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Geschrieben von irulan am 25.09.2003, 22:36 Uhr

An alle, die beim Kopftuch-Thema immer von deutscher Kultur sprechen: Was meint Ihr eigentlich, wenn Ihr von deutscher Kultur sprecht? Was konkret sollte sich Deutschland bewahren? m.T.

*malganzprovokantwerd* Mir fällt nicht viel ein! Sorry! Höchstens das "Land der Dichter und Denker" (wo Naddel und Dieter die Bestsellerlisten anführen?!).Also, mich würde einfach interessieren was Ihr konkret im Sinn habt, wenn Ihr davon sprecht (doch nicht etwa "Kartoffelsuppe" ;-)).

LG
Irulan

 
13 Antworten:

Warum nicht auch Kartoffelsuppe? :-)

Antwort von Ralph am 25.09.2003, 23:55 Uhr

Hi Irulan,

kulinarisch, nunja, ich liebe auch die Hamburger Aalsuppe, das mal so nebenbei... :o))

Ich verbinde mit deutschen/europäischen Traditionen z.B. das abhalten christlicher Feste. Weihnachten, Nikolaus, Ostern... ob nun streng gläubig oder weniger streng, spielt dabei keine Rolle.
Viele Dinge sind damit in diversen Bereichen verankert, ohne daß man dies zunächst richtig wahrnimmt. Allein, was daraus in Kindertagesstätten gezaubert wird, Ostereiersuchen, Nikolaus (ja auch der!), Adventszeit, überhaupt Weihnachten sich etwas schenken (auch Atheisten tun dies übrigens). Ich weiß, daß viele muslimische Kinder damit teilweise nichts anfangen können, oder auch nicht dürfen. Teilweise werden sie von den Eltern dann an den gemeinsamen Aktivitäten gehindert, obwohl diese, wenn auch eigentlich religiös begründet, sich davon gelöst haben. Advent ist z.B. ein gutes beispiel dafür.

Die Trennung von Staat und Kirche sollte weiterhin angestrebt werden. Das schließt übrigens Religionsunterricht nicht aus. Als ich in der 5.Klasse religionsunterricht hatte, war der mohammedanische Perser, der mit mir in die Klasse ging, selbstverständlich vom Unterricht befreit. Das ist für mich kein Thema. Es kann aber nicht sein, war damals auch nicht aktuell, daß er dafür Einzelunterricht an unserer Schule im Islam erhält. Das kann es nicht sein.
Angebot zum Religionsunterricht ja, wenn es nicht angenommen wird, ist es auch ok.
Auch wenn ich möglicherweise manchen hier zu nahe trete: Westeuropa und damit auch Deutschland ist christlich geprägt, hier haben schreckliche Kriege zwischen den verschiedenen Richtungen stattgefunden, der Anlaß dazu mit all seinen Visionen inklusive der Auflehnung gegen die katholische Obrigkeit wurde ebenfalls in Deutschland gestartet.
Das klingt nur im ersten Moment nach einer engen Verzahnung von Kirche und Staat, in der Praxis läuft es aber sehr viel lockerer ab.

Der nächste Punkt ist: Ich halte das Grundgesetz, trotz aller Unzulänglichkeiten, für eine der besten Verfassungen der Welt. Wie gesagt, es gibt Schwächen, aber letztlich ist unser Demokratiekonstrukt in meinen Augen sogar dem amerikanischen haushoch überlegen, komplizierter und manchmal nervig, aber gründlicher und gerechter (ein Herr Bush wäre in Deutschland unter gleichen Voraussetzungen nicht Präsident!).
Die Toleranz, die das Grundgesetz ermöglicht, sind z.B. deutsche Errungenschaften in meinen Augen, auch wenn das jetzt wiedersprüchlich wirkt, und auch, wenn ich denke, daß in letzter zeit vieles überzogen wurde.

