Chefarzt Dr. med. Jan Matussek

Kraftlose Händer

Antwort von Chefarzt Dr. med. Jan Matussek

Frage:

Gleich vorweg: wir leben im Ausland, die Anzahl von Spezialisten ist hier sehr begrenzt, deswegen wende ich mich an Sie.
Meine Tochter ist bald 13 Jahre alt, wächst noch.
Schon über die letzten Jahre hatte sie immer wieder Probleme mit den beiden Händen, die beideseitig unterschiedlich aber oftmals kraftlos werden, vor allem nach längeren Anstrengungen, wie Schreiben in der Schule oder Federrball. Sie kann dann einfach nichts mehr mit Kraft festhalten bzw. nicht weiterschreiben.

sie ist sonst ein schlankes, gesundes und sportliches Kind mit guter Muskulatur.
Ihre Grob- als auch Feinmotorik ist ausgezeichnet, sie kann detailiert malen und filigran basteln. Ausdauerndes Wandern auf schmalen Pfaden oder ueber Stock und Stein klappt auch prima.

Sie hat nie ein Kribbeln, Einschlafen oder ähnliches in den Händen. Ich sehe an ihr sonst keine anderen motorischen oder neurologischen Einschränkungen.
Es fällt ihr auch ganz selten was aus der Hand.
Armkraft selbst hat sie, aber z. B. eine schwere Pfanne mit Stiel halten oder eine schwere Flasche nur mit den Fingern am Deckel nach unten haltend, bringt sie an die Grenzen.

Sie hat auch je eine 2j und eine 2j ältere Schwester, ich kann also gut vergleichen.

Wenn sie sich bei wieder mal abnehmender Kraft besonders anstrengt, verkrampft der Arm (meist rechts, weil Rechthänderin ) etwas in der Muskulatur. neulich kam auch eine Vene sichtbar heraus.

Falls es sich um abgeklemmte Nerven (beidseitig?) handeln würde, wäre doch sicher eine OP in dem Alter noch nicht angeraten?
Gibt es Physio, die helfen könnte? Ist eine elastische Schiene oder Verband nachts oder tagsüeber sinnvoll?
Ist ein Besuch beim Orthopäden oder eher Neurologen hier angesagt?
Vielen Dank

von RHC040606 am 24.05.2021, 09:28 Uhr

 

Antwort auf:

Kraftlose Händer

Liebe Familie,

Auch hier gilt natürlich mein typisches Problem, dass eine einfache Untersuchung des Kindes diese Fragen viel leichter beantworten würde, als jetzt von dem beschriebenen Text.

Zunächst glaube ich in keiner Weise, dass ihr Kind eine neurologische oder systemische Erkrankung hat.

Konstitutionell allerdings gibt es große Unterschiede, die meist genetischer Ursache sind. Hier müsste man einmal in der Familie Nachforschung betreiben und auch einmal Ihre Eltern fragen, wie sie im Einzelnen als Kind gewesen sind.

Viele heranwachsende, filigrane, weibliche Jugendliche haben Probleme, wie sie sie oben beschreiben.Da tut das Schreiben längerer Aufsätze weh, da ist das Heben schwerer Dinge schwierig … Und man vergleicht die Erwachsenen immer mit den noch ungeübten und vielleicht doch nicht sehr trainierten Armen und Händen von Jugendlichen.

Im Rahmen einer Jugend-Untersuchung kann man sehr schnell neurologische Systemerkrankungen ausschließen.

Möglicherweise ist eher der Trainingszustand ihrer Tochter noch erweiterbar und ausbaufähig. Aber nicht jeder Mensch und vor allem nicht jeder Jugendlicher und gerade nicht eine pubertierende Jugendliche wird sich möglicherweise gerne und rasch sportlichen Ideen anschließen.

Immer wieder begegne ich in meiner Sprechstunde Familien, wo die Eltern sehr besorgt sind über die Motivationslosigkeit und die Opposition ihrer meistens weiblichen Kinder in einer bestimmten Altersgruppe (Pubertät), von denen sie eigentlich mehr Einsatz in allem, sei es im Haushalt oder im Sport oder in der Schule, fordern.

Eine mögliche Form der Opposition gegen elterliche Anforderungen und sportliche Aktivitäten ist bei Jugendlichen die reine Ablehnung oder die Angabe von Schmerzen. Dies ist auch eine Möglichkeit für Jugendliche, den Eltern klarzumachen, dass sie nicht so wollen, wie es die Umwelt will.

Jetzt mag das alles Spekulation sein und möglicherweise gibt es auch andere Gründe für Ihre Tochter, die Probleme so zu beschreiben, wie sie es oben getan haben.
Viele Faktoren spielen eine relevante Rolle, weshalb die möglicherweise doch einmal eine unabhängige Untersuchung vom Orthopäden oder Kinderarzt oder wenn es sogar möglich ist, einen Neurologen, anstreben sollen. Letzterer wäre eigentlich der Facharzt, zudem der Kinderarzt überweist, wenn er einmal einen ersten allgemeinen Störungs-Eindruck hat.

ich bin gespannt.

Herzliche Grüße JM

von Dr. J. Matussek am 30.05.2021

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