Entwicklung von Frühchen

Entwicklung von Frühchen

Mit jedem Tag, den ein Frühchen nicht mehr im Mutterleib verbringen kann, ist es etwas weniger reif für das Leben.

 

Diese Entwicklung holen viele Frühchen bis zu ihrem errechneten Geburtstermin nach - manchmal dauert die Aufholjagd aber auch deutlich länger.

Gute Entwicklungsprognosen für Frühgeborene

Kommt ein Baby vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt, gilt es als Frühchen. Bei der Geburt ist die Reife des Kindes ein Anhaltspunkt für die Entwicklungsprognose: Kinder, die nach der 30. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, haben eine sehr hohe Chance, sich normal zu entwickeln, wenn keine weiteren Komplikationen nach der Geburt auftreten.

Die meisten der sehr früh geborenen Kinder, die zwischen der 26. und 30. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, entwickeln sich normal, nur bei 10 bis 25 Prozent der Kinder treten unterschiedlich schwere, behandlungsbedürftige Entwicklungsstörungen auf. Dabei gilt: Je niedriger das Geburtsgewicht ist und je kürzer die Schwangerschaftsdauer, desto höher ist das Risiko für Entwicklungsstörungen.

In Deutschland gilt das Erreichen der 23. Schwangerschaftswoche als Grenze der Lebensfähigkeit von Frühgeborenen. Der modernen Medizin gelingt es heute in manchen Fällen, bereits sehr kleine Babys am Leben zu erhalten. So konnten auch schon Kindern in der 21. Schwangerschaftswoche das Leben gerettet werden. Dabei sind Frühgeburten gar nicht so selten: Etwa jedes 10. Baby kommt weit vor dem Geburtstermin zur Welt. Die meisten Frühgeburten setzen ab der 32. Woche ein. Bei 40 % aller Frühgeburten ist die Ursache unklar. In manchen Fällen kann eine frühzeitige Einleitung der Geburt aber auch wichtig sein, weil eine Fortsetzung der Schwangerschaft das Kind oder die Mutter gefährden würden.

Die Herausforderung bei der Behandlung von Frühchen besteht darin, dem Kind in einer geschützten Atmosphäre die körperliche und geistige Entwicklung zu ermöglichen, die das Baby im Mutterleib auf natürliche Weise vollziehen würde.

Lungenreifung bei Frühgeborenen

Im letzten Drittel der Schwangerschaft reifen die Lungen des Babys und bereiten sich auf die Atmung vor. Diese wichtige Phase ist bei sehr früh geborenen Babys noch nicht abgeschlossen. Deshalb ist das größte Problem eines unreif geborenen Kindes die Atmung und der damit verbundene drohende Sauerstoffmangel, der gravierende Folgen für das Gehirn haben kann. Viele Frühchen mit unreifer Lunge sind deshalb in den ersten Tagen oder Wochen auf eine Beatmung angewiesen.

Bei der Lungenreifung des Ungeborenen spielt u. a. Cortison eine wichtige Rolle. Deshalb wird bei einer drohenden Frühgeburt der Schwangeren Cortison gespritzt. Die Cortisongabe soll die Lungenreifung des Ungeborenen beschleunigen und Atemproblemen nach der Geburt vorbeugen. Damit das Kind möglichst schnell selbstständig atmen kann, bekommt es auch den Wirkstoff Surfactant. Die Substanz wird normalerweise im Lungengewebe des Ungeborenen selbst produziert, in ausreichender Menge aber erst etwa ab der 34. Schwangerschaftswoche.

Nach der 34. Schwangerschaftswoche ist die Lungenreifung im Mutterleib in den meisten Fällen abgeschlossen und das Baby kann eigenständig atmen. Jedoch kann es auch danach noch bei Frühchen zu Anpassungsproblemen kommen und eine künstliche Beatmung nötig sein.

Stillen von Frühchen

Solange Frühgeborene noch nicht selbst trinken können, werden sie über eine Ernährungssonde, meist einer sogenannten Nasen-Magensonde, ernährt. Bei sehr kleinen Frühgeborenen ist der Darm noch nicht auf das Verdauen von Milch vorbereitet. Daher werden diese Kinder zunächst mit kleinen Mengen an Tee, Wasser und einer Zuckerlösung versorgt. Frühestens ab der 28. Woche können Babys einzelne Tropfen Muttermilch von der Brust ablecken. Das Zusammenspiel aus Saugen, Schlucken und dabei Atmen ist bei den Kindern erste einige Wochen später möglich.