Natürlich gibt es auch viele Einflüsse durch die fremden Kulturen, und ich bestreite auch nicht, daß vieles auch positiv ist. Oberflächlich betrachtet sieht man das im Vergleich von vor 35 jahren im Supermarktangebot, an den verschiedenen kulinarischen Angeboten in den Städten, am Fußball in der Bundesliga. *gg*
Sicherlich sind auch die verschiedenen Sichtweisen nützlich und wertvoll für die Diskussion. Das habe ich hier auch schon gepostet.

Und Bestsellerlisten... Naddel und Bohlen, selbst das geht hier, aber auch die Satanischen Verse von Rushdie, worauf dieser von Ayatollah Khomeini (richtig geschrieben?) als vogelfrei zum Abschuß erklärt wurde.
Das ist eine Sichtweise, die auch nicht zu Deutschland passt, aber viele Muslime hier sind seinerzeit für diesen Fluch über Rushdie auf die Straße gegangen.

Was fällt mir noch ein... auch wenn ich damit wenig am Hut habe: Karneval, das ist zum einen Feiern, aber wer z.B. hinter die Zeilen der Büttenreden schaut/hört/liest, wird den eigentlichen Wert dieser Veranstaltung erkennen. Und grade auf diesen Gebiet gibt es uralte deutsche Traditionen, die ich aber nicht so sehr kenne, weil ich aus Norddeutschland komme. Das Ganze aber z.B. zu verstehen, evtl. auch mitmachen wollen, das gehört für mich zur Integrationsarbeit, die ausländer zu erbringen haben.

Musik, klassische Musik... ich bin mir nicht sicher, ob diese Art der Kultur z.B. bei den türkischen Mitbürgern, ob mit oder ohne deutschem Paß, geliebt oder gepflegt wird. Du kannst zurecht einwenden, daß es auch viele deutsche gibt, die diese Musik nicht mögen, das ist richtig. Trotzdem sind dort auch Wurzeln unserer Kultur enthalten, die ich gerne erhalten sehen möchte. Vielleicht kannst Du mich in diesem Punkt ja eines besseren belehren :-)

Mehr fällt mir auf die Schnelle vorerst nicht ein. Vielleicht kann ein(e) andere(r) das Brainstorming ja fortsetzen.

Es gibt sicherlich noch sehr viel mehr.

Liebe Grüße
Ralph/Snoopy

wenn du es natürlich von diesem standpunkt betrachtest...

Antwort von sterntaler am 26.09.2003, 0:05 Uhr

es so weitergeht und wir unsere (deutsche)-kultur nicht respektvoll wahren,.... nix mehr!! da wir leider gottes immer multikulureller werden. (:o(eine einzige mischung aus verschiedenen anderen kulturen, die all in den letzten 50 jahren hier einzug gehalten haben und WIR, mittlerweile bereits unter druck, uns in unserem eigenen land(!) ihnen anpassen müssen oder sollen! leider! (:o( eine neue variante, die patchworkkultur!?? na klasse! (:o(

hast du das wort KULTUR schon einmal diffiniert?
*quelle,fremdwörterduden*:
KULTUR= die gesamtheit der geistigen und künstlerischen lebensäußerungen einer gesellschaft, EINES volkes! ein land bearbeiten, urbar machen, (aus)bilden und pflegen!
all das, ist in unserem land-deutschland- all die jahre durch unsere vorfahren geschehen.
dazu gehören auch, angefangen mit den wunderschönen orten und bauwerken, wie z.b. schloss neuschwanstein bis hin zur wartburg. maler, schriftsteller, dichter, schauspieler, musiker, all solche, die unser volk lehrten und nach außenhin stolz representierten.

sitten und gebräuche ob religiös oder wie auch sonst. siehe weihnachten,...ich habe bis jetzt noch niergens dieses fest so innig und andächtig gefeiert als bei uns zu hause, in deutschland! öhm da fällt mir gerade eine neue unsitte der deutschen ein, die bereits mit einer edeltanne zu weihnachten nach mallorca in urlaub fliegen!*hüstel*

ja und selbst das sauerkraut, die weißwurscht oder die brezel, eine gute deutsche kartoffelsuppe mit frischem zwetschgenkuchen sind typisch deutsch und somit für uns deutsche kulturelle highlights!*knurr*

vor kurzem hat sich hier im forum canadafan sehr gut dazu geäußert,...es ging zwar eher um patriotismus, aber in diesem fall würde ich es auch mit kultur in zusammenhang bringen!

