Hebamme Martina Höfel

Hebamme

Martina Höfel

   

 

B-Streptokokken

Mein Arzt hat bei mir B-Steptokokken festgestellt.

Mache mir etwas Sorgen, da mein FA gesagt hat, es nützt nichts dies jetzt mit Antibiotika zu behandeln, da die Keime in der Regel in der Schwangerschaft wieder kommen würden. Wichtig wäre diese Information jedoch für die Geburtsklinik, da das Kind evtl. von den Keimen angesteckt werden könnte (früher hätte dies häufig zu Kindstod geführt, wäre jetzt aber gut erforscht).

Ich bin für jede Information dankbar, da ich ebenfalls von der großen Gefahr einer Früh- oder Todgeburt auch zu heutigen Zeiten gehört habe von anderen schwangeren Frauen.

Bärbel (20+2)

von Baerbel am 26.05.2003, 19:10 Uhr

 

Antwort:

B-Streptokokken

Liebe Bärbel,
Streptokokken finden sich auf der Haut, im Darm und - bei fünf bis 20 Prozent der Frauen - auch in der Scheide. Bei intaktem Immunsystem reicht die Abwehrkraft des Körpers aus, um die Erreger erfolgreich zu bekämpfen. Diese Bakterien gelten zwar nicht als "typische" Erreger einer Geschlechtskrankheit, sie können aber beim Sexualkontakt weitergegeben werden.

Bei sexuell aktiven Frauen sind in der Scheide häufig Keime festzustellen, die im Normalfall dort nicht anzutreffen sein sollten. Dazu zählt neben den Streptokokken etwa der typische Darmkeim Escherichia coli, aber auch zahlreiche andere Erreger, die ansonsten vor allem im Darm und auf der Haut zu finden sind. So lange der Selbstreinigungs-Mechanismus der Scheide funktioniert und die Vaginalflora intakt ist, müssen aufgrund dieser Keime keine Probleme entstehen.

Liegen jedoch Störungen des Scheidenmilieus vor, können sich auch Streptokokken ausbreiten und vermehren. Sie verursachen typische Beschwerden wie etwa verstärkten gelblichen Ausfluss und möglicherweise Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Je nach Beteiligung anderer Erreger kann dieser Ausfluss sehr übel riechen. Im Mikroskop findet sich in solchen Fällen oftmals eine Mischflora aus verschiedenen Keimen, die sich gegenseitig in ihrem Wachstum begünstigen können.

Östrogenmangel
falsche Intimhygiene, die zur Zerstörung der Scheidenbiologie führt
Allgemeinerkrankungen wie z. B. Diabetes
Fremdkörper in der Scheide (z. B. bei Kindern: Nüsse, Murmeln, Legosteine etc.)

Erhaltung des natürlichen, sauren Scheidenmilieus
Vermeiden von Scheidenspülungen, Intimsprays oder Intimpflegemittel
Tägliche Reinigung des Scheidenbereichs mit klarem Wasser
Regelmäßiges Wechseln von Unterwäsche und Handtüchern


In der Scheide nachgewiesene Streptokokken müssen nur bei ausgeprägten Symptomen mit Antibiotika behandelt werden. In vielen Fällen hilft es, die körpereigene Abwehr zu stärken und den Selbstreinigungs-Mechanismus der Scheide anzuregen. Auch können lokal desinfizierende Maßnahmen unterstützend wirken.

Streptokokken sind an zahlreichen Infektionen beteiligt. Schon im Altertum wurden mit diesen Bakterien in Verbindung stehende Infektionserkrankungen - z. B. Wundrose, Kindbettfieber und Phlegmone - beobachtet. 1903 wurde damit begonnen, die perlschnurartig aufgereihten Erreger nach ihrem Verhalten auf Kulturplatten zu unterteilen. Je nach Untergruppe zeigen Streptokokken ein unterschiedliches Wachstum auf den Nährmedien. Sie besitzen die Fähigkeit, Blut unterschiedlich zu zersetzen, weshalb ihre Unterteilung zunächst auch nach ihrem Hämolyse-Verhalten erfolgte: Alpha-, Beta- und Gamma-Hämolyse. Unter Hämolyse versteht man die Auflösung roter Blutkörperchen infolge der Zerstörung ihrer Zellmembran.