Frühchen sollten, wenn möglich, ebenfalls mit Muttermilch ernährt werden. Das Besondere an Muttermilch: Sie passt sich den Bedürfnissen des Frühgeborenen an. Die Zusammensetzung von Muttermilch bei Frauen, deren Kinder zu früh geboren wurden, ist anders: Sie enthält mehr Antikörper, Fettsäuren und Eiweiß. Außerdem wird Muttermilch von Babys besonders gut vertragen. Sie unterstützt das Immunsystem und die Reifung der Darmschleimhaut sowie die Entwicklung einer gesunden Darmflora. Durch ihre perfekte Zusammensetzung senkt die Gabe von Muttermilch das Erkrankungsrisiko der Frühchen erheblich.

Das Stillen zu üben ist für viele kleine Frühchen anstrengend. Deshalb benötigt man dazu viel Zeit und Geduld. Wichtig dabei ist viel Nähe, Körperkontakt und eine ruhige Atmosphäre. Das "Känguruhen" fördert dies. Dabei wird das Baby der Mutter oder dem Vater für mehrere Stunden auf die nackte Brust gelegt. So kann das Kind Geborgenheit erleben, in dem es die Wärme der Haut spürt, das Herz schlagen hört und den vertrauten Geruch um sich hat. Für das Frühchen ist das eine wichtige Körpererfahrung. Häufiges Känguruhen führt nachweislich dazu, dass die Kinder erholsamer schlafen, stabiler atmen und weniger Anzeichen von Stress zeigen. Beim Känguruhen kann die Mutter auch erste Stillversuche unternehmen. Die Kleinen sind meist noch zu schwach, um richtig an der Brust trinken, jedoch wird das Kind mit der Zeit versuchen zu saugen.

Gewicht der Frühgeborenen

Ausschlaggebend bei Frühchen sind nicht nur die Schwangerschaftswochen und die Reife, sondern auch das Gewicht des Kindes. Das Geburtsgewicht von Frühgeborenen liegt meist unter 2.500 Gramm. Manche der extrem früh oder sehr früh Geborenen wiegen 1.000 bis 1.500 Gramm. Es gibt auch Kinder, die mit einem Geburtsgewicht von nur 500 Gramm überleben.

Viele Babys, die zu Beginn des dritten Schwangerschaftsdrittels zur Welt kommen, machen einen etwas faltigen Eindruck. Der Grund: Die Haut des Kindes wächst schneller, als die darunter liegenden Fettdepots. Ihre Fettpölsterchen legen Babys sich in den letzten Wochen der Schwangerschaft zu. Dieser Babyspeck fehlt Frühchen, sie müssen ihn erst noch aufbauen.

Durch den Mangel an Fettgewebe unter der dünnen Haut, haben Frühchen größere Probleme mit der Wärmeregulierung. Frühchen kühlen sehr schnell aus, deshalb müssen die Babys außerhalb des Mutterleibs in einem Wärmebettchen liegen. In diesem "Inkubator" werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstant gehalten. Im Inkubator wird auch die Atmung des Kindes überwacht und bei Bedarf wird dem Kind Sauerstoff zugeführt.

Gehirnentwicklung von Frühgeborenen

Frühchen, die zwischen der 23. und 30. SSW auf die Welt kommen, haben ein erhöhtes Risiko, bis zum errechneten Geburtstermin und auch darüber hinaus, Hirnblutungen zu erleiden. Mit der Geburt verändert sich die Durchblutung im Gehirn des früh geborenen Kindes - doch das Gehirn des Kindes ist noch gar nicht reif für diese Form der Durchblutung. Die Blutgefäße im Kopf des Frühgeborenen sind noch sehr empfindlich und können reißen, deshalb besteht die Gefahr einer Hirnblutung. Leichte Hirnblutungen können bei Frühchen harmlos verlaufen, schwere Hirnblutungen können jedoch das Gehirn dauerhaft schädigen und z. B. zu motorischen Beeinträchtigungen, sprachlichen Entwicklungsstörungen oder körperlichen und geistigen Behinderungen führen.

Auch ist das Gehirn von Frühchen auf die Flut an Reizen, die außerhalb des Mutterleibs auf das Baby einströmen, noch nicht vorbereitet. Frühchen reagieren deshalb besonders sensibel auf äußere Einflüsse wie Licht, laute Geräusche und starke Gerüche, wie etwa Parfum. Auch die Haut der Babys ist noch sehr dünn und berührungsempfindlich. Um die Babys nicht unnötigen Stress auszusetzen, wird auf der Frühchenstation auf eine ruhige Atmosphäre geachtet.

Frühchen haben einen schweren Start ins Leben und benötigen besonders viel Zuwendung und Unterstützung. Der überwiegende Anteil der Kinder holt die Entwicklungsdefizite in den ersten Lebensjahren auf und entwickelt sich zu gesunden Menschen.

Zuletzt überarbeitet: Dezember 2018

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