*wenn ich Patriotismus meine, denke ich an Stolz auf mein Land, stolz, dass es andere besuchen und hier leben wollen, stolz auf den teilweise tollen Ruf deutscher Arbeit und deutscher Tugenden im Ausland.

Ich spreche auch von dem, was Rudi völler meinte: In Dtl. wird grundsätzlich alles ersteinmal in den Schmutz gezogen, negativ bewertet, beneidet.

Man soll doch stolz darauf sein, wenn andere es mit ihrem Wissen und ihrem Einsatz zu etwas gebracht haben.
(und diesen auch an andere weitergeben können!)

Mit Patriotismus meine ich vor allem weniger Neid sondern mehr Bekenntnis zu sich selbst und zu den ursprünglichen Werten. Ich meine Gastfreundlichkeit, ich meine Respekt und Anerkennung...*

in diesem sinne, bin ich stolz und froh ein so schönes land als mein vaterland, meine heimat nennen zu können. :o)

schlaft gut
sterntaler

Klasse, sterntaler... :-)

Antwort von Ralph am 26.09.2003, 0:50 Uhr

Die ideale Ergänzung zu meinem Posting...
... genau das wollte ich auch posten (und war irgendwie nicht imstande, das in eine Sprachform zu gießen)! :-)

;-)

Liebe Grüße
Ralph/Snoopy

d'accord...

Antwort von marit am 26.09.2003, 9:22 Uhr

...für Kultur bin ich immer, schließlich bin ich Kulturwissenschaftlerin. Ich gehe liebend gern ins Theater, liebe unsere Dichter etc. Leider muß ich manchmal mit Beschämen feststellen, daß zum Beispiel meine japanischen Freunde sich besser in meiner Kultur auskennen als ich mich selbst (und ich kenn mich dafür auch noch kaum in ihrer aus). Sie haben selbstverständlich den ganzen Heidegger gelesen (ich bin nach 3/4 von "Sein und Zeit" immer ausgestiegen). Mein persischer Kollege erzählt mir mit leuchtenden Augen von Goethes West-östlichem Divan, ich kann mit Kenntnissen seiner Kultur kaum kontern und wechsle verlegen das Thema...

Also daß allein das auseinandersetzen und tolerieren fremder Kulturen zum Verlust der eigenen führt, ist ein so hahnebüchener Blödsinn,mit Verlaub, wie ich ihn selten gelesen habe.

Und was machen wir dann mit all den Deutschen, die Pizza und Nudeln mit Tomatensoße für ein traditionell deutsches Gericht halten, aus der evangelischen Kirche austreten, weil sie den Papst doof finden,und als kulturelle Jahresleistung einen Musicalbesuch verstehen?? Ausweisen??

Armutszeugnis?

Antwort von Ralph am 26.09.2003, 11:05 Uhr

Hallo Marit,

ich gebe auch zu, daß ich mich nun grade in der deutschen Literatur auch nicht bis ins kleinste Detail auskenne. Ich bin eher in der Musik zuhause.

Allerdings hätte ich gedacht, daß Kulturwissenschftler da ein bißchen mehr Wissen auf dem Gebiet der Literatur vorhalte. Nundenn! :-)

"Also daß allein das auseinandersetzen und tolerieren fremder Kulturen zum Verlust der eigenen führt, ist ein so hahnebüchener Blödsinn,mit Verlaub, wie ich ihn selten gelesen habe."