Weitere wichtige und klinisch relevante Unterteilungen gelangen der Ärztin Rebecca C. Lancefield 1928, indem sie die Wandstrukturen der Bakterien näher untersuchte. Auf Basis von Lancefields Erkenntnissen werden Streptokokken seitdem in die Gruppen A, B, C, D etc. eingeteilt.

Folgende Stämme sind für den Vaginalbereich relevant:

1. ) Betahämolysierende Streptokokken der Gruppe A (Streptococcus pygenes)

Folgende Infektionen werden von diesem Erreger verursacht:

Rachen- und Mandelentzündungen, Scharlach
Erysipel (Rotlauf)
Phlegmone
Lokale Infektionen können bei schlechten Bedingungen zu einer Sepsis führen
Eine Puerperalsepsis (Kindbettfieber) geht von einer Infektion der Gebärmutterschleimhaut nach einer Entbindung aus. Deshalb empfiehlt sich bei Fieber während oder nach der Geburt und entsprechenden Auffälligkeiten eine großzügige Antibiotika-Prophylaxe.
Als Spätfolge einer Streptokokken-Infektion der Gruppe A kann - vor allem bei unzureichend oder nicht behandelten Infektionen des Rachenraumes - das "Rheumatische Fieber" mit einer Herz- und Nierenbeteiligung auftreten.

Kindbettfieber(Puerperalsepsis):

Bei nicht rechtzeitig behandelter Gebärmutterinfektion können sich die Erreger bei ungünstigen Bedingungen über die Blutbahn im gesamten Körper ausbreiten. Beim Versuch, die Infektion in den Griff zu bekommen, setzt der Organismus Abwehrmechanismen in Gang, die unter anderem mit einer Gerinnungsaktivierung einhergehen. Dadurch kommt es im weiteren Verlauf zu einem Verbrauch der Gerinnungsfaktoren, wodurch die Blutgerinnung nicht mehr möglich ist. Die Folge sind Einblutungen, Organversagen, Schock mit Kreislaufversagen und Tod. Diese geburtshilfliche Komplikation ist mittlerweile sehr selten geworden.



2.) Betahämolysierende Streptokokken der Gruppe B (Streptococcus agalacticae)

Von Bedeutung ist diese Gruppe bei folgenden Erkrankungen:

Wundinfektionen
Sepsis
Hirnhautentzündungen
Harnwegsinfektionen
Neugeborenensepsis
Besonders gefürchtet ist die Neugeborenensepsis. Man unterscheidet dabei eine rasche, unmittelbar nach der Geburt auftretende Form (early onset) und eine etwas später auftretende Form (late onset). Die early-onset-Form wird vor allem im Fall des vorzeitigen Blasensprungs bei nachgewiesener Scheidenbesiedelung durch Streptokokken begünstigt. Das Neugeborene zeigt eine lebensbedrohliche Allgemeininfektion, die durch Schock, Hirnhautentzündung und Atemnotsyndrom gekennzeichnet ist. Nur eine früh einsetzende, konsequente Therapie kann die Sterblichkeit senken, die mit 20 bis 50 % angegeben wird. Bei der late-onset-Form spielt auch die Umgebung des Neugeborenen als Infektionsquelle ein Rolle.



Streptokokken der Gruppe B in der Schwangerschaft:

Eine vorgeburtliche Therapie bei Nachweis von B-Streptokokken wird nicht in jedem Fall als sinnvoll erachtet. Nur wenn zusätzliche Risiken, wie vorzeitige Wehen hinzukommen, ist eine Behandlung mit Antibiotika anzuraten.

