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  Ergotherapeutin Krisin Windisch

Kristin Windisch
Ergotherapie bei Kindern

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Eine "normale" Entwicklungsphase?

Hallo Frau Windisch,

ich schreibe, weil ich ein paar fachliche Worte zu unserer Situation bräuchte, vielleicht "beruhigende"...?

Meine Tochter wird im Oktober 4 Jahre alt...
und ehrlich gesagt, treibt sie mich nahezu in den Wahnsinn.

Wenn wir/sie irgendwo anders ist, verhält sie sich bis auf wenige Ausnahmen normal - aber sobald wir zu Hause sind, "geht es los."

Sie kann plötzlich nichts mehr selbstständig (anziehen z. B. und quietscht fürchterlich)...
sie macht immer genau das Gegenteil, von dem, was sie soll oder hört gar nicht zu.
Eigentlich testet sie dauerhaft Grenzen aus - und ich habe langsam keine Kraft mehr zur Konsequenz, wenn ich ehrlich bin, weil auch das nicht wirklich weiterhilft. Auch möchte ich nicht immer mit der Keule kommen. (Z. B. das Essen beenden, weil es unerträglich ist).
Ich habe mir ein Lobheft überlegt, weil ich nur noch am Meckern war. Dort darf sie Sticker einkleben (liebt sie) und ich schreibe dazu, was ich gelobt habe. Aber das geht auch irgendwie nach hinten los. Sie will irgendwie alles bestimmen. Z.B. jetzt auch auf die Art "bekomme ich einen Sticker wenn ich toll Hände wasche... ein Drama.
Ein normales Bitte wird nicht angenommen.
Im Gegenteil...sie will mich dann oft sogar noch zurechtweisen, ich hätte das nicht gesagt. Jede kleine Alltagshandlung kann im Kampf oder sogar Wutanfall enden. Mir bleibt dann oft nur übrig, sie toben zu lassen.
Und dann spricht sie noch diese Phantasiesprache obwohl sie laut Kinderarzt sprachlich bereits auf Niveau der U9 ist mit jetzt dann 4. Mich nervt das tierisch und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen kann.
Meine Kinderärztin meinte, dass begabte Kinder (so stuft sie meine Tochter ein) oft anstrengender sind. Das hilft mir nur leider auch nicht weiter. Ich wünsche mir einfach nur mal wieder einen entspannten Tag mit meinem Kind. Teilweise "schaltet" sie so ab, dass ich gar nicht zu ihr durchdringe, weil sie vertieft ist im wilden Herumblödeln und gar nicht merkt, dass man etwas von ihr möchte oder häufig eben auch genau weiß, dass sie etwas tun oder lassen (z. B. die 11 Monate alte Schwester malträtieren) soll, es aber einfach nicht will.
Ich bin selbst Pädagogin... aber bei den eigenen Kindern ist man irgendwie Mama-blind...
Ich freue mich auf Ihre Sichtweise soweit man zu meinen Schilderungen was sagen kann.
Vielen Dank


von smarties85 am 29.09.2017

Frage beantworten
 


*Antworten:

Re: Eine "normale" Entwicklungsphase?

Hallo,

also vorab ein Buchtip, denn hier alle Strategien zum Umgang mit schwierigem Verhalten zu beschreiben würde dann doch den Rahmen sprengen: Dr.Harvey Karp – das glücklichste Kleinkind der Welt-Beschreibung von Strategien zum Umgang mit schwierigem Verhalten (Zauberatem,Clown spielen,usw.). Wenn bestimmte Situationen wie zb.Essen oder anziehen oder Zähne putzen mit einem Elternteil festgefahren sind, kann es helfen dass der andere Elternteil dies überimmt. Sie ist ja nun auch in einem Altersbereich, wo die ödipale Phase beginnt,das kann der Mutter gegenüber schon so manche Situation erschweren. Insofern der Vater hier mal einspringen kann. Wenn das Kind in Kita und „Außenwelt“sehr angepasst ist und nur zu Hause schwierig, dann kann das der Ausgleich zum „funktionieren“sein. Und Glückwunsch, denn dann hat das Kind eine sichere Bindung zu den Eltern und traut sich auch dieses Verhalten rauszulassen. Vielleicht hat auch noch die Geschwisterrivalität einen Einfluss auf ihr Verhalten? Zumindest bei der Phantasiesprache (Babysprache imitieren?)und dem nicht-mehr-selbständig anziehen (wie beim Baby angezogen werden)wäre das eine Option, aber auch kann durch negatives Verhalten die Aufmerksamkeit für sich selbst beansprucht werden, wenn diese an anderen Stellen zu kurz kommt durch Geschwister. Hier helfen kleine Momente von ungeteilter Aufmerksamkeit, wo nur die Tochter im Fokus steht. Unbedingt, wie Sie schon erkannt haben, den eigenen Fokus mehr auf die „guten Momente“/was klappt lenken und dies loben,thematisieren, um das erwünschte Verhalten zu stärken. Oft gehen die Momente im Alltag unter, wenn das Kind dann mal funktioniert, weil man schon so viel Energie für die anstrengenden Situationen brauch. Hier eignet sich auch eine Art „Sternchenheft“, in dem notiert wird, was alles gut geklappt hat, oder wo Sie sich als Mutter über ihr Kind gefreut haben. Dies kann am Abend zusammen angeschaut werden. Die Sticker: ich empfehle eher 1-2 schwierige Situationen im Alltag auszuwählen und nicht 24 Std., so ist es fürs Kind übersichtlicher. Besprechen Sie konkret, was Sie in der Situation anders haben wollen (positiv formuliert: nicht „nicht so laut“ sondern „leiser“) und wofür es den Aufkleber gibt.
Bei der Phantasiesprache hilft es vielleicht 5 min.am Tag auszumachen, in der das Kind auch zu Ihnen so sprechen darf (Uhr stellen bis Wecker klingelt), vielleicht machen Sie auch mit und dann den Rest des Tages nicht mehr Ihnen gegenüber. Falls es dann doch gemacht wird ignorieren/nicht darauf eingehen.
Zum „schaltet ab“ beim Herumblödeln/hört nicht zu: gehen Sie auf Augenhöhe Kind, nehmen Sie Blickkontakt auf und ggf.auch Körperkontakt (Hand auf Schulter legen o.ä.) und sprechen Sie dann, dann wird es eher ankommen.
Ich hoffe ich konnte ein paar Anregungen geben, sicherlich machen Sie auch schon einiges davon. Wie gesagt ist das Buch empfehlenswert. Alles Gute.

Antwort von Kristin Windisch am 30.09.2017
 

Re: Eine "normale" Entwicklungsphase?

Vielen Dank, das hilft mir auf die Sprünge :)

Antwort von smarties85 am 02.10.2017
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