Dann hast Du nicht richtig gelesen! Ich habe nie behauptet, daß eine Auseinandersetzung mit anderen Kulturen zum Verlust der eigenen führt. Im Gegenteil, ich habe immer wieder gepostet und trete auch im Alltag mit meinen Kindern dafür ein, daß sich mit anderen Kulturen, Positionen und Meinungen auseinandergesetzt wird. Allein das erweitert den Horizont, kann Mißverständnisse aus der Welt schaffen und führt zu Verständnis füreinander. Deiner Meinung stimme ich zu.

Hier geht es m.E. aber um die Frage, wieviel Toleranz möglich ist und wo die Toleranz anfängt, kontraproduktiv zu sein.
Für mich bedeutet Toleranz ein Hinnehmen von anderen Auffassungen, anderer Lebenseinstellungen, vielleicht auch ein Ertragen von Dingen, die mir nicht so lieb sind, um auch dem anderen ein Leben nach seiner Fasson zu ermöglichen.
Vor lauter Toleranz darf ich aber doch nicht meine eigenen Interessen andauernd nur hinten anstellen. Ich beleibe deshalb bei der Ansicht, daß ich als Einheimischer schon das Heft in der Hand behalten sollte, insbesondere wenn es darum geht, wie welche Dinge im eigenem Land geregelt werden sollen.
In dem Moment, wo ich das Gefühl habe, daß die mir die Kontrolle "im eigenen Laden" entgleitet, geht doch zwangsläufig die Bereitschaft, nochmehr "Toleranz" zu zeigen, zurück.

Das, was Du im von mir zitierten Satz erwähnst, ist zumindest von mir so nie vertreten worden.

Und was Deine Beispiele an Kulturunsinn angeht... es gibt auch viele, die sich über die GEZ-Gebühren aufregen. Argument: Die Werbung ist doch schon eh so unerträglich, die machen doch genug Kohle... :-)

Ich habe auch nie behauptet, daß jeder Deutsche automatisch kulturell den Durchblick hat. Daraus dann aber abzuleiten, daß ich meine Identität immer mehr verwässere, halte ich für eine Forderung, die auf Dauer ernsthaft nicht aufrecht erhalten werden kann.

Noch einmal: Toleranz ja, aber es muß erlaubt sein, Grenzen dieser Toleranz nicht nur zu überdenken, sondern sie gegebenenfalls auch zu setzen!
Andere Völker setzen diese Grenze, und sie haben recht damit! Und wenn dann hier die Meinung vertreten wird, nur weil die es so praktizieren, wieso muß Deutschland es dann auch so tun... wie verquast sind wir denn eigentlich?

In einem Gespräch zu diesem Thema gestern abend hat meine Freundin eine in meinen Augen zutreffende Kernaussage geäußert: Die Deutschen haben verlernt, NEIN!! zu sagen! Sie vertreten, im Gegensatz zu ALLEN anderen Völkern dieser Welt, ihre ureigenen Interssen nicht mehr! Und genau das ist das Problem! :-)

Viele Grüße
Ralph/Snoopy

Re: Armutszeugnis?

Antwort von alfalfa am 26.09.2003, 11:28 Uhr

Hallo

Stimmt, wir sollten öfter mal nein sagen, mit allen Konsquenzen.

Aber es gibt wenige, die den Mut haben Dinge zu tun und zu äußern, die in unserer heutigen Zeit für uns positiv sind. Viele Entscheidungen, werden in Deutschland im Hinblick auf die Vergangenheit gemacht und nicht im Hinblick auf die Zukunft. Das hemmt und bringt keinen Schritt vorwärts.

Bei vielen unserer Taten wird immer abgewägt, ob man solchen Schritt im Sinne unserer Geschichte gehen kann.

