Frage im Expertenforum Schwangerschaftsberatung an Dr. med. Vincenzo Bluni:

Fruchtwasseruntersuchung (Vorsicht, lang!!)

Frage: Fruchtwasseruntersuchung (Vorsicht, lang!!)

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Sehr geehrter Herr Dr. Bluni, ich hatte vor kurzem eine NT-Messung vornehmen lassen, eigentlich mit dem Ziel, mir eine FU zu ersparen, da ich Angst vor einer eventuellen Fehlgeburt habe. Nun hat mich das Ergebnis aber leider erst recht verunsichert. Insgesamt kann man sagen, dass alle Werte gut waren (SSW 12 + 3): SSL 61,8 mm/BPD 23 mm/FOD 27 mm/KU 79 mm/ AQ 19 mm/ AAP 19 mm/AU 59 mm/ keine Spaltbildung, kein Anhalt für einen Septumdefekt und eine AVSD, symmetrischer 4-Kammerblick, regelrechter Abgang der großen Gefäße, Magen und Harnblase vage nachweisbar, Extremitäten angelegt, unauffällig, NB nachweisbar (2,1 mm). Soweit klingt ja alles ganz gut, auch laut der Aussage des Arztes. Auch ist der Fötus sehr mobil, was hoffentlich ein gutes Zeichen ist. Was mich nun aber extrem beunruhigt, ist die NT-Dicke. Diese liegt bei einem Wert von 1,9/2,0 mm. Der Pränataldiagnostiker meinte nun, der Normwert läge bei 1,7 mm, 1,9 wäre doch etwas viel. Meine Gynäkologin wiederum fand den Wert völlig i.O. und meinte, alles zwischen 1-2 mm sei völlig normal, erst ab 2,5 mm würde es auffällig.... Ich bin nun völlig verunsichert, tendiere natürlich zur FU, habe aber, wie gesagt, Angst davor, zumal ich in der Frühschwangerschaft des öfteren Schmierblutungen hatte. Ich muss dazu sagen, dass ich gerade 35 geworden bin, mein Mann ebenso, bei uns in den Familien gibt es keinerlei genetische Vorbelastung. Ich weiß, dass Sie mir keinen Rat geben können. Ich würde nur gerne wissen, in welchem Spielraum gewisse Werte noch als "normal" gelten und ob die Bereiche da sehr eng gefasst sind. Kann man mit der FU auch noch bis zur Feindiagnostik warten (20. SSW) und zur Not, bei weiteren Auffälligkeiten, dann noch punktieren? Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.


