Louisa16
Huhu,
es geht um unseren Großen (im Sommer wird er vier). Er geht seit Februar in den Kindergarten. Zuerst ist er total gerne gegangen. Irgendwann hat er gecheckt, dass er da jetzt immer hin soll, auch, wenn er nicht will. Seit dem möchte gar nicht mehr gehen.
Es ist so schrecklich für mich. Er weint, schreit, sagt, dass er nicht möchte, fragt mich: „Mama, warum willst du denn unbedingt, dass ich in den Kindergarten gehe?“
Was mir auch so weh tut: er wurde bisher immer so erzogen, dass wenn man etwas nicht möchte, man das sagt und der andere es ernst nimmt und darauf achtet.
Ich weiß auch, dass es manchmal Dinge gibt, da muss man einfach durch. Aber es fühlt sich so verkehrt an.
Er versucht auch Kompromisse zu finden: noch kurz mit rein gehen; einen Tag geht er, einen nicht... er ist da schon kreativ und clever. Ich kann aber auf keinen seiner Vorschläge eingehen. Er soll nämlich regelmäßig hin und wegen Corona, darf ich ja auch nicht in die Einrichtung.
Hattet ihr auch Kinder, die sich so schwer getan haben? Wie seid ihr damit umgegangen?
Er sagt übrigens schon morgens bzw. abends, dass er nicht gehen möchte.
Je näher wir dem Kindergarten kommen, desto schlimmer wird es und er ist auch schon mit seinem Rad geflüchtet
Wenn ich ihn dann abhole ist es aber ok. Er sagt zwar direkt, er geht nicht mehr, ist aber eigentlich ganz gut gelaunt. Manchmal sagt er sogar, es hat ihm gefallen, aber trotzdem geht er nicht mehr.
Die Erzieherinnen sagen, dass er sich schnell beruhigt und schön spielt. Einen guten Freund hat er auch schon gefunden, spielt aber auch mit den anderen, wenn er nicht da ist.
Ach Mensch, eigentlich findet er sich dort gut ein, aber ihn da hin zu zwingen ist echt hart.
Oh Mann, das klingt ja wirklich nicht so schön. Und ich kann dich total gut verstehen, dass das für dich sehr hart ist, ihn dann abzugeben. Meine beiden Großen gingen beide nie gerne in die Kita. Mal ging es ohne Probleme, mal nur mit Tricks oder Geweine. Auch wenn es sich wie Ablehnung anfühlt, habe ich ihnen immer ehrlich gesagt, dass es mir wichtig ist, dass sie in die Kita gehen, weil ich Zeit für mich/meine Arbeit/die anderen Kinder brauche. Beim Großen war ich irgendwie noch weniger geduldig und dachte immer, dass er einfach da durch muss. Beim Mittleren habe ich das etwas anders gemacht. Im Ergebnis musste aber auch er (vor Corona) immer in die Kita. Hier ein paar Ideen, die wir alle mal ausprobiert haben (mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg): Geheimherzen (dabei habe ich dem Kind heimlich ein kleines Herz auf den Unterarm gemalt und dort so 10 Küsschen drauf gemacht, die sich das Kind dann bei Bedarf über den Tag verteilt „abholen“ konnte), Bücher, CDs, Spiele mitnehmen (Typische Spielsachen waren bei uns oft nicht erlaubt, aber Dinge von denen alle etwas haben, waren ok), Foto von mir mit dem Kind in den Rucksack und vor allem dem Kind Zeit geben. Erstaunlich gut funktionierte es, wenn ich morgens schon in der Kita (jetzt geht es ja nur vor der Kita, aber vielleicht gibt es dort eine Bank oder einen Stein) Kuschelzeit erlaubt habe. Mein Mittlerer durfte auf meinem Schoß kuscheln bis er bereit war. Er wusste, dass er gehen soll (bzw. muss), aber er durfte so den Zeitpunkt entscheiden, wann er bereit war. Manchmal ging er dann sofort, manchmal saß ich mit ihm ne halbe Stunde in der Garderobe. Und ja, ich musste mir auch manchmal blöde Sprüche anhören, aber für uns war es wichtig, ihm wenigstens ein Stückchen Selbstbestimmung zu bewahren. Aber was soll ich sagen, jetzt geht er seit Corona ja auch kaum noch und sagt auch, dass er nicht mehr will bevor er in die Schule kommt (im Sommer). Jetzt haben wir uns darauf geeinigt, dass er es nächste Woche nochmal zwei Tage testet und dann entscheiden wir gemeinsam wie es weiter geht. Dein Sohn klingt ja grundsätzlich auch sehr selbstbestimmt. Vielleicht funktioniert es, wenn du ihm in einem anderen Bereich oder eben beim Zeitpunkt etwas mehr Freiheit gibt’s als vorher.
Hallo Lotta_macht_Krach,
Danke für deine Antwort.
