Mitglied inaktiv
S.g. Herr Dr. Bluni, ich bin doch etwas verunsichert worden durch meinen FA. Fakt ist, ich bin 39 werde im Dez. 40, mein Mann ist 51. Ich bin in der 7+3 schwanger. Herztöne sind da, Fötus normal entwickelt. Ich muss dazu noch sagen, dass wir über 1 Jahr versucht haben ein Baby zu bekommen und es ist unsere erstes und wird unser letztes sein. Letztendlich hat uns eine Kiwu-Klinik dazu verholfen. Ich bin durch Insemination schwanger geworden, und das beim ersten Mal. (weil die künstliche Stimulation, geplant war IVF, bei mir nicht gefruchtet hatte, nur ein Ei rechts) Nun hat mir mein FA fast "befohlen" eine Zottenbiopsie machen zu lassen. Die Nackenfaltenmessung+Blutwerte findet er nicht aussagekräftig. Mein Mann und ich wollen kein behindertes Kind. Wir sind uns einig. So hart es auch klingen mag, aber ich will meinem Kind das nicht zumuten und auch uns nicht. Meine Ängste sind enorm, da nicht mal die Nackenfaltenmessung abgewartet wird....sondern gleich das ganze "Programm" ausführlich besprochen wurde und (ich heulte nur mehr) mir alles genau berichtet wurde, über Fehlgeburtrisiko bei der Biospie bei 1:270 usw. Ich weiss, das ja nur eine Biopsie oder FU mir wirklich Klarheit verschafft, ob unser Baby gesund ist oder nicht, aber darf man als "alte Mutter" nicht etwas mehr Einfühlungsvermögen erwarten? Ich gehe nicht blauäugig in die ganzen Untersuchungen, aber kann man den nicht mal die ersten Untersuchungen abwarten, wie diese Werte sind. Ich habe einige Freundinnen in meinem Alter, wo diese Untersuchungen ausgereicht haben und keine Biospie oder FU von deren FA´s vorgeschlagen wurde. Bin sehr verunsichert, den ich möchte mein Baby nicht verlieren, noch etwas falsch machen. Können Sie mich verstehen? Ich kann nicht schlafen, noch traue ich mich eine Beziehung mit meinem Bauchbewohner aufzubauen. Wie soll ich mich verhalten? bin für jede Anregung dankbar. vielen Dank Veronika
liebe Veronika, Pränataldiagnostik ist sicher immer mehr auch ein sehr sensibles Thema, bei dem die objektive Information und Aufklärung durch Frauenärztin/Frauenarzt im Vordergrund stehen sollte, wenn die schwangere Frau dieses anspricht oder sich aus der Vorgeschichte die Notwendigkeit ergibt, darüber zumindest zu sprechen. Sofern kein besonderes familiäres Risiko für genetische Störungen oder Missbildungen vorliegt, die Frau nicht 35 Jahre oder älter ist und sie auch nicht schon vorweg ein entsprechendes Bedürfnis nach Informationen zur vorgeburtlichen Missbildungsdiagnostik äußert, würde sicher nicht generell zu einer weiterführenden Diagnostik geraten werden. Dem behandelnden Arzt obliegt hier eher die Aufgabe, objektiv zu informieren; weniger, zu einer bestimmten Entscheidung oder einem bestimmten Verfahren zu drängen. Die Besprechung zu diesem Thema kann natürlich auch schon zu jedem Zeitpunkt vor diesem Alter stattfinden. Ist die schwangere Frau 35 Jahre oder älter und/oder gibt es ein familiäres Risiko für genetische Erkrankungen oder Missbildungen, sollte man mit ihr bei Kinderwunsch oder zu Beginn einer Schwangerschaft schon über die damit verbundenen Risiken für Mutter und Kind sprechen und dazu gehört eben auch das Thema Pränataldiagnostik inklusive der Möglichkeit einer genetischen Beratung in einer unabhängigen Einrichtung. Dazu gehört dann auch die individuelle Information über mögliche Konsequenzen, Grenzen der Verfahren und Risiken, so dass die Eltern den Sachverhalt gut nachvollziehen können, um ihnen die Möglichkeit zu geben, dann eine eigene Entscheidung für oder gegen eine weiterführende Diagnostik zu treffen. Es steht meines Erachtens also zunächst die ausführliche Information der jeweiligen Methoden im Vordergrund stehend. Die Entscheidung selbst kann und sollte aber nur das betroffene Elternpaar selbst fällen. Bitte nicht vergessen: 1.der sichere Ausschluss von Chromosomenstörungen ist nur durch eine Chorionzottenbiopsie oder Fruchtwasserpunktion möglich. 2.mit der Amniozentese oder der Chorionzottenbiopsie können nicht alle genetischen Störungen, Stoffwechsel-, Muskel- oder Erbkrankheiten erkannt werden. Sofern das genetische Ergebnis der Amniozentese/Chorionzottenbiopsie unauffällig ist, werden damit Erkrankungen und Fehlbildungen des Ungeborenen nicht ausgeschlossen. Dazu können u.a. Herzfehler, Spaltbildungen im Gesicht, Fehlbildungen, wie z.B. Extremitätenfehlbildungen und auch geistige Behinderungen oder Stoffwechselkrankheiten gehören. Denn solche Fehlbildungen und Erkrankungen sind nicht zwangsläufig mit einer erkennbaren Abweichung im Chromosomensatz verbunden. Eine Garantie für ein Kind ohne eine genetische Erkrankung kann keine Methode der Pränataldiagnostik geben. Pränatale Diagnostik wird eben zur Identifizierung diagnostizierbarer Probleme unter klarer Indikation angewendet. Das Fehlgeburtsrisiko bei einer Amniozentese oder Chorionzottenbiopsie liegt in etwa bei 1%. VB