Chefarzt Dr. med. Jan Matussek

Kopfverformung

Antwort von Chefarzt Dr. med. Jan Matussek

Frage:

Guten Tag,
unser Sohn ist nun 7 Monate alt und hatte bis zum 5. Monat eine ausgeprägte Lieblingsseite. Wir waren bereits kurz nach der Geburt bei einem Orthopäden, dieser konnte jedoch keine Blockaden feststellen und wir sollten lediglich darauf achten, dass unser Kind auch auf der andere Seite liegt (versuchten wir auch, ist jedoch leichter gesagt als getan). Auch dem Kinderarzt schilderten wir unsere Bedenken mehrmals, doch auch dieser gab uns nur den gleichen Rat. Auf Empfehlung einer Freundin waren wir nun heute beim Osteopathen und dieser vermaß den Kopf - Ergebnis 12mm Achsendifferenz und Empfehlung zu einem Helm. Wir haben nun nächste Woche einen Termin bei einer Fachärztin.
Nun endlich zu meiner Frage: Wie sind Ihre Erfahrungen mit solchen Helmen?
Unser Sohn ist in der Entwicklung sehr gut im Soll (dreht sich, setzt sich hin, beginnt zu krabbeln und sich aufzuziehen), sehr fröhlich und ein super Schläfer (schläft seit 4 Monaten durch) - ich möchte weder ihn noch uns unnötig quälen. Vom Osteopathen kamen aber bereits Beispiele alle Karl Dall und eine sichere Zahnspangenbehandlung (welche mit Helm vermieden werden könne).

von Erdschweinchen am 04.06.2020, 14:35 Uhr

 

Antwort auf:

Kopfverformung

Liebe Familie, liebe Eltern,
Wie ich an anderer Stelle bereits sagte, sind Helmtherapie momentan in bestimmten Bevölkerungsgruppen sehr en Vogue. Ähnlich, wie heute fast jedes kleine Kind eine Zahnspangenbehandlung bekommt, was im Gegensatz dazu vor 30-40 Jahren eher die seltene Ausnahme war.
Eltern achten heute sehr viel mehr auf das äußere ihrer kleinen Kinder, und das ist natürlich niemandem vorzuwerfen. Allerdings sind die asymmetrischen Kopfformen letztlich ein kulturell medizinisches Phänomen der letzten 50 Jahre, in denen die Kinder mehr oder minder konsequent vom Baby Alter ab in die Rückenlage gebracht werden. Und das Schlafen in Rückenlage bei großem Baby Kopf und weichen Knochen führt zu diesen Verformungen, die je nach Lieblingsrichtung der Halswirbelsäule dann zu den asymmetrischen KopfVerformungen führen. Im Allgemeinen liegen diesen Verformungen eigentlich keine eigentlichen Krankheiten der Kopfgelenke
und der Halswirbelsäule zu Grunde.
Das Ausmaß der Deformität des Kopfes ihres Kindes kann ich natürlich in diesem Forum nicht beurteilen: Geringe Kopfasymmetrien des Hinterkopfes werden später durch Haare effektiv verdeckt. Ist allerdings die Kopfverformung auch mit einer erheblichen so genannten Gesichtsasymmetrie verbunden, d.h., sind die Wangenknochen, die Nase und der Mund bereits massiv asymmetrisch verformt, dann ist möglicherweise auch eine Intervention sinnvoll. Ob später tatsächlich immer eine Zahn-Spangenbehandlung folgt, halte ich für fragwürdig und für jetzt überhaupt nicht klar bewiesen. In erster Linie dienen die Helmtherapien im Großen und Ganzen kosmetischen Bedürfnissen. Das sind natürlich keine prinzipiell verwerflichen Anliegen. Ich persönlich bin allerdings gegen diese doch recht quälerischen Helmbehandlungen , die mindestens mehrere Monate bis zu einem dreiviertel Jahr durchgeführt werden müssen.Sie sollten sich vor Ort mit einem Helmspezialisten (Orthopädietechniker) und seinen ErfolgsBilderserien überzeugen lassen. Mit freundlichen Grüßen, Ihr Jan Matussek

von Dr. J. Matussek am 18.06.2020

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