Frage im Expertenforum Schwangerschaftsberatung an Dr. med. Vincenzo Bluni:

Thrombophilie

Frage: Thrombophilie

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Hallo Dr. Bluni, nach meinen zwei Fehlgeburten hat mein Frauenarzt einfach mal einen "Schuß ins Blaue" gewagt und mich auf Thrombophilie getestet. Leider (oder vielleicht auch "Gott sei Dank" - da die Ungewissheit jetzt endlich ein Ende hat) bestätigte sich der Verdacht. Es wurde eine "Thrombophilie bei Faktor II Mutation" diagnostiziert. Jetzt meine Frage: Da mein Freund und ich gerne ein Baby haben möchten, führe ich einen Eisprungkalender. Jeden Monat "warten" wir also auf die evtl. ausbleibende Regelblutung. Ich rauche und mir ist klar, dass ich nach dieser Diagnose das Rauchen aufgeben muss. Allerdings habe ich nun mal bis zum Zeitpunkt der Diagnose - ich weiß es jetzt seit ein paar Tagen - geraucht und es kann ja jetzt sein, dass ich wieder schwanger bin. Meine nächste Regelblutung erwarte ich nächste Woche. Macht das sehr viel aus??? Mein FA hat gesagt, dass ich ab einer bestimmten Schwangerschaftswoche "niedermolekulares Heparin" spritzen muss. Ich möchte jetzt eigentlich nur wissen, ob es ausreicht, wenn ich dann das Heparin spritze, oder ob ich mir im Vorfeld durch das Rauchen schon in soweit geschadet habe, dass das durch das Heparin nicht mehr zu beheben wäre. Bin echt ein bissel am Ende. Klar, ich weiß, dass rauchen schädlich ist, aber andere Frauen werden auch schwanger und rauchen. Bis zu der Diagnose sah ich keinen Anlass aufzuhören, zumal es mir bei meinen beiden vorherigen Schwangerschaften überhaupt nicht schwer fiel sofort aufzuhören. Ich bedanke mich schon mal herzlich für Ihre Mühe. Viele Grüße Melanie


Dr. med. Vincenzo Bluni

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liebe Melanie, sicher werden Sie von mir hier keinen Freihfahrtschein für das Rauchen erhalten, denn dieses ist hier nicht nur wegen der Gerinnungsstörung besonders kritisch, sonder schon allein auf Grund der Tatsache, dass eine Schwangerschaft angestrebt wird oder dass vielleicht eine vorliegt: das Anliegen, das Rauchen entweder ganz aufzugeben oder zumindest auf ein Minimum zu reduzieren, ist sehr ehrenhaft und aus medizinischer Sicht kann man sich über jede Schwangere freuen, die es schafft, die Schwangerschaft ohne Zigaretten zu überstehen. Dennoch sind wir uns bewusst, dass dieses erstens nicht immer so klappt und dass man in einigen Fällen schon froh sein muss, die Frau dazu gebracht zu haben, die Menge der Zigaretten deutlich zu reduzieren. Das Rauchen sollte in jedem Fall und zwar sofort während der Schwangerschaft unterbleiben. Es sind hier auch keine Entzugssymptome zu erwarten. Das Umsteigen auf "leichte Zigaretten" ist nichts anderes, als ein Werbetrick: denn die enthalten die gleiche Menge an krebserregenden Substanzen und richten nicht weniger Schaden an, als die anderen! Das Rauchen führt zwar nicht zu irgendwelchen Fehl- oder Missbildungen, dennoch sind die meist nicht so sichtbaren Folgen für die Kinder nicht zu vernachlässigen oder zu verharmlosen: Die folgenden Probleme können bei Kindern auftreten, deren Mütter in der Schwangerschaft rauchen: Konzentrationsschwäche und Hyperaktivität. Die Gefahr, dass Kinder aggressives Verhalten entwickeln, ist dann dreifach erhöht, wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft geraucht haben. Die Kinder entwickeln viermal so häufig das Zappelphilipp-Syndrom wie die von nichtrauchenden Frauen. Untersuchungen belegen auch, dass Kinder rauchender Mütter bis zu viermal häufiger Verhaltensauffälligkeiten, wie Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität zeigen. Hinzukommt, dass die Kinder einen niedrigeren Intelligenzquotienten haben. Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft rauchen, haben ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko, im Jugendalter an Asthma zu erkranken Werdende Mütter, die rauchen, setzen außer der Gesundheit auch die Intelligenz ihres Nachwuchses aufs Spiel, Frauen, die während der Schwangerschaft mehr als eine Schachtel Zigaretten täglich rauchen, erhöhen das Risiko, dass ihr Baby später an "Plötzlichem Kindstod" stirbt, um mindestens das Siebenfache. Säuglinge von Nichtraucherinnen wiegen bei der Geburt durchschnittlich 3.493 Gramm. Kinder von Frauen, die täglich mehr als 20 Zigaretten rauchen wiegen nur 3.216 Gramm. Die Frühgeburtlichkeit mit allen Folgen ist bei Raucherinnen bekanntermaßen viel häufiger anzutreffen. Insgesamt drei krebserregende Substanzen Karzinogene, die im Tabakrauch enthalten sind, haben die Wissenschaftler auch im Blut ungeborener Kinder nachgewiesen. Etwaige Folgen - z.B. für Krebserkrankungen im Kindesalter - sind bisher noch nicht abzusehen. Neuere Studien zeigen aber bei Kindern von Raucherinnen eine gehäufte Rate an Leukämie im Kindesalter. Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft geraucht haben, zeigen häufiger Konzentrationsschwächen und Sprachstörungen. Wenn eine Schwangerschaft vorliegt, sprechen Sie mit Ihrem Arzt, der dann sicher die von ihnen angesprochene Maßnahme beinhalten wird. Das Aussetzen des Rauchens ist spätestens dann selbstverständlich. VB


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