Frage im Expertenforum Schwangerschaftsberatung an Dr. med. Vincenzo Bluni:

Drohende Plazentainsufizienz

Frage: Drohende Plazentainsufizienz

Mitglied inaktiv

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Lieber Herr Dr. Bluni, erneut würde ich mich über Ihren Rat freuen. Ich bin inzwischen am Ende der 34. SSW angelangt, worüber ich sehr froh bin. Seit der 31. SSW bereits ist der Gebärmutterhals quasi aufgebraucht, der Muttermund bislang 2cm geöffnet, auch der innere Muttermund ist fingerdurchgängig. Wegen vorzeitiger Wehen bekomme ich seit der 30./31. SSW, wie in meiner ersten SS, Partusisten, Lungenreife ist auch erfolgt. Da sich der Befund kontinuierlich verschlechtert hat, habe ich nun 10 Tage im KH verbracht, IV-Tokolyse, dann wieder Umstellung auf Tabletten. Beim letzten US in SSW 33+0 wurden nun Verkalkungen der Plazenta Stufe II-III festgestellt. Natürlich rauche ich nicht! Ich bin nun ziemlich bedrückt, weil ich mich um unseren Kleinen sorge. Bei meiner Tochter war die Plazenta auch stark verkalkt, aber erst einige Wochen später. Stufe III in SSW 37+0, zu dem Zeitpunkt wurde sie dann aber auch geboren (wenn´s nicht von selbst losgegangen wäre, wäre aufgrund der Verkalkung und der dadurch bereits verringerten Fruchtwassermenge eingeleitet worden - und das nach wochenlanger Tokolyse...). Ich gehe nun zweimal wöchentlich zur CTG-Kontrolle, auch das Wachstum wird überprüft. Bislang war alles ok, zeitgerecht, auch ausreichend Fruchtwasser (aber mein Bauch ist eher winzig, 94cm bei 1,71m, zurzeit 60kg nach 9kg Gewichtszunahme). Ich liege viel (sogar vor dem PC...), um die Durchblutung der Plazenta zu verbessern - man sagte mir, das sei die einzige Möglichkeit, der Verkalkung zu "begegnen". Vor einer Woche, nach dem US-Befund, hieß es, es wäre gut, noch zwei bis drei Wochen durchzuhalten - jetzt also noch ein bis zwei... Wie gut sind die Aussichten, es bei dieser ausgeprägten Verkalkung noch so lange auszuhalten bzw. wie gut/wie lange kann das Kind unter diesen Umständen noch versorgt werden? Und noch etwas: Der Kleine liegt noch immer in BEL - bestehen Aussichten, dass er sich noch dreht (bin ab morgen in der 35. SSW)? Ist mal wieder sehr lang geworden... Vielen herzlichen Dank für Ihre Antwort! Jo (34.SSW) + Anne *04.09.01


Dr. med. Vincenzo Bluni

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liebe Jo, 1.der Reifegrad und die Verkalkungen in der Plazenta wird entsprechend der Einteilung nach Grannum beurteilt. Hier wird unter anderem die Ausprägung von Verkalkungen als Kriterium benutzt. Wenn der Sonographiebefund bei nur geringen Verkalkungen ein sonst zeitgerechtes Wachstum anzeigt und auch der Doppler und insbesondere das CTG in Ordnung sind, besteht zunächst kein Grund zur Sorge. Bei stärkerer Verkalkung schon deutlich vor dem Ende der Schwangerschaft wäre dieses wohl anders zu beurteilen. Hier wäre auch zum Beispiel die Ultraschall-Doppleruntersuchung und das CTG eine Option. Dieses kann im Einzelfall aber nur zwischen der Schwangeren und dem Frauenarzt oder Frauenärztin persönlich besprochen werden. Letztlich hat der behandelnde Arzt über weiterführende Maßnahmen zu entscheiden und kann dieses immer noch am besten beurteilen. Und so kann der Arzt eben auch im Ultraschall sehen, ob das Kind weiter wächst oder nicht. Es gibt also immer wieder mal leichte Verkalkungen, die nicht gleich Grund zur Sorge sind. Und sofern sie nicht rauchen und sich sonst auch an die Empfehlungen halten, können Sie diesen Ablauf nicht weiter beeinflussen. Sicherlich ist die ausreichende Schonung eine sehr wichtige Maßnahme, die Durchblutungsverhältnisse der Plazenta zu verbessern. 2. wenn die Kinder sich bis zur 33. SSW nicht gedreht haben und hier auch schon dauerhaft in BEL liegen, dann sinken die Chancen auf eine spontane Wendung auf ca 10%. Vorher zu spekulieren über das wenn und aber, ist sicher nicht sinnvoll. Bleibt das Kind dennoch in BEL liegen, dann sollte man mit den Eltern ab der 34./35. SSW über die Konsequenzen, Möglichkeiten und Entbindungsmodus sprechen. Ab der 36. SSW sind die Chancen auf eine spontane Wendung sicher nur noch minimal. Ggf. kann man mit der Entbindungsklinik über eine äußere Wendung sprechen, diese wird jedoch nicht überall durchgeführt, ebenso wie eine Spontanentbindung aus BEL. Wo es in Ihrer Nähe eine solche Klinik gibt, sollte der Frauenarzt oder Frauenärztin sagen können. Ansonsten kann man mit der Moxibustion (chinesische Heilkräuterzigarren) versuchen, das Kind zur Wendung zu bringen, oder auch mit der indischen Brücke; einer bestimmten Körperhaltung, mit der es in einigen Fällen klappt, das Kind zur Wendung zur bringen. Hier noch einige Anmerkungen zur äußeren Wendung, eine Frage, die von allgemeinem Interesse sein dürfte. Es gibt viele renommierte Vertreter (unter Ihnen der bekannte Prof. Saling in Berlin) , die die Wendung aus Beckenendlage befürworten; Sie finden aber mindestens genauso viele, die wegen möglicher Komplikationen diese Methode ablehnen. Wenn sie in einer Klinik durchgeführt wird, wo man damit Erfahrung hat, wo das Ganze dann in Kaiserschnittbereitschaft geschieht, kann man den Versuch sicherlich vertreten. Nicht alle Kliniken verabreichen der Schwangeren gleichzeitig wehenhemmende Mittel, das ist von Klinik zu Klinik verschieden. Man über die Erfolgsaussichten informieren, die Risiken erläutern (vorzeitige Lösung des Mutterkuchens, Blutungen, vorzeitige Wehen, akute Zustandsverschlechterung des Kindes, was einen Notkaiserschnitt notwendig machen kann, intrauteriner Fruchttod) Diese Komplikationen sind zum Glück selten, aber sie können vorkommen. Darüber hinaus kann man aus medizinischen Gründen nicht jedes sich in BEL befindende Kind wenden. Sollte die Schwangere sich über die -Erfolgsaussichten einer äußeren Wendung und den damit verbundenen Restrisiken im Klaren sein und ist ihr eine Spontanentbindung sehr wichtig, so sollte sie über einen derartigen Wendungsversuch nachdenken. Sie sollte aber vorher noch mal ein intensives Gespräch mit der Klinik über das Vorgehen führen. VB VB


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