Mitglied inaktiv
Hallo, ich habe eine Frage. Vor der ersten Schwangerschaft habe ich (auf Anraten meiner Ärztin) 25kg abgenommen. Dann wurde ich schwanger und legte diese Kilo plus weiteren 10 wieder zu (ohne mich jeden Gelüsten hinzugeben)- hatte auch Schwangerschafts Diabetes. Nun habe ich seit der Geburt wieder das Gewicht, das ich vor der damaligen Abnahme hatte. Nun wünschen wir uns ein zweites Kind und wieder rät die Ärztin zur Abnahme (ich habe 30kg Übergewicht). Soll ich mich nun wirklich wieder in den Abnahmestreß hetzen, nur, daß ich während der Schwangerschaft wieder alles doppelt und dreifach zulege, oder geht es auch so? Ist es sonst zu riskant für das heranwachsende Baby? Ich habe schon von mehreren, die nach der ersten oder auch zweiten Geburt nicht mehr abgenommen haben, gehört, daß sie bei der nächsten Schwangerschaft weniger zugenommen haben, als durch vorheriges Abspecken. Unser Sohn wird jetzt 2 Jahre alt. Allzu lange wollen wir natürlich auch nicht mehr mit Nachwuchs warten. Grüße, Angie0179
hallo Angie, 1. bei der Berechnung des Übergewichtes ist es vor allem der Body-Mass-Index, welcher am besten Auskunft über die Situation gibt.= Körpergewicht geteilt durch (Länge in Metern zum Quadrat). Dieses sollte in etwa bei 25 liegen, um normwertig zu sein. Ihren persönlichen Body Mass Index können Sie oben links über unser Formel berechnen lassen. Wegen des besonders hohen Risikos ist bei starkem Übergewicht in jedem Fall eine ärztliche Behandlung des Übergewichtes dringend zu empfehlen. Erfahrungsgemäß macht es hier auch wenig Sinn, es mit diversen Diäten zu probieren, sondern unter ärztlicher Begleitung ist es sinnvoll, vor einer Schwangerschaft eine professionelle Ernährungsberatung mit Gewichtsreduktion anzustreben. Hierbei ist es auch sinnvoll, Begleiterkrankungen, wie z.B. des Zuckerstoffwechsels und der Schilddrüse ausgeschlossen werden. Selbstverständlich kann ein solches Übergewicht auch dazu beitragen, dass die hormonelle Situation verändert ist (z.B. zu viele männliche Hormone) was den Eintritt einer Schwangerschaft erschwert. Welche Probleme können sich nun darüber hinaus bei der Schwangeren, dem Kind und dem Schwangerschaftsverlauf eventuell ergeben, wenn ein Übergewicht vorliegt? Untersuchungen zeigen, dass ein Übergewicht mit einem erhöhten Risiko für die Schwangerschaft und Geburt verbunden ist. Und zwar für die verschiedensten Probleme. Deshalb ist es bei Kinderwunsch ratsam, darüber mit der Frau zu sprechen und dann mit ihr zu erörtern, ob sie vielleicht zunächst das Ausgangsgewicht reduziert. Generell von einer Schwangerschaft abraten müssen wir in einer solchen Situation nicht. Während der laufenden Schwangerschaft sollte aber keine Gewichtsreduktion stattfinden und es ist auch nicht sinnvoll, eine Diät durchzuführen. Die wünschenswerte Gewichtszunahme in der Schwangerschaft richtet sich nach dem Body-mass-index (BMI) der Frau, die noch nicht schwanger ist. BMI vor der Schwangerschaft und empfohlene Gesamtzunahme(kg): niedrig (kleiner 19)) 12,5-18 normal (19-25) 11,5-16 hoch (größer 26) 7-11,5 Wir können bei Frauen mit Übergewicht nicht nur eine höhere Rate an Fehlbildungen des Herzens, der Bauchwand, und des Gehirns beobachten, sondern auch die so genannten Neuralrohrdefekte, wie zum Beispiel offener Rücken. Darüber hinaus zeigen sich bei Übergewicht vermehrte Frühgeburten und Infektionen bei den Kindern. Wegen häufig besonders schwerer Kinder kann es hier dann