Frage im Expertenforum Schwangerschaftsberatung an Dr. med. Vincenzo Bluni:

Schwanger in den USA - viele Fragen!

Frage: Schwanger in den USA - viele Fragen!

Mitglied inaktiv

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Lieber Doc Bluni, ich weiss seit Freitag, dass ich mit meinem 3. Kind schwanger bin. Allerdings ist es meine erste Schwangerschaft in den USA, und es dauert noch ueber 2 Wochen, bis ich zum ersten Mal zur Nurse kann, keine Ahnung, wann ich einen Arzt zu Gesicht bekomme. Daher hoffe ich, dass Sie mir ein paar Fragen beantworten koennen.... Im Vergleich zu meinen anderen beiden Schwangerschaften geht es mir in dieser bisher sehr gut. Die SS war nicht geplant, so dass ich recht unvorbereitet bin. 1. Ich treibe recht viel Sport, 40 min abends auf dem Laufband (2 Meilen bergauf laufen, 1 Meile joggen), ca. 100 Sit-ups. Kann ich das weiter machen? Aufgrund der beiden vorherigen Geburten, die jeweils KS waren, wird diese wohl leider auch wieder ein KS werden. 2.Hier in den USA gibt es kein Paracetamol. Ich bin aber Migraenepatientin. Was kann ich nehmen? Ibuprufen (Motrin) oder Acetaminophen (Tylenol)? 3. 2x pro Woche muss ich ein recht starkes Abfuehrmittel nehmen, da mein Darm nicht selbst arbeitet (Eigenbewegung fehlt komplett, habe auch Haemmorrhoiden im Darm), kann ich das weiter nehmem und wenn nicht, was kann ich statt dessen machen? Wenn ich kein Abfuehrmittel nehme, kann es bis zu 5 Wochen dauern, bis ich 1x auf natuerlichem Weg Stuhlgang habe. Abfuehrmittel nehme ich auf aerztlichen Rat hin seit 2 Jahren. Lieben Dank und einen schoenen sonnigen Gruss aus den USA, Carry


