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Wenn es um Familienplanung geht, stehen viele Entscheidungen in der Paarbeziehung an. Besteht ein Kinderwunsch? Wann ist ein guter Zeitpunkt, um ein Kind zu bekommen? Wer übernimmt welche Aufgaben, wenn das Kind da ist? Wie kann die Versorgung des Kindes so gestaltet werden, dass es allen Beteiligten möglichst gut geht? Wie gehen wir damit um, wenn wir uns die Familienplanung unterschiedlich vorstellen?

Diese Fragen sind häufig schwer zu beantworten und für viele Personen eine sehr persönliche Entscheidung. Gleichzeitig bestehen in der Gesellschaft viele Erwartungen, wer wann ein Kind bekommen sollte und wer nicht. Und es geht auch immer um Fragen, wer sich ein Kind leisten kann und wer Zugang zu medizinischer Versorgung und sozialer Unterstützung hat. Es geht bei reproduktiven Fragen (alle Fragen rund um Familienplanung, Verhütung und Schwangerschaft) also auch um soziale Gerechtigkeit. 

Der Druck, ein Kind zu bekommen

Die Gesellschaft übt bei der Familienplanung großen Druck auf Paare und insbesondere Frauen aus. Häufig wird Frauen ohne Kinder unterstellt, sie seien “unvollständig” oder “egoistisch”. Von medizinischer Seite werden ab einem Alter von 35 Begriffe wie “Risikoschwangerschaft” verwendet und ein Gefühl von Dringlichkeit vermittelt, möglichst jung ein Kind zu bekommen. Auch Medien verstärken diesen Druck, in dem sie beispielsweise kaum Frauen ohne Kinder abbilden, die mit ihrer Lebensentscheidung zufrieden sind. Dabei kann es viele Gründe geben, kein Kind bekommen zu wollen: etwa ein ausbleibender Kinderwunsch, ein unsicherer Arbeitsplatz, wenig finanzielle Ressourcen oder die Angst vor den Folgen von Klimawandel und politischen Umwälzungen. Damit sich Frauen (und andere schwangere Personen) gegen Kinder entscheiden können, brauchen sie Informationen zu sexueller Aufklärung, Zugang zu verschiedenen Verhütungsmethoden und die Möglichkeit, legal und sicher einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen zu können. 

Ungleichbehandlungen bei der Familienplanung

Doch auch bei der Entscheidung, ein Kind bekommen zu wollen, gibt es viele gesellschaftliche Vorstellungen und Druck. Noch immer bestehen viele Ungleichbehandlungen, wenn es um Kinderwunschthemen geht. Diese reichen von veralteten Vorstellungen, die sich aus der Zeit der Kolonialisierung weitergetragen haben und bis heute zu rassistischer Diskriminierung bei gynäkologischen Behandlungen führen, bis hin zu eugenischen Ideen aus dem Nationalsozialismus, die sich etwa in Zwangssterilisationen behinderter Personen oder durch weniger finanzielle Unterstützung für queere Paare zeigen. In Deutschland haben daher nicht alle Personen die gleichen Rechte und Zugänge zu Unterstützung, wenn es um Kinderwunschthemen geht.  Hinzu kommt, dass Personen aufgrund ihres Jobs oder sozialen Status oft abgesprochen wird, Kinder erziehen zu können. Gesellschaftlich entsteht so ein Druck, der viele trifft: die einen fühlen sich gedrängt, Kinder bekommen zu müssen während andere sich dieses Recht erst erkämpfen müssen.

