Mitglied inaktiv
Hallo Dr. Bluni, ich kämpfe zur Zeit mit extremen Stimmungsschwankungen (17.SSW). Meine Toleranzgrenze ist sehr niedrig und vorallem mein dreijähriger Sohn leidet darunter. Ich reagiere meist übertrieben und manchmal fast aggressiv. Ich habe ihm gegenüber oft ein schlechtes Gewissen, weshalb ich mir viele Vorwürfe mache. Dadurch steigere ich mich immer weiter rein. Ich breche wegen jeder Kleinigkeit in Tränen aus und kann mich nur schwer wieder beruhigen. Ich habe das Gefühl, dass mir alles über den Kopf wächst. Teilweise zweifle sogar die SS an, auf welche wir lange gewartet haben(schwanger nach Fehlgeburt und Hormonbehandlung) und auch sehr freuen. Ich weiss wirklich nicht mehr weiter. Bis zu welchem Punkt gehört das zu den "normalen" SS-Beschwerden, bzw. ab wann muß etwas getan werden (und WAS kann getan werden?). Für die Beantwortung vielen Dank vorab. Kerstin PS Ich habe mit Hormonschwankungen schon immer Probleme gehabt, nur nie so extrem und auch nicht so lange andauernd.
liebe Kerstin, auch, wenn man(n) es kaum glauben mag, die Facetten der Veränderungen der Frau in der Schwangerschaft und im Wochenbett, können sehr vielgestaltig sein und sogar soweit reichen, dass man überzeugt ist, dass es ein grundsätzliches Problem vorliegt, was es aber meist nicht ist. Ganz wichtig ist der offene Austausch über die Gefühle, das Gespräch mit dem Frauenarzt oder Frauenärztin, aber auch die Bereitschaft des Partners, sich dessen anzunehmen. Diese emotionalen Veränderung führen in manchen Fällen eben auch zu einer gesteigerten Nervosität, einer geringeren Frustrationstoleranz und möglichen Überreaktionen Kindern oder dem Partner gegenüber. Mit der Muterrolle geht nun doch eine erhebliche Veränderung einher, die auch den Umgang mit solchen alltäglichen Stresssituationen nicht selten - zumindest temporär - verändert. Hier bedarf es manchmal einer recht langen Zeit bis die Frau sich in dieser neuen Rolle mit einer ganz anderen Beanspruchung, einem ganz anderen Tagesablauf, anderen Anforderungen in nicht unerheblichem Maße zurechtfindet und merkt, dass man hier auch entsprechend reagieren sollte. Erfahrungsgemäß legt sich dieses Problem nach der Entbindung oder auch nach dem Wochenbett. Der Tipp wäre, sich dessen erst mal bewusst zu werden, darüber zu sprechen und dann den Tagesablauf vielleicht umzugestalten, zu versuchen, in bestimmten Situationen anders zu reagieren. Dazu bedarf es manchmal eines richtigen Kampfes mit sich selbst. Autogenes Training kann dabei helfen, solche Situationen besser zu meistern. VB