Mitglied inaktiv
Hallo Dr. Bluni! Bei meiner Freundin wurde in der Frühschwangerschaft eine Zytomegalie-Erstinfektion festgestellt. Da ich mir auch ständig Gedanken und Sorgen mache deswegen, hier ein Paar Fragen: Die Ultraschalluntersuchungen sind bis jetzt unauffällig. Es soll bald eine Fruchtwasseruntersuchung vorgenommen werden. Kann man sagen, dass wenn der Virus im Fruchtwasser nicht nachgewiesen wird man davon ausgehen kann, dass die Ansteckung der Mutter keine gesundheitlichen Folgen für das Kind haben wird? Oder wie groß etwa ist die Wahrscheinlichkeit, dass doch mit gesundheitlichen Folgen zu rechnen ist? Habe ich das richtig verstanden, dass bei einer Erstinfektion der Mutter in der Früh-SS mit einer Übertragungswahrscheinlichkeit auf das Kind von etwa 50% zu rechnen ist? Grüße Juli_t
Liebe Juli T., richtig ist, dass es sich um eine geführchtete virale Infektion in der Schwangerschaft handelt, die allerdings nur selten bei den Kindern zu Folgen führt. Die transplazentar erworbene kongenitale Zytomegalie ist mit etwa 1 % aller Geburten die häufigste der intrauterinen viralen Infektionen. Die perinatal (unter der Geburt) oder beim Stillen entstandenen neonatalen Infektionen verlaufen in der Regel asymptomatisch und verursachen keine bleibenden Schäden. Nach einer Erstinfektion der Schwangeren muss in etwa 40 % und nach wiederholter Infektion in unter 5 % mit einer transplazentaren (über die Plazenta) Infektion des Fetus gerechnet werden. Die infizierten Kinder zeigen in 10 % bei der Geburt Symptome wie niedriges Geburtsgewicht, Hepatosplenomegalie (vergrößerte Leber und Milz), Petechien(Hautblutungen), Thrombozytopenie (erniedrigte Blutplättchenzahl), Ikterus (Gelbsucht) und Mikrozephalie (einen zu kleinen Kopf). Diese primär symptomatischen Kinder haben eine Sterblichkeit um 30 % und entwickeln in über 90 % Spätfolgen wie Hörverlust, Mikrozephalie und eine geistige und körperliche Retardierung. Infizierte Kinder, die nach der Geburt unauffällig sind, zeigen in etwa 10 % der Fälle Spätfolgen. Die seltenen fetalen Infektionen nach erneuter Erkrankung der Schwangeren führen nach der Geburt zu keinen Komplikationen, sind aber in etwa 5 % mit Spätfolgen wie einem Hörverlust verbunden. In spezialisierten Zentren kann heute durch den Virusnachweis im Fruchtwasser und den Virus- und IgM-Antikörpernachweis im fetalen Blut unter Einbeziehung der Sonographie versucht werden, eine fetale Infektion festzustellen. Deshalb sollte die weitere Diagnostik in solchen Fällen immer in Zusammenarbeit mit einem solchen Zentrum erfolgen. Therapeutische Möglichkeiten bei einer Zytomegalieinfektion: nicht alle Behandlungsmöglichkeiten von CMV-Infektionen sind in der Schwangerschaft einsetzbar, da eine schädigende Wirkung auf das Ungeborene nicht auszuschließen ist. Die Lösung ist eine passive Immunisierung mit Immunglobulin. CMV-Immunglobulin kann während der Schwangerschaft verabreicht werden, ohne dass eine Gefährdung des Kindes besteht. Auch, wenn dieses Immunglobulin bisher nur bei transplantierten Patienten eingesetzt wurde und die europäische Aufsichtsbehörde EMEA hier gerade größere Studien zu Verträglichkeit in der Schwangerschaft testet, ist es auf Grund von Erkenntnissen, die in internationalen Fachjournalen veröffentlicht wurden, möglich, dass Schwangere, die sich nachweislich mit CMV infiziert haben, von der Immunglobulingabe profitieren. Die Behandlung zeigt, so neuere Studien und Fallberichte, sehr gute Erfolge. VB
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