Mitglied inaktiv
Hallo an alle und Dr. Bluni ich bin jetzt zum 2. Mal schwanger und denke seit längerem über die Stammzelleneinlagerung aus dem Nabelschnurblut nach. Ich bin ziemlich enttäuscht darüber, das dies so verdammt teuer ist. Ich sehe das momentan so, das nur reiche Eltern ihre Kinder später einmal retten können und die ärmeren, die es ja dann meistens erwischt ( wie der Zufall es will ) müssen hoffen, eine andere Möglichkeit zu finden, um das Kind zu retten. Meine Frage: Hat das von euch irgendjemand machen lassen? Was habt ihr für die Einlagerung bezahlt? Und an Dr. Bluni: Warum ist das Einlagern so teuer? Zahlt die Kasse was dazu, wenn man finanziell nicht in der Lage ist, den gesamten Preis alleine zu bezahlen? Vielen Dank! LG Sabine
liebe Sabine, zunächst zum 2. Teil der Frage: dieses ist keine Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung und demzufolge komplett privat zu tragen. Nun zu der Hauptfrage. Wir finden nicht nur in den Fachjournalen, sondern auch in zunehmendem Maße in den für Laien vorgesehenen Medien eine Berichterstattung über die Verwendung von Nabelschnurblut und Stammzellen. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass es bis heute von offizieller Seite (von Ausnahmen mal abgesehen) keine Empfehlung zu einer solchen Maßnahme gibt. Dieses aus folgenden Gründen: 1.zur Zeit gibt es keine Anwendungsmöglichkeiten für diese Nabelschnurzellen (sehr seltene Ausnahmen mal außen vor) 2.für die Zukunft ist noch völlig unklar, ob sich dieser Zustand verändert und inwieweit man Stammzellen dazu bewegen kann , sich in Zellpopulationen zu entwickeln, die man braucht (z.B. bei Parkinson oder andere Erkrankungen) 3.im Hinblick auf die Leukämie des Kindesalters - woran hier erst mal sehr viele Eltern denken, wenn sie diese "Vorsorge für ihr Kind" in Erwägung ziehen, erscheint es nicht ratsam, eigene Blutzellen zu verwenden, da man hier mit Fremdspenderzellen bessere Ergebnisse erzielt. Es ist sicher zu überlegen, dass man vor der Entscheidung – nicht zuletzt wegen der Kosten – dieses eingehend kritisch prüft und sich vorher an kompetenter und unabhängiger (nicht Interessen gebundener) Stelle informiert. Wenn man ca. 100 ml Blut aus der Nabelschnur gewinnt, dann bleiben ca. 5 ml übrig, die fetale Zellen enthalten, die in Zukunft Kindern mit schweren Erkrankungen im Blutsystem, wie z.B. Leukämie das Leben retten soll. Das Nabelschnurblut enthält zweieinhalb Mal so viele Stammzellen wie eine vergleichbare Menge Knochenmarkflüssigkeit. Meines Wissens, wird dieses aber noch nicht routinemäßig angeboten. Eine kompetente und vor allem von kommerziellen Interessen unabhängige Einrichtung ist die Ambulanz für Blutstammzellentransplantation an der Universität Düsseldorf. Dort gibt es auch eine Nabelschnurblutdatenbank. Hier kann interessierten Paaren sicher weitergeholfen werden. Die Telefonnummer ist: 0211-81-17734/-16734 Fax: 0211-81-18522 Die Internetadresse ist: http://www.med.uni-duesseldorf.de/Haematologie/default.asp Wir wissen, dass es hierzu auch anders lautende Auffassungen gibt, die mit zum Teil erheblichem Marketingaufwand zukünftige Eltern zur Aufbewahrung von Nabelschnurblut animieren. VB