Jaaaa, er ist SEHR selbstbestimmt. Einerseits finde ich es das super und andererseits macht es vieles sehr anstrengend.
Die Idee mit den Küsschen find ich gut. Das werde ich auf jeden Fall ausprobieren. Und auch das mit der (Kuschel-) Zeit vorher.
Ich habe auch schon mit ihm gesprochen und gesagt, dass es seine Entscheidung ist, wie er rein geht. Entweder er geht alleine rein und sagt mir und seinem Bruder Tschüss, so wie am Anfang oder eben mit Weinen und er wird dann von einer Erzieherin reingetragen.
Er sagt dann, er geht alleine rein. Wenn wir dann aber dort sind, schafft er es nicht
Und er ist sooo gerne am Anfang gegangen. Da wollte er sogar am Wochenende hin.
Mein 5 jähriger ist genauso. Er geht nun seit fast 5 Jahren in den Kita. Erst vor ein paar Monaten hat dieses tägliche Gemecker aufgehört. Ich weiß nicht ob es so gut ist das du ihn manchmal doch daheim lässt? So weiß er das wenn er genug meckert, er daheim bleiben kann. Erklär ihn warum du ihn in den Kita bringst und das es wichtig ist. Wenn er weiß das er jeden Tag hin muss egal wie viel er meckert, legt sich das vilt eher. Klar ist es schwer. Aber manche Sachen müssen sie einfach machen. Du würdest ihn ja auch nicht immer mal Tage nicht Zähne putzen lassen nur weil er nicht will?
Huhu FrauTuedl,
er ging ja immer regelmäßig im Februar und März. Und plötzlich hat er verstanden, dass er, auch wenn er nicht will hin soll. Und dann kam die Wende.
Jetzt waren wir gerade alle erkältet, da war er 2 Wochen zuhause und seit dem geht er wieder regelmäßig. Aber es wird eher schlimmer/schwieriger.
Ich glaube, so wie Lotta_macht_Krach schon geschrieben hat, er muss mehr das Gefühl haben mitbestimmen zu können. Das könnte es ihm vielleicht etwas erleichtern.
Ich bin auch nie gerne gegangen. Mein Mann auch nicht, meine Schwester nicht, meine Nichte nicht, mein Papa nicht... irgendwie scheint das in unsere Familie zu liegen
Hallo, Kann er denn Gründe nennen warum er nicht gehen will? In den ersten Klassen ist das bei mir an der Schule auch gerade großes Thema, weil die Kinder nicht wissen wann sie kommen müssen und wann nicht. Kurz zu viel hin und her mit corona! Meine Nichte wollte nicht gehen, weil sie das falsche Garderoben Tier bekommen hatte und die Erzieherin immer wieder dann fragte wem gehört das - letztlich war es mit nem Namensschild an den Sachen getan statt das die kleine beim trödeln mit: vom Esel hängt hier noch die Jacke angesprochen wurde.
Hallo!! Oh das ist wirklich eine schwierige, belastende Situation! Für dich als Mama besonders!! Meine Große war auch so wahnsinnig ungern im Kindergarten! Sie kam mit drei Jahren dorthin, zwei Jahre lang hat sie viel geweint und den Kindergarten gehasst. Im dritten Jahr ging es wenigstens ohne Weinen. Sie hatte viele Freundinnen, mochte auch die Erzieherin, aber sie wollte dennoch viel lieber zuhause sein. Mit dem Schuleintritt war das urplötzlich anders! Sie geht seither sehr gerne zur Schule! Ich hab leider keine Tipps, ich hab es nie geschafft, ihr die Kindergartenzeit leichter zu machen, aber vielleicht tröstet es dich etwas zu wissen, dass es anders werden wird - vielleicht nicht morgen, aber irgendwann!
Huhu Surfergirl,
so wirklich benennen kann er es nicht. Er sagt dann so Sachen wie: mir ist dort kalt oder ich will lieber mit meinem Bagger zuhause spielen...
Also es gibt jetzt nicht diesen einen speziellen Grund, warum er nicht möchte.
Ich habe eher das Gefühl, er fühlt sich ohnmächtig, weil einfach über ihn bestimmt wird und er kein wirkliches Mitspracherecht hat.
Hey Dani, Danke für deinen Beitrag. Ja, es hilft zu hören, dass es anders werden kann/wird. Wir haben gestern Abend im Bett noch ein bisschen über den Kindergarten gesprochen. Das hat ihm total gefallen und er wollte, dass ich ihn immer weiter Sachen über den Kindergarten frage. Ich hab ihm dann auch erzählt, dass ich als Kind auch Tage hatte, an denen ich nicht gehen wollte und geweint habe und wie ich dann damit umgegangen bin. Ich hoffe, wir finden einen guten Weg und er kann diese Situation nutzen und daran wachsen.