Bei Nachweis von Streptokokken der Gruppe B wird eine vorbeugende Antibiotikagabe während der Geburt empfohlen, wenn

eine Frühgeburt vorliegt (

von Martina Höfel am 27.05.2003

Antwort:

B-Streptokokken

Hallo!!

Bin jetzt in der 39.SW und bei mir haben sie auch in der 21. SW B-Streptokokken festgestellt. Davor hatte ich eine starke Magen-Darm-Grippe, ist also eigentlich auch nur durch Zufall rausgekommen.

Leider hatte sich bei mir dann in der 32. Woche der Gebärmutterhals stark verkürzt und der Muttermund wurde weich. Ich musste sogar 4 Wochen stationär ins Krankenhaus. Woran es jetzt lag, weiß keiner so genau, könnten aber die Streptokokken gewesen sein, die das ausgelöst haben.

Natürlich war ich total erschüttert und fertig und auch jetzt mache ich mir noch einige Sorgen. Habe mich aber im Krankenhaus, bei meinem FA und bei meiner Hebamme und auch hier in den Foren (schaue mal so bei den Beiträgen ab dem 10. 05. bei Dr. Wirth, Dr. Bluni, Dr. Busse nach, da habe ich hingeschrieben und Antworten bekommen). erkundigt.
Und zwar kann man das wohl recht gut unter der Geburt behandeln. Man bekommt als Frau 2 Gaben Antibiotikum (meist Penicillin) im Abstand von 4 Std. (was bei normalen Geburten ja zeitlich kein Problem ist) und dann ist die Ansteckungsgefahr für das Kind ganz gering. Nach der GEburt wird das Kind dann allerdings auch noch intensiv untersucht, ständige Blutkontrolle, tritt etwas auf, wird es auch mit Antibiotikum behandelt. Bei einem Kaiserschnitt ist die Gefahr der Ansteckung ganz gering, bei einer super schnellen Geburt etwas höher. Aber wenn die im KH Bescheid wissen, brauchst Du Dir keine großen Gedanken machen, die kontrollieren das Baby und es kann erfolgreich behandelt werden. Es stecken sich eh nicht alle Kinder an und schlimm wird es eben nur, wenn schon richtige Symptome auftreten, aber da ja das Blut des Babys ständig untersucht wird, braucht man wohl keine Angst haben.

Ich würde Dir nur raten, Dich ein wenig zu schonen, es auf jeden Fall im Krankenhaus erwähnen, vielleicht sogar eines mit Kinderklinik auswählen (falls das Kind sich anstecken sollte, wird es nicht weggebracht), vorher ein Gespräch in der Klinik zu führen und immer wieder den Frauenarzt löchern.

Wie Du siehst, geht es mir ja mittlerweile ganz gut, das Baby ist wohlauf und ich habe keinerlei Anzeichen für eine Geburt.

Wenn Du magst, melde Dich ruhig mal bei mir, nach der Geburt werde ich Dir dann berichten, wie es gelaufen ist.

Und, mache Dir keine allzugroßen Sorgen, wie gesagt, ich habe mich tierisch verrückt gemacht, aber durch die ganzen Informationen habe ich mich schon beruhigt.

Alles Gute, Julia

von Julia1977 am 26.05.2003

Antwort:

B-Streptokokken

Vielen lieben Dank für Deine ausführliche und lange Antwort. Habe mich sehr darüber gefreut. Gern nehme ich das Angebot an und würde mich gern weiterhin mit Dir austauschen um nähere Inforamtionen zu erhalten.

Wäre toll, wenn Du mir eine kurze E-Mail schickst. Meine Adresse lautet: bfeigling@aol.com

Vielen Dank und Dir einen sonnigen Tag

Bärbel (2+3)

von Bärbel am 27.05.2003

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