderen sehe ich noch nicht einmal die heutigen Integrationsprobleme gelöst. Diese würden aber ins Unermeßliche stéigen, wenn die Integrationsbereitschaft so mancher Türken nicht erheblich gesteigert wird.

Ferner habe ich Probleme damit, wie konservative türkische Männer mit ihren Frauen umgehen, das möchte ich Deutschland einfach so nicht haben, nicht dulden und nicht tolerieren. Solange Frauen in Teilen dieses Kulturkreises mehr oder weniger als Ware angesehen werden, möchte ich die Türkei in der EU nicht sehen.

Dann kommen noch politisch-demokratische Defizite hinzu. Gut, das ist vielleicht noch das Einfachste, politischer Voraussetzungen für Besserungen zu schaffen.

Ich habe da hinsichtlich der Kultur meine Berührungsängste, ich wehre mich gegen meine aufkommenden Vorurteile, wohlwissend, daß diese mehr schaden als nützen.

Derzeit lehne ich "vorsichtshalber" einen EU-Beitritt der Türkei kategorisch ab, aber zumindest bei mir ist das kein endgültiges Votum, ich will und muß erst einmal mehr wissen, um wirklich abwägen zu können.

Nehme ich Menschen wie Kaplan als Maßstab, oder den ehem. Vorsitzende der PKK (wie hieß er noch...Ökcan??), dann darf die Türkei nie im Leben EU-Mitglied werden wegen der erwähnten Freizügigkeit...

Nein, für ein abschließendes und klares Votum brauche ich noch Zeit. aber ich hoffe dennoch, einige Pro- und Contra-Argumente zum Diskutieren geliefert zu haben. :-)

Viele Grüße
Ralph/Snoopy

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Kommt darauf an...

Antwort von Schwoba-Papa am 02.12.2004, 15:38 Uhr

...ob man es als Deutscher oder Europäer betrachtet und es kommt auch darauf an es mittel- und langfristig zu betrachten. Also mit geschürten Ängsten (die vielleicht gar nicht so unberechtigt sind) von der Religionsfrage, über Lohnniveau bis zur Wirtschaftsabwanderung und Menschenrechte ist eine objektive Betrachtung schwer möglich. Ich bin weder dafür noch dagegen.

Grüßle

Ut scient gentes quoniam homines sunt
Die Völker sollten wissen, dass sie Menschen sind

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Re: EU-Beitritt der Türkei, wie seht ihr das ?

Antwort von Shania* am 03.12.2004, 6:45 Uhr

Danke für euere Meinungen zu diesem Thema.

Ich bin der Meinung, dass wenn die EU noch weitere arme Länder aufnimmt irgendwann das finanzielle Fiasko kommt. Und wenn nach dem Beitritt der Türkei viele Millionen Türken hier herkommen wird das auch den Kollaps der Sozialkassen bedeuten, falls wir bis dahin überhaupt noch so etwas haben wie ein soziales Netz (was ich aber nicht glaube).

Die Milliarden wo wir nach Brüssel zahlen werden dann vielleicht zu Billionen und ihr wisst ja selbst dass Deutschland Schulden ohne Ende hat, also woher nehmen wenn nicht stehlen ?

Mir macht das alles Angst. Solange die Probleme innerhalb Deutschlands nicht ansatzweise gelöst sind so dass die Menschen aller Nationen die bereits hier leben auf den Staat vertrauen können und nicht verhungern müssen weil es vielleicht irgendwann mal keine Arbeitsplätze, soziales Netz oder Renten mehr gibt,ist ein weiterer EU-Beitritt von armen Ländern mehr als bedenklich.

Grüße von

Shania*

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Nun doch stark übertrieben...

Antwort von Ralph am 03.12.2004, 9:25 Uhr

Hall Shania,

also verhungern wird hier sicherlich nie jemand, ich denke, da übertreibst Du. Zutreffend wird dagegen sein, daß soziale Netze nicht mehr unbedingt die Unterstützung auf den gegenwärtig vergleichsweise hohen Niveau werden halten können, daß es vielleicht wirkliuch irgendwann nur noch Miete und Lebensmittelgutscheine gibt.

"Milliarden werden dann vielleicht zu Billionen...", hey, bleib mal auf dem Teppich! :-)

Eine Billion Euro häufen sich, bei 40 Milliarden jährlich, zu einer Billion €. Und das dann alleine jährlich an die EU? Das ist ohne jede Grundlage, sodaß uch Dir DIE Sorge nehmen kann. :-)

bei den anderen bereichen stimme ich Dir insoweit zu, daß Europa und damit auch Deutschland erst noch so einige Hausaufgaben zu erledigen haben, bevor eine weitere EU-Erweiterung ins Auge gefaßt werden sollte.

Viele Grüße
Ralph/Snoopy

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