Frage im Expertenforum Schwangerschaftsberatung an Dr. med. Vincenzo Bluni:

Thrombophilie...

Frage: Thrombophilie...

juchuu

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Guten Tag, in meiner 1. Schwangerschaft hatte ich in den letzten Wochen ein übergroßes Hämatom in der Plazenta, das wohl auf eine bis dahin unentdeckte Thrombophilie zurückzuführen war. Nun bin ich erneut schwanger. Leider bin ich zur Zeit im Ausland und nicht mehr bei meiner alten Frauenärztin. Mein Arzt hier hat nach dem Hinweis auf die Thrombophilie mir 5x wöchentlich die Aspirin 100mg verschrieben, ohne weitere Blutuntersuchung o.ä. Ich bin aber nun sehr verunsichert, ob das als Prävention reicht, insb. da ich jetzt schon (anfang 12.SSW) viele Besenreiser bekommen habe. Meine Frage ist nun: Kann ich mein Blut aktuell sinnvoll untersuchen lassen, auch wenn ich die Aspirin einnehme? Wird durch die Einnahme das Ergebnis verfälscht bzw. schwer interpretierbar? Oder sollte ich einige Tage auf die Einnahme verzichten, um "saubere" Ergebnisse zu erhalten? Wie lange sollte ich dann warten? Kann ich sonst noch etwas tun, um eine gute und ernstzunehmende Diagnose und darauf hoffentlich eine sinnvolle Therapie zu bekommen? Vielen Dank für Ihre Einschätzung!


Dr. med. Vincenzo Bluni

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Frauen mit einer Thrombophilie (erhöhte Gerinnungsneigung; Zustand nach Thrombose oder Embolie) haben ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, die Entwicklung einer Plazentainsuffizienz oder Schwangerschaftskomplikationen wie Praeeklampsie („Gestose“) und HELLP-Syndrom. Dieses kann sich in folgenden Schwangerschaften auch wiederholen. Bei Nachweis einer erblichen Gerinnungsstörung sollten gerinnungsphysiologische Untersuchungen erfolgen. Dabei kann dann mit einer Gerinnungsambulanz entschieden werden, ob die betroffene Schwangere schon von Beginn der Schwangerschaft an neben Kompressionsstrümpfen auch ein Mittel zur Blutverdünnung, wie zum Beispiel ein niedermolekulares Heparin, benötigt. In der Schwangerschaft werden vor allem niedermolekulare Heparine verwendet. ASS ist nur in besonderen Ausnahmesituationen zusätzlich in Ergänzung vorgesehen. Solche Maßnahmen reduzieren das durch die Gerinnungsstörung oder die Situation nach einer durchgemachten Thrombose erhöhte Risiko für eine Thrombose oder Embolie. Die Verordnung kann manchmal schon während der kompletten Schwangerschaft und des Wochenbettes oder nur während der Zeit des Wochenbettes notwendig werden. Eine Schwangerschaft ist bekanntermaßen ein Zustand, der auch ohne eine solche Vorgeschichte dazu führt, dass Thrombosen & Embolien häufiger vorkommen können. Sofern die genaue Ursache der Thrombose noch nicht geklärt ist, ist die Abklärung sehr sinnvoll und hilfreich. Mögliche Nebenwirkungen unter einer solchen Therapie treten selten auf, sollten aber bedacht werden: es kann zum Abfall der Blutplättchen kommen oder Blutungen hinter dem Mutterkuchen, beim Kind sind keine negativen Folgen zu erwarten. Bitte sprechen Sie sich aus diesem Grund zum weiteren Vorgehen mit Ihren behandelnden Ärzten ab. Vor einer entsprechenden Diagnostik wird es sinnvoll sein, dass das ASS zumindest über 10 Tage abgesetzt wird. VB


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