Traditionelle Rollenbilder und Entscheidungen über Familienplanung

Auch traditionelle Rollenbilder spielen bei der Familienplanung nach wie vor eine große Rolle und können Grund für Überlastung und Kontrolle sein. Wenn sich (heterosexuelle) Paare dazu entscheiden, ein Kind zu bekommen, wird häufig automatisch die Mutter als hauptverantwortliche Person für das Kind gesehen. Ihr wird die Hauptfürsorge zugeschoben, sie soll sich “aufopferungsvoll” um das Kind kümmern und eigene Bedürfnisse zurückstecken. Zusätzlich gibt es in der Gesellschaft nach wie vor patriarchale Überzeugungen, die Männer als “Oberhaupt” der Familie ansehen und ihnen Entscheidungen über Nachnamen der Kinder, Erziehungsstile oder Wohnorte zuschreiben. Dies kann so weit gehen, dass Männer sogar Entscheidungen über die Körper von Frauen treffen. Darunter fallen Entscheidungen wie die Art der Verhütung, die Anzahl der Kinder oder die Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch. 

Wichtig ist, niemand darf über den Körper einer anderen Person bestimmen, auch nicht bei Verhütung und Schwangerschaft – auch kein Ehemann! Wenn Druck ausgeübt wird, auf eine bestimmte Art zu verhüten oder in eine Schwangerschaft gedrängt wird, ist das Gewalt. Gleiches gilt, wenn wichtige Informationen zurückgehalten, Arzttermine kontrolliert oder verboten werden oder Entscheidungen über die Geburt ohne Absprache getroffen werden. 

Hilfe bei Gewalt 

Oftmals bleibt reproduktive Gewalt in Beziehungen erstmal unbemerkt. Denn traditionelle Rollenbilder und eine damit einhergehende vermeintliche Entscheidungsdominanz sind bis heute allgegenwärtig und werden durch die Gesellschaft sowie Gesetze und Normen mitgetragen und aufrechterhalten. Viele Paare versuchen, Entscheidungen gemeinsam und für alle gerecht zu treffen. Das Thema Familienplanung ist jedoch für viele mit persönlichen Wünschen und Ideen verbunden und durch gesellschaftliche Vorstellungen auch mit viel Druck verknüpft.  Da ist es manchmal einfacher, den vertrauten Weg zu gehen, den auch die Eltern gegangen sind und der den gesellschaftlichen Erwartungen entspricht.  Dass sich Frauen für dieses Familienkonzept entscheiden, ist total in Ordnung. Wichtig ist nur, dass ein Bewusstsein dafür entsteht, dass dies leider Frauen benachteiligt, Abhängigkeiten entstehen können und in manchen Fällen auch (gewaltvoll) über sie entschieden wird.

Wir sind daran gewöhnt, dass Aufgaben in der Paarbeziehung traditionell aufgeteilt werden. Das kann für viele Personen gut funktionieren, solange dadurch kein Ungleichgewicht zwischen beiden Partner*innen entsteht. Wir sind auch daran gewöhnt, dass Männer wichtige Entscheidungen treffen. Es kann hilfreich sein, sich Entscheidungen in der Beziehung auch mal abzunehmen, wenn ein gutes Vertrauensverhältnis besteht. Wenn diese Entscheidungsdominanz aber dazu führt, dass über die Wünsche und den Körper der anderen Person entschieden wird, kann es hilfreich sein, professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. In Deutschland gibt es ein Hilfesystem für Personen, die sich in einer ungerechten Beziehung befinden.

Wenn du von reproduktiver Gewalt betroffen bist, dann wende dich am besten an das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 116 016 – kostenlos, anonym, rund um die Uhr und mehrsprachig. Beratungsstellen unterstützen dabei, die Situation einzuordnen und eigene Bedürfnisse zu erkennen. Die Angebote sind anonym und kostenlos. Jede Person hat das Recht auf Selbstbestimmung in der Beziehung.  Über deinen Körper entscheidest nur du!

 

Brauchst du einen Blick von außen? Dann schau am besten mal in unserem Expertinnen-Forum “Beziehungsprobleme” vorbei. Manchmal können Austausch zu der eigenen Situation, Unterstützung bei der Einordnung oder auch Tipps für Anlaufstellen in deiner Nähe schon viel Erleichterung bringen, hilfreich sein und deinen weiteren Weg klarer erscheinen lassen. 

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