Bei aller Tragik, Traurigkeit und Schaurigkeit der beiden Weltkriege muß und darf man den Blick auf die Zunkunft nicht vergessen. Wir leben in der Gegenwart und für die Zukunft und nicht in der Vergangenheit. Man darf nicht vergessen, aber auch nicht blockieren. Damit hilft man niemanden.

Hat denn keiner hier im Land Mut, auch mal die Interessen der eigenen Landsleute durchzusetzen? Wie wäre es mit mehr Familienfreudlichkeit und Kiga/Kita- und Krippenplätzen für alle Kinder, stattdessen werden Steuergelder für einen Kopftuchprozess verschleudert.

Ich glaube, hätten wir nicht diese Altlasten zu tragen, wäre vieles in Deutschland anders gelaufen...

Gruß alfalfa

Re: Armutszeugnis?

Antwort von marit am 26.09.2003, 11:51 Uhr

keine Angst, ich kenn mich schon ganz gut aus in der deutschen Literatur und Philosophie. Nur bin ich eben erstaunt, damit konfrontiert zu werden, daß Menschen anderer Kulturen sich damit auch intensiv auseinandersezten und dennoch auch in ihrer Kultur verwurzelt sind.

Ich würde die jederzeit zustimmen, wenn diese Lehrerin verlangen würde, daß die Mädchen während ihres Untterichtes Kopftücher tragen müßten, wenn sie also eine anpassung an ihre Kultur leisten müssen. Das tut sie aber nicht, sie will ja nur eine tolerante Regelung für sich persönlich.Ich hatte in meiner Schulzeit hingegen einige Repressionen zu erdulden, wenn ich am Schulgottesdienst nicht teilnehmen wollte (ich hatte gerade eine atheistische Phase). Als ob es meine Schuld wäre, daß meine Eltern mich haben taufen lassen...

Auf der einen Seite wird also eine Religiosität mit Repression durchgesetzt, auf der anderen Seite wird sie verboten. Ich halte beides nicht für richtig. Außerdem haben Islam und Christentum sehr starke gemeinsame Wurzeln (Jesus gilt ja im Islam als Prophet); daher wäre es sogar eine Bereicherung für die EIGENE Identität, sich genauer damit zu befassen.

100 punkte....ganz genau alfalfa!

Antwort von sterntaler am 26.09.2003, 12:07 Uhr

hallöle und moin moin,

tja, thema nein-sagen und altlasten.....:o))
das NEIN sagen fällt vielen schwer, sogar den eltern gegenüber ihren bettelnden kindern an einer supermarktkasse, oder etwa nicht??! ;o)
keiner möchte dem anderen schließlich vor den kopf stoßen und als egoist oder "spielverderber" in die geschichte eingehen!
wie war das doch gleich nochmal mit i.p.pawlow???? ;o))

diejenigen, die ein klares verständliches NEIN über ihre lippen bringen, egal welche vergangenheit über ihnen lastet, werden auf dauer eher respektiert und angesehen, weil sie innere stärke und charakterfestigkeit nach außenhin beweisen! einfach grenzen vorab ziehen und nicht wenn es zu spät ist jammern, weil irgendwer vielleicht ungebeten im vorgarten steht! somit erzeugt man unzufriedenheit und missmut.

NEIN -- dieses rückgrat fehlt uns in unserem land leider gottes aus furcht, charm und zuviel toleranz!

ich empfehle als pädagoge gerne immer wieder das buch *sag nicht ja, wenn du nein sagen willst!* und glaubt mir, man fühlt sich freier und wahrt vorallem sein gesicht bzw das land! man ist ehrlicher zu sich selbst und wird ernstgenommen!

