Kleine Engel

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Geschrieben von AnLuDiLeJa am 09.01.2010, 13:42 Uhr

der Versuch auf diese Frage zu antworten

Guten Tag liebe Bengelengelmama,

vorweg, auch ich bin eine Sternchenmama, aber in diesem Forum ergreife ich meistens Partei für die sogenannten "Nichtbetroffenen".

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, sich um das Leben des eigenen Kindes zu sorgen, wie es ist, um ein Kind und die damit verbundenen Hoffnungen, Wünsche, Träume ... zu trauern. Und ich weiß auch, dass dieser Schmerz keinen Trost zulässt. Ich kenne die vielen Phrasen, die es gibt und die ich in manchen Zeiten so sehr hasse! Aber weißt du, ich ertappe mich auch, dass ich diese Phrasen selber nutze, wenn ein Kind gestorben, eine Hoffnung zerstört, ein Traum geplatzt ist.

Ich kenne auch den Schmerz, den man als Nichtdirektbetroffene-nur-dabei-stehen-müssende-trösten-wollende-und-nicht-vermögen-könnende empfindet - diesen Schmerz über das eigene Schicksal in Kombination mit dem Gefühl der Ohnmacht, in der aktuellen Situation nicht wirklich helfen zu können.
Zwei meiner Sternchen haben kein Grab, nur das letzte konnte ich im Garten unter unserem Mandelbäumchen "bestatten". Wenn ich besonders traurig bin, gehe ich zum örtlichen Friedhof und auch durch die Reihen der Kindergräber. Ich lese die Namen, rechne die Lebenszeit aus, hänge meinen Gedanken nach, unterhalte mich mit Leuten, die ich treffe - d.h. manchmal höre ich nur zu ... meistens gehe ich in gewisser Weise getröstet (irgendwie ruhiger) wieder heim. Noch nie ist es mir passiert, dass mir dort jemand vorgeworfen hätte, ich würde mich an den Kindergräbern und den damit verbundenen Schmerz der Eltern, Großeltern, Geschwister ... sensationsaufgeilen.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es nicht unbedingt die sind, die das gleiche Schicksal erfahren haben, die mir am meisten helfen (können) - egal welche Situation. Und ich wünsche und hoffe, dass die, die mir helfen wollen, nicht erst das gleiche Schicksal erfahren müssen, damit ich sie wert und fähig erachte, das zu können.

Ich fürchte, ich bin mit meinen Gedanken, ein bissel vom eigentlichen Thema abgewichen.
Auch in diesem Forum stossen die UserInnen in vielerlei Hinsicht an Grenzen. Wir sehen nur die Buchstaben ... es fehlen Mimik, Gestik, gegenseitiges persönliches Kennen ... sich daraus ein (vernichtendes) Urteil zu bilden, ist aus meiner Sicht unmöglich, anmaßend ...

Warum Leute, die keine kleinen Engel haben hier mitlesen, ist aus meiner Sicht vollkommen uninteressant. Wichtig ist doch eigentlich, dass die Trauerarbeit (auch die um Fehl- und Frühgeburten) und deren Bedeutung und Komplexität wahr genommen wird und nicht weiterhin in hintersten Ecken verheimlicht sein Dasein fristen muss. Auch nicht betroffene können uns bei unserer Trauerarbeit helfen - stossen wir sie nicht vor den Kopf, sondern erkennen wir es an, dass auch Trauerhilfe eine schwere Sache und es nicht immer einfach ist, die richtigen Worte zu finden.

Liebe Grüße, Anne, der trotzdem immer mal die Worte fehlen und die sich für falsche Worte bzw. hilfloses Schweigen in Grund und Boden schämt.

 
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