Dr. med. Vincenzo Bluni

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liebe Helena, die Nackentransparenz (nuchal translucency, NT) resultiert aus einer Flüssigkeitsansammlung im Bereich des fetalen Nackens, welche bei nahezu allen Feten im Ultraschall zwischen 10+3 und 13+6 Schwangerschaftswochen (fetale Scheitel-Steiß-Länge etwa zwischen 45 und 84 mm) darstellbar ist. Sie ist eine physiologische Erscheinung, die in Abhängigkeit der Ausdehnung in Bezug auf das Schwangerschaftsalter und das Alter der Mutter einen Hinweis auf eine genetische Anomalie des Feten, (z.B. Down-Syndrom) geben kann. Als andere Ursachen für die häufig nur zwischenzeitlich zwischen der 10. und 14. SSW auftretende Flüssigkeitsansammlung im fetalen Nacken werden assoziierte Fehlbildungen und Infektionen diskutiert. Verschiedene Arbeiten an großen Studienpopulationen belegen, dass bei einer Nackentransparenz mit einem Grenzwert von 2,5 (resp. 3 mm) das Risiko einer chromosomalen Störung im Vergleich zum altersbezogenen Risiko variiert. Nach Nikolaides steigt das Risiko für eine Trisomie 21, 13, 18 bei einer Nackentransparenzausdehnung von mehr als 2,5 mm um das 12-fache. Untersuchungen von Pandya zufolge steigt das Trisomierisiko in Abhängigkeit der Ausdehnung der Nackentransparenz wie folgt: 3mm 3fach 4mm 18fach 5mm 28fach Allerdings stellt die erhöhte Nackentransparenz per se keine Fehlbildung dar. Wenn chromosomale Anomalien ausgeschlossen werden können, werden etwa 90% der Schwangerschaften mit einer Nackentransparenz unterhalb von 4,5 mm zur Geburt eines gesunden Kindes führen, die Prozentsätze für eine Nackentransparenz von 4,5 mm und 6,5 mm oder mehr betragen jeweils etwa 80% und 45% Eine anschauliche Tabelle dazu findet sich auf der Internetseite der Universitätsfrauenklinik Jena. Hier wird das Risiko für eine Trisomie in Abhängigkeit vom Alter der Mutter alleine dem Risiko gegenübergestellt, das sich bei jeweils unterschiedlicher Ausdehnung der Nackentransparenz ergibt. Die Internetadresse ist http://www2.uni-jena.de/ufk/frk_info/inf9710.htm Diese sehr komplexen Vorgänge führen dazu, dass ein Außenstehender nur mit der Vorgabe fixer Werte alleine keine Interpretation der Situation vornehmen kann und sollte. Es ist aber auch der Grund, dass besonderes Augenmerk darauf gelegt werden sollte, sich die Einrichtung, in der diese Untersuchung durchgeführt wird, rechtzeitig besonders gut auszusuchen. Sie sollte entsprechend qualifiziert sein, was auch heißt, dass vorher mindestens nach der Zertifizierung durch die Fetal-medicine-foundation in London gefragt wird, aber auch nach der Häufigkeit der Durchführung dieser Untersuchungsverfahren in der entsprechenden Einrichtung. Handelt es sich um eine spezielle Einrichtung für Pränataldiagnostik, ist von einer solchen Qualifikation erfahrungsgemäß auszugehen. Letztlich geht es ja auch darum, eine klare Aussage und Information zu den Ergebnissen und den Konsequenzen aus auffälligen Ergebnissen zu bekommen. Missinterpretationen oder falsche, klinische Konsequenzen sollten in jedem Fall vermieden werden. Und so sollte der Untersucher über die ihm zur Verfügung stehende Software anhand der Ultraschallwerte und ggf. Blutbefunde (sofern ein Ersttrimesterscreening durchgeführt wurde) immer auch eine Risikoberechnung durchführen können. Da eine Verbreiterung der fetalen Nackentransparenz in der 11.-14.SSW mit einem breiten Spektrum fetaler Fehlbildungen assoziiert ist, sollte bei auffälligem Ergebnis eine weiterführende Diagnostik, z.B. eine Fruchtwasserpunktion oder Chorionzottenbiopsie besprochen werden. Für den Fall, dass dann die Genetik unauffällig ist, wäre es ratsam, einen differenzierten Organultraschall zwischen 20. & 23. SSW in einer entsprechend qualifizierten Einrichtung für Pränataldiagnostik durchführen zu lassen, um unter anderem eine Herzfehlbildung auszuschließen. Wie hier nun am besten zu verfahren ist, besprechen Sie bitte mit den Experten vor Ort VB


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Hallo Helena, also ich denke, du machst dir unnötig Sorgen. Auch bei mir war der Wert 1,9 mm, ich glaube auch bei 12 + 3. Es hängt auch von der SSW ab. Also bei 10 oder 11+ wäre der Wert wohl tatsächlich etwas hoch, aber bei 12+3 wohl normal. Ich war bei einem, denke ich, sehr gutem Pränataldiagnostiker und der fand den Wert völlig okay. Der Fein-US war wie bei dir sehr gründlich und alles war bestens. Hast du noch die Blutwerte bestimmen lassen? Eigentlich musst du doch eine konkrete Zahl genannt bekommen, z.B. 1:xxx. Bei mir hatte sich das Altersrisiko schon allein aufgrund der NT erheblich verringert. Ich habe trotz meiner 42 Jahre auf die FU verzichtet und hoffe, dass ich in kurzer Zeit ein gesundes Baby im Arm halten werde. Alles Gute und lG Sakura (37+5)


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