zum thema kultur in deutschland, @marit fällt mir gerade noch brennend ein, dass auch unter anderem die MEINUNGSFREIHEIT ein großes deutsches kulturgut ist, auf das wir hier alle einmal stolz und froh sein sollten! ich kenne kein anderes land, wo man ohne mundschutz und zensur öffentlich sagen oder schreiben darf, was man denkt! nur auf den ton der musik, sollte man auch dabei bei aller liebe etwas achten! ;o))

in diesem sinne
LG
sterntaler & co

habe mal wieder keine zeit, aber zu: "sich genauer damit befassen"...mt

Antwort von sasu am 26.09.2003, 12:15 Uhr

ich habe den koran auf deutsch hier als pdf-datei.
sollte jemand lust u. zeit haben, schicke ich ihm diesen gerne per e-mail zu.

gruss,
sasu

Nur kurz zu Christentum und Islam! :-)

Antwort von Ralph am 26.09.2003, 12:42 Uhr

Hi Marit,

das ist ja das tragische, daß, soweit ich es erinnere, beide Religionen so viel gemeinsam haben.
Im Namen des Christentums ist viel Blut geflossen, da gibt es nichts zu beschönigen, das hat aber etwas mit der Kirchendoktrin zu tun, nicht mit der reinen Religion an sich. Heute stellt sich das Christentum anders dar, wenn auch noch mit vielen Unzulänglichkeiten, rotzdem bleibt die Kernaussage dieser Religion gewaltfrei. Und Kriege, ob von unten oder von oben, werden nicht mehr geführt.

Beim Islam in seiner praktischen Ausführung sehe ich tagtäglich andere Realitäten. Und ich kenne mich einfach nicht genug aus, um genau unterscheiden zu können, was islamgerecht ist und was von Eiferern hineininterpretiert wurde. Da wäre Aufklärung dringend vonnöten. Gestern habe ich im ZDF eine Sendung über das Kopftuchurteil gesehen. Der Vertreter des Zentralrates der Muslime in Deutschland machte auf mich nicht grade den Eindruck, als ob er die Demokratie wirklich aufgesogen hat. Damit erweist aber den vielen, vielen Muslims in Deutschland einen Bärendienst. Ich davon aus, daß die allermeisten sich von den Greueltaten im Namen des Islam distanzieren. Allein: ich gehe davon aus, hörbare Statements gibt es dazu nicht, oder habe ich etwas verpaßt?
Dabei gibt es so viele organisationen. Die Kurden z.B. haben jahrelang hier eine Demo nach der anderen geliefert. Soll also keiner sagen, es gäbe kein motivationspotential für die Straße.
Dadurch, daß es möglicherweise eine schweigende Mehrheit gibt, wächst bei mir ein ungutes gefühl, und das kann nicht im Sinne der Muslims sein.

Man hat vielen Deutschen im Dritten Reich vorgeworfen, daß sie geschiegen hätten. Abgesehen davon, daß noch zu hinterfragen wäre, wer wann wovon gewußt hatte, bleibt es Tatsache, daß eine Auflehnen gegen z.B. die Judenverfolgung eine reale Gefahr für Leib und Leben bedeutet hätte.
Die Muslims in Deutschland können frei ihre Meinung äußern, niemand würde sie hier in Deutschland dafür ins gefängnis stecken, foltern oder gar töten. Und trotzdem keine Demos gegen die Intifada, gegen die Heiligen Kriege, gegen Beschneidung aus religiösen Gründen und Frauenunterdrückung im Namen des Islam.

Christen hingegen sind Anfang der 80er Jahre auf die Straßen gegangen gegen die Aufrüstung, auf Kirchentagen sind Politiker in Fragestunden regelrecht an die Wand argumentiert worden (ich war selbst zugegen).
Aus Koranschulen hört man, wenn überhaupt, sehr viel Extremes, aber vielleicht ist da, das gestehe ich zu, auch die Berichterstattung bewußt einseitig.
Aber auch däs würde einer Richtigstellung durch die entsprechenden Verbände der Muslims hier in Deutschland bedürfen.

Nur: Aus dieser Richtung höre ich nichts, keine Silbe!!

Liebe Grüße
Ralph/Snoopy

Wg. Tipp-Fehler und fehlender Worte...