Dr. med. Vincenzo Bluni

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liebe Carry, 1. allgemein gilt Sport unter Berücksichtigung gewisser Einschränkungen für werdende Mütter als durchaus empfehlenswert. Nicht nur im Zusammenhang mit der Bewältigung des Geburtsschmerzes hat sich physische Aktivität sowohl in präventiver als auch in therapeutischer Hinsicht als sinnvoll und positiv bewährt. Neben der deutlich verringerten Häufigkeit an typischen, schwangerschaftsbedingten Unterbauchbeschwerden zeigt sich eine schmerzunterdrückende Wirkung bei Wehen und es gibt eine positive Wirkung auf den späteren Geburtsverlauf-und fortschritt. Welche Sportart für welche Schwangere ist zu empfehlen? Die Beantwortung dieser Frage orientiert sich neben medizinischen und allgemeingültigen Kriterien am subjektiven Wohlbefinden der Schwangeren. Grundsätzlich sollte die Schwangere nicht an ihre persönliche Leistungsgrenze gehen ("suboptimale Leistungsgrenze" Prof. Dr. Jung, Sportmediziner)und sollte immer wieder kurze Pausen einlegen. Die Herzfrequenz sollte nicht über 140/Minute steigen. Dieses dient dazu, die Sauerstoffbilanz nicht zu ungunsten des Kindes zu verschlechtern, die Körperkerntemperatur nicht übermäßig zu erhöhen und nicht in eine Unterzuckerung des mütterlichen Organismus zu gelangen. Vor und nach der sportlichen Belastung sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, um eine Austrocknung zu verhindern. Zur Frage, welche Sportarten allgemein zu empfehlen sind kann man sagen, dass insbesondere körpergewichtsentlastende Sportarten wie das Schwimmen und das Radfahren eher zu empfehlen sind als Sportarten, bei denen das Körpergewicht selbst getragen werden muss (Laufen, Aerobics).Bei letzteren ist der Energieverbrauch und die Gelenkbelastung höher. Darüber hinaus sind aerobe (positiv für die Sauerstoffbilanz der Mutter) Sportarten, bei denen große Muskelgruppen beansprucht werden, und die rhythmischer Natur sind, vorzuziehen. Das Schwimmen stellt nach dem Spazierengehen und dem Radfahren die am meisten zu empfehlende Sportart während der Schwangerschaft dar, da sie alle großen Muskelgruppen beansprucht, die Gelenke und Bänder schont, ein günstiges thermisches Medium bereitstellt und ein geringes Verletzungsrisiko birgt. Wie ist es mit Krafttraining? Untersuchungen der I. Münchener Universitätsfrauenklinik (LMU) zufolge wurden für ein leichtes bis moderates Krafttraining mit freien Gewichten oder an Geräten keine negativen Effekte beschrieben. Deren Untersuchungen konnten hier im Gegenteil belegen, dass Krafttraining in Verbindung mit Stretching zu einer Verbesserung der Kraft und Beweglichkeit führen, was der schwangeren Frau den Umgang mit dem erhöhten Körpergewicht und dem veränderten Schwerpunkt erleichtert. Außerdem beugt die Stärkung der Rückenmuskulatur Rückenschmerzen vor. Schwere Gewichte oder maximale isometrische Kraftanstrengungen sollten allerdings gemieden werden und Anfängerinnen sollten bezüglich der Atemtechnik angeleitet werden, um Atemanhalten zu vermeiden. Bei unauffällig verlaufender Schwangerschaft ohne Frühgeburtsrisiko gilt für Bauche-Beine-Po, dass die Bauchübungen sukzessive reduziert werden sollten, um sie spätestens - je nach Wohlbefinden - nach dem 7. Monat ganz wegzulassen. Welche Sportart ist für die schwangere Frau nicht zu empfehlen? Kampf- oder Kontaktsportarten mit hoher Wahrscheinlichkeit von Körperkontakten, so z. B. Hockey oder Basketball. Abgeraten wird auch von Sportarten mit erhöhtem Sturzrisiko (Reiten, Mountainbiking) und auch von Abenteuersportarten wie Bungeejumping, Drachenfliegen und Fallschirmspringen. Auch Gerätetauchen ist in der Schwangerschaft tabu. Schnorcheln gelten dagegen als relativ ungefährlich. 2.wenn überhaupt ein SChmerzmittel eingenommen werden muss, liegen zu Paracetamol die meisten ERkenntnisse vor. Unter strenger Indikationsstellung wäre in Rücksprache mit Frauenärztin/Frauenarzt auch Acetylsalicylsäure erlaubt (nicht in der kompletten Schwangerschaft !). Für Ibuprofen gilt das Gleiche. Sicher sollte es nicht gegen Ende der Schwangerschaft angewandt werden. Zu Tylenol (Acetaminophen) sind die Berichte nicht ganz einheitlich. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich doch bitte an unseren Experten für Medikamente in der Schwangerschaft, Herrn Dr. Paulus. Er hat übrigens hier bei rund-ums baby.de auch ein Forum zu solchen Fragen. Die Adresse ist http://www.rund-ums-baby.de/med_schwangerschaft/ 3. bei Verstopfung ist es wichtig und sinnvoll, sich überwiegend ballaststoffreich z.B. mit Leinsamen zu ernähren, ausreichend zu trinken 2-3 Liter am Tag und wenn die Weizenkleie oder Milchzucker nicht hilft, dann ist noch das Magnesium zu nennen, das in hoher Dosierung den Stuhl verdünnt und den Stuhlgang fördert. Wenn es gar nicht geht und zu starke Beschwerden macht, ist auch mal ein Mikroklistier erlaubt, das nach 5-20 Minuten den Darm zuverlässig und schonend entleert. Da diese Maßnahme aber auch mal unerwartet zu Wehen führen kann, sollte sie nur in Absprache mit dem Frauenarzt oder Frauenärztin vor Ort eingeleitet werden. Abführmittel sollten möglichst nicht angewandt werden. VB


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