auch gehäuft zu mechanischen Problemen unter der Geburt mit Verletzungen der Kinder und einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine Kaiserschnittentbindung oder Saugglocken- +Zangenentbindung kommen. Und hier sind auch Wundheilungsstörungen gehäufter zu beobachten. Auch Stoffwechelserkrankungen, wie der Schwangerschaftsdiabetes und Bluthochdruckerkrankungen finden sich bei übergewichtigen Schwangeren häufiger. Die genaue Ursache für diese Abläufe ist bis heute unbekannt. Es werden aber Vitaminmangel und Stoffwechselprobleme als eine Erklärung angenommen. Aus diesen Gründen wird die Schwangerschaft der Übergewichtigen sinnvollerweise besonders aufmerksam überwacht. Es ist zu empfehlen, die regulären Vorsorgen in jedem Fall alle wahrzunehmen. Darüber hinaus ist es empfehlenswert, der Betroffenen die möglichen Untersuchungen im Hinblick auf Neuralrohrfehlbildungen und Schwangerschafts-Diabetes anzubieten. Gegebenenfalls kann durch einen Ultraschallspezialisten nach besonderen Auffälligkeiten beim Kind geschaut werden, sofern dieses die Schwangere wünscht 2.Frauen, die einen Schwangerschaftsdiabetes hatten, haben im Verlauf der folgenden 10 Jahre ein bis zu 30%iges Risiko, einen Diabetes zu entwickeln. Deshalb sollten die Betroffenen mit ihrem Diabetologen vor Ort über ihr Risiko und die sinnvollsten Kontrollen sprechen. Regelmäßige Nachkontrollen sind hier also extrem wichtig. Von einigen Fachvertretern wird deshalb für diese Frauen gefordert, jährlich einen oralen Glucosetoleranztest zu wiederholen. 3.nach einer Schwangerschaft mit einem GDM (Gestationsdiabetes=Diabetes in der Schwangerschaft) besteht ein Risiko von etwa 50% für das erneute Auftreten einer Glucosetoleranzstörung in der folgenden Schwangerschaft. Es ist also eine frühzeitige (in den ersten drei Monaten) Diagnostik und Besprechung des Vorgehens indiziert. Das individuelle Vorgehen hinsichtlich Ernährungsberatung und/oder medikamentöse Maßnahmen ist durch die diabetologischen Spezialisten vor Ort zu klären. 4.Auf den Internetseiten der Deutschen Diabetes-Klinik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf http://www.diabetes.uni-duesseldorf.de/download/DDFI_Broschuere_Schwangerschaft.pdf können Sie dazu eine sehr informative Broschüre für Betroffene downloaden. VB VB
Mitglied inaktiv
Hallo Herr Dr. Bluni, vielen Dank für die rasche Antwort. Endlich hat es mir mal jemand vernünftig erklärt und nicht einfach so wie meine Ärztin den Kommentar fallen lassen "Es wäre besser vorher abzunehmen!". Ich habe eine Schilddrüsenerkrankung (Unterfunktion), weswegen ich schon seit drei Jahren in Behandlung bin. Momentan wird die Tablettenstärke bald vierteljährlich überprüft und derzeit auch gesteigert. Während der letzten Schwangerschaft konnte die STärke der Tabletten reduziert werden, da die Werte besser wurden... Mein BMI ist derzeit 36,33. Wo liegt der Bereich, das man "gesund" schwanger werden kann? Ich bin 1,70m groß. Auf den Normbereich bis 70kg abnehmen schaffe ich nicht. Wieviel darf es höchstens mehr sein? In Betracht dessen, daß ich bei der letzten Schwangerschaft die Diabetes hatte (danach war alles wieder ok), habe ich schon bereits jetzt angefangen, die Ernährung wieder so umzustellen, als hätte ich es wieder (damit es mir in der SS nicht mehr so schwer fällt) - also Vollkornprodukte, keine Süßigkeiten mehr, mehr Obst und Gemüse... Eine Abnahme macht sich dadurch im Moment leider nicht bemerkbar. Gruß, Angie