Antwort von Ralph am 26.09.2003, 12:45 Uhr

Habe hier irgendwie ein Problem...

ganze Wörter verschwinden im Nirvana... :-(((
Tut mir leid!

Ralph/Snoopy

Re: Nur kurz zu Christentum und Islam! :-)

Antwort von marit am 26.09.2003, 13:54 Uhr

Hallo Ralph,
ich schätze dich wirklich sehr als Diskussionspartner, finde aber, daß du hier ein wenig viel in einen Topf wirfst. Es sind beschnittene Frauen selbst, die sich erstmals gegen diese Praxis in ihren Ländern aufgelehnt haben (also Musliminnen). Frauen, die sich keineswegs deshalb gegen ihren Glauben wenden, sondern nur gegen diese Praxis (was sie auch immer wieder betonen). Natürlich geht es immer um Toleranzschwellen. Ich sehe kein Problem, wenn eine Frau freiwillig ein Kopftuch tragen möchte, aber sehr wohl, wenn sie dazu gezwungen wird. Wenn man nämlich einerseits darum kämpft, daß Frauen dies nicht mehr tun MÜSSEN, es aber zugleich den anderen verbietet, dann ist das ein ebenso rigides Vorgehen. Es ist doch gerade die mangelnde Toleranz, die wir an einigen Strömungen dieser Religion kritisieren. Tragen wir durch eigene Intoleranz nun zur Erklärung unserer Position bei? Wie gesagt, es geht nicht darum, daß diese Lehrerin islamische Rituale von ihren Schülern erwartet, sondern es geht nur um die Symbole, die sie an ihrem eigenen Körper trägt. Was wäre denn, wenn sie eine religiöse Tätowierung tragen würde. Müßte sie sie dann wegschneiden lassen?

In Deutschland dürfen Uni- und Schulrektoren politischen Parteien angehören, obwohl dadurch von vorneherein klar ist, in wessen Interesse sie Entscheidungen treffen werden. Neutralitätsverpflichtung?
Daß Religion Privatsache ist, heißt ja nicht, daß sie nicht öffentlich sichtbar sein darf. In meiner Schulzeit kamen Lehrer mit "Atomkraft -nein danke" Buttons am Revers zur Schule. Das ist auch ein Zurschautragen öffentlicher Überzeugungen und geht in Ordnung. Nicht in Ordnung wäre gewesen, wenn diese Lehrer einen Schüler fertiggemacht hätten, dessen Vater Chemieriese ist.
Auch ein Bismarckbart kann man als Zurschautragen politischer Haltung sehen. Muß ein Lehrer ihn abrasieren? Ein Lehrer, der mit Holzkoffer zur Schule kommt und erklärt, daß er sich vegan ernährt und für ihn kein Tier sterben soll. Bekommt er ein Disziplinarverfahren? Nein. außer er schlägt einem Schüler das Wurstbrot aus der Hand...

Komplexes Thema eben! :-)

Antwort von Ralph am 26.09.2003, 14:40 Uhr

Hi Marit,

Du hast vollkommen recht, z.B. am Thema ausländische Mitbürger hängt ein unendlicher Rattenschwanz an Themen. Wenn man darüber spricht, dauert es nicht lange, und man ist voll drin in der Auseinandersetzung mit Stammtischparolen, Vorurteilen, auch die Standpunkte der "Ewig-gestrigen" gehören dazu, Multi-Kulti ja oder nein, Integration, Toleranz... dann geht es weiter über Arbeitslosigkeit, womit dann weitere Stammtischparolen hinzukommen, ich als "Praktiker" kann meine Erfahrungen zum Besten geben, inwieweit die aber nützlich sind und nicht nur bestimmte Stammtischerwartungshaltungen befriedigen, die nur das herauslesen, was genehm ist... hmmm!
Noch ein Schritt weiter, und wir sind bei Verfassungsfragen wie Kruzifixurteil und jetzt Kopftuchurteil...
Unweigerlich sind schnell auch Fragen der Bildung/Ausbildung auf dem Tisch, wer soll wie welche Lehrkräfte nach welchen Inztegrationsfahrpläne einstellen und bezahlen, oder, wie bei uns im Forum, Fragen der Kultur, Fragen nach der Identität, was ist deutsch, wer sind wir, auf einmal sind wir bei Philosophie! :-)
Wenn das Ganze dann noch mit der speziellen deutschen Vergangenheit belegt wird, kommt eine Situation heraus, die mit den Denkmustern der letzten fünf Jahrzehnte einfach nicht beherrschbar ist.

