X-Beine und O-Beine - bei Kindern verwächst sich das meist!

X-Beine und O-Beine - bei Kindern verwächst sich das meist!

© fotolia, Konstantin Yuganov

Charlie Chaplins Wackelgang sieht bei Kleinkindern ja noch recht niedlich aus, ist fürs spätere Leben aber nicht wirklich erstrebenswert.

Häufig kommen Eltern in meine Praxis, weil Sie sich Sorgen wegen einer Beinfehlstellung Ihres Kindes machen. In den meisten Fällen kann ich sie aber beruhigen. Baby- und Kinderbeine müssen und können nicht von vorneherein gerade sein, sondern folgen in ihrer normalen, gesunden Entwicklung einem ganz bestimmten Schema: vom O-Bein über das X-Bein zum geraden Bein - je nach familiärer Veranlagung mal stärker und mal weniger stark ausgeprägt.

Alle Babys haben O-Beine

Ein Säugling hat in den ersten Lebensmonaten zunächst immer O-Beine. Sie entstehen, weil sich die noch weichen, formbaren Knochen der angehockten Haltung im Mutterleib anpassen. Bei ihren ersten Gehversuch "eiern" die Kleinen auf ihren wackeligen O-Beinchen wie wild durch die Gegend. Doch der breitbeinige Cowboy-Gang ist für den Anfang genau das Richtige und gibt Halt und Stabilität. Im Laufe des zweiten Lebensjahres verändert sich die O-Bein-Stellung und wandelt sich dabei oft erst mal ins Gegenteil. Ab dem 2. Geburtstag bis etwa ins Schulalter gehen viele Kinder dann mehr oder weniger einwärts gedreht.

Viele Kinder haben X-Beine

Bei der sogenannten Innenrotation dreht ein Kind ein oder beide Beine nach innen und läuft, wie man umgangssprachlich so schön sagt, "über den großen Onkel". Diese X-beinige Haltung ist familiär bedingt und nicht immer gleich stark ausgeprägt. Sie ist aber normal bei Kindern ab dem 2. Lebensjahr und muss auch nicht mit Einlagen oder dergleichen ausgeglichen werden - selbst wenn manche dabei regelrecht über ihre eigenen Füße stolpern. Ebenfalls normal ist in dieser Zeit eine Knick-Senk-Haltung, die der Fuß zum Ausgleich einnimmt.

Schulanfang - die Beinchen strecken sich

Um den 6. Geburtstag herum sollten die Beine dann langsam anfangen, sich zu strecken und gerade zu werden. Bis zum 10. Lebensjahr, spätestens aber bis zur Pubertät sollte dieser Prozess abgeschlossen und ein "Normbein" erreicht sein. Als Anhaltspunkt kann man sagen: bei einem Teenager sollten im Stand, wenn sich die Fußgelenke berühren, etwa ein bis zwei Zentimeter Platz zwischen den Knien sein. Sorge müssen Eltern nur haben, wenn entweder eine sehr starke Abweichung vorliegt, nur eine Seite besonders ausgeprägt ist oder sich die Stellung mit etwa 7 bis 8 Jahren nicht langsam bessert.

Was tun bei einer Bein-Fehlstellung?

Zunächst ist Ihr Kinderarzt natürlich der richtige Ansprechpartner, der die Füße, Beine und auch den Gang Ihres Kindes bei den regelmäßigen U-Vorsorgeuntersuchungen kontrolliert und beobachtet. Bei Auffälligkeiten wird er Ihnen zunächst den Besuch bei einem speziellen Kinderorthopäden empfehlen. Selten und nur bei sehr starken Abweichungen ist zur Korrektur der Fehlstellung in jüngeren Jahren eine Schiene erforderlich. Bei älteren Kindern, wenn sich das Bild bis etwa 10, 11 Jahre nicht gebessert hat, kann auch eine operative Korrektur in Erwägung gezogen werden.

Wie kann man Fuß- und Beinfehlstellungen vorbeugen?

  • Babys strampeln lassen
    Heutzutage sitzen die Kleinen meist viel zu lange im Autositz oder in der Babywippe. Legen Sie Ihr Baby immer wieder auf dem Boden auf eine Decke, so dass es sich frei bewegen und die Beinchen strecken kann.
  • Vitamin D für starke Knochen
    Ein starker Mangel an Vitamin D kann bei Babys und Kleinkindern zu weichen, instabilen Knochen führen (Rachitis). Deshalb sollten Sie Ihrem Baby im ersten Lebensjahr täglich Vitamin-D-Tabletten nach Empfehlung Ihres Kinderarztes geben.
  • Barfuß laufen für gesunde Füße
    Egal ob Laufanfänger oder Kindergartenkind: häufiges barfuß Laufen kräftigt die Fußmuskulatur und das Fußgewölbe und ist deshalb die beste Vorsorge gegen Fuß- und Beinfehlstellungen. Wenn es für bloße Füßchen zu kalt ist, sind ABS-Söckchen mit Anti-Rutsch-Noppen an der Sohle ideal.
  • Achten Sie auf gutes Schuhwerk
    Sobald ein Kind draußen unterwegs ist, braucht es natürlich Schuhe, die den Fuß vor Kälte, Nässe und Verletzungen schützen. Kinderschuhe müssen aber nicht Halt geben, sondern weich und biegsam sein, damit der Fuß genügend Bewegungsfreiheit hat. Beim Schuhkauf sollten Sie deshalb nicht sparen, sondern auf Qualität achten.
  • Kinderschuhe müssen passen
    So nervig es ist, dass die Kleinen teilweise alle paar Monate aus den Schuhe wieder rauswachsen, so wichtig ist es doch auch, dass man zu kleine Schuhe rechtzeitig gegen neue, passende austauscht. Der weiche Kinderfuß verformt sich leicht, und schnell entstehen so Fußfehlstellungen, die bis ins Erwachsenenalter Probleme machen können.

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