Tja, und wenn dann noch ein-zwei TV-Sendungen als Hintergrund hinzugefügt werden, ist das Durcheinander komplett.

Ich habe versucht, ein wenig Ordnung hineinzubringen. Das Problem, oder das Gute?, ist, daß jeder etwas anderes als das wichtigste Detail empfindet, und wenn ich eines auslasse, kommen neue Mißverständnisse auf. Ich gebe zu, daß es mir nicht unbedingt gelungen ist, aber der Versuch war es wert! ;-)

Ich glaube, es gibt nur sehr wenige Themen in Deutschland, die ähnlich komplex sind. Die Gründe, so wie ich sie sehe, habe ich eben versucht zu erläutern.

Das Beispiel der beschneidung von Frauen, daß Du anführst, enthält nur die halbe Wahrheit. Du hast recht, daß es die Frauen waren, die sich naufgelehnt haben. Aber durch Hilfe von speziellen Hilfsorganisationen (was die leistung nicht schmälert) und vor allem, für mich überhaupt DIE leistung schlechthin, in ihren heimatländern, in ihrem eigenen Kulturkreis (Kultur!! ;-) ).
Daß diese Aktionen nichts, aber auch gar nichts mit ihrem Glauben zu tun haben, ist für mich sonnenklar. Die beschneidung hat, soweit ich informiert bin, in wahrheit auch nichts mit dem Islam zu tun. Insoweit können sie damit auch keine Religion ablehnen oder ablegen. Trotzdem ist es eine großartige Leistung, zumal diese gesellschaften ja von Männern dominiert werden.

Deine Frage hinsichtlich einer religiösen Tätowierung beantworte ich eindeutig und klar: Nein, diese Frau oder diese MAnn dürfte, sofern die Tätoewierung im Unterricht sichtbar ist, NICHT unterrichten. genauso sehe ich es mit dem Kopftuch. Nein in der Schule, auf der Straße ist es mir, salopp gesagt, piepschnurzegal! :-)

Dasselbe gilt für die AKW-Nee-Plaketten. Ich fand es damals als Schüler schon daneben, daß Lehrer damit im Unterricht herumlaufen durften. Diskutieren darüber, ja, auf jeden Fall.
Und wenn ein Mitglied des Lehrkörpers (oh Gott, welch ein Wort! *g*) in einer demokratischen Partei ist, habe ich solange keine Probleme, solange er mit seiner privaten meinung im Unterricht hinter dem Berg hält.

Wir sind als Menschen Subjekte, keine Objekte, und wir haben eine Meinung, ob gewollt oder ungewollt, von daher können wir, genau genommen, nie objektiv sein, aber wir können uns bemühen.
Von Lehrern erwarte ich eine Vorbildsfunktion. Die kann aber im Kopftuchtragen (und damit meine ich die Symbolik die dahintersteckt) oder mit SPD-/CDU-Nadel am Revers nicht wahrgenommen werden.
Bismarck-Bart... ehrlich... ich komme ins Grübeln, und beim Hitler-Bart... was ist, wenn der Träger ernsthaft behauptet, sein Vorbild sei aber Charlie Chaplin?? Der Lehrer mit dem Holzkoffer hingegen hätte wohl noch den leichtesten Job: Kann er doch glatt erklären, dies sei doch nur sein Modegeschmack!! :-))

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