Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

Niedrige Gebärmuttschleimhaut

Frage: Niedrige Gebärmuttschleimhaut

Kiwu_2026

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Guten Tag Herr Dr. Gagsteiger, aufgrund PCO und Subfertilität meines Mannes sind wir seit 2 Jahren in einer Kinderwunschklinik. Ich hatte bereits 3 Kryotransfer hinter mir, die nächste folgt in diesem Zyklus. Meine Gebärmutterschleimhaut ist immer sehr niedrig aufgebaut, auch in stimulierten Zyklen mit Pergoveris wird sie meist nie höher als 6,5 mm oder 7,2 mm. 1. Kryotransfer - GMSH 7,2 mm - Blastozyste 2AA - schwanger - kein Herzschlag - Fehlgeburt SSW 6  ab hier erfolgten in den Zyklen: Intralapid Infusionen, Prednisolon, ASS 150 mg 2. Kryotransfer - GMSH 5,2 mm - Blastozyste 5AA - negativ 3. Kryotransfer - GMSH 6,5 mm - Blastozyste 4CC - biochemische Schwangerschaft Ich befinde mich im 4. Kryotransfer und frage mich was ich noch tun könnte um meine GMSH besser aufzubauen . Ist denn eine PRP Behandlung eine Möglichkeit und beim nächsten Transfer ein Embryoglue einzuplanen? Über Ihren Ratschlag würde ich mich sehr freuen.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag,   vielen Dank, dass Sie Ihre Geschichte so offen und strukturiert schildern. Gerne gebe ich Ihnen eine ehrliche, differenzierte Einschätzung und konkrete Optionen an die Hand.   Einordnung Ihrer Situation Sie beschreiben ein klassisches, aber sehr herausforderndes Problem: eine chronisch dünne Gebärmutterschleimhaut (GMSH) trotz unterschiedlicher Protokolle – bei gleichzeitig guter Embryoqualität und bereits nachgewiesener Implantationsfähigkeit (klinische Schwangerschaft + biochemische Schwangerschaft).   Das ist wichtig: 👉 Ihre Schleimhaut ist nicht „funktionslos“, aber offenbar grenzwertig stabil.   Wie kritisch ist die Schleimhautdicke wirklich?   Optimal: ≥ 7–8 mm, trilaminar Grenzbereich: 6–7 mm (Schwangerschaften sind möglich, Risiko aber erhöht) < 6 mm: deutlich reduzierte Implantationsrate   Sie waren mehrfach knapp an der unteren Grenze, einmal sogar bei 5,2 mm – das erklärt sehr gut die negativen bzw. instabilen Verläufe.   Was Sie realistisch noch tun können – evidenzbasiert & pragmatisch   1.  Östrogen-Strategie überdenken (sehr wichtig) Viele Patientinnen mit PCOS profitieren nicht von „Standard“-Östrogenprotokollen.   Mögliche Stellschrauben:   Wechsel der Applikation:   oral + vaginal oder transdermal + vaginal   langsamere, längere Aufbauphase (nicht zu früh Progesteron!) Ziel: Zeit geben, nicht nur Dosis erhöhen   👉 Manchmal ist ein verlängerter Aufbau über 18–25 Tage erfolgreicher als ein „forcierter“ Zyklus.   2.  Durchblutung gezielt verbessern   Gerade bei dünner Schleimhaut oft unterschätzt.   Optionen (off-label, aber klinisch etabliert):   Sildenafil vaginal (z. B. 25 mg 2–3×/Tag) L-Arginin keine anstrengend sportliche Aktiviteät (kein Hochleistungssport)   3.  PRP (Platelet Rich Plasma) – ja, als Option   Ihre Frage ist absolut berechtigt. Was sagt die Datenlage?   kleine Studien & Metaanalysen zeigen:   ↑ Schleimhautdicke ↑ Implantationsrate bei „refractory thin endometrium“   besonders sinnvoll:   bei wiederholt < 7 mm nach Ausschluss intrauteriner Pathologien       Realistische Erwartung: PRP ist kein Wunder, aber kann 0,5–1,5 mm bringen – und das kann bei Ihnen den entscheidenden Unterschied machen.   👉 Ich halte PRP in Ihrer Konstellation für vertretbar und sinnvoll, sofern es erfahren durchgeführt wird.   4.  EmbryoGlue   Kurz und ehrlich:   kann die Adhäsion verbessern kein Ersatz für gute Schleimhaut aber: bei grenzwertiger GMSH ein logischer Zusatz   👉 Ja, ich würde es in Ihrem nächsten Transfer einplanen – mit realistischen Erwartungen.   5.  Noch nicht erwähnt – aber wichtig   Falls noch nicht erfolgt, bitte prüfen:   Hysteroskopie (Mikropolypen? chronische Endometritis?) ggf. CD138-Färbung uterine Durchblutung (Doppler)   Gerade eine subklinische Endometritis kann genau dieses Bild machen: dünne Schleimhaut, Implantation ja – aber instabil.   Was ich Ihnen raten würde – zusammengefasst   Für den nächsten Schritt würde ich folgendes priorisieren:   Mikrobiom intrauterin prüfen individuelles Östrogen-Aufbauprotokoll mit mehr Zeit ggf. Sildenafil vaginal PRP vor einem folgenden Kryozyklus EmbryoGlue beim Transfer ggf. diagnostische Hysteroskopie, falls noch nicht erfolgt   Ein wichtiger, hoffnungsvoller Punkt zum Schluss   Sie können schwanger werden. Das ist keine theoretische Annahme, sondern bereits bewiesen.   Ihr Weg ist im Moment nicht blockiert – er ist eng. Und genau dafür gibt es noch Stellschrauben.   Wenn Sie möchten, können Sie mir gerne schreiben:   ob bereits eine Hysteroskopie erfolgte wie alt Sie sind ob der aktuelle Zyklus natürlich oder künstlich geführt wird     Dann kann ich Ihnen das Protokoll noch gezielter empfehlen.   Ich wünsche Ihnen für den anstehenden Transfer von Herzen alles Gute.


Kiwu_2026

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Guten Tag Herr Dr. Gagsteiger, herzlichen Dank für Ihre ausführliche Rückmeldung. Eine Hysteroskopie erfolgte bisher nicht, da ich Bedenken möglicher Verletzungen bei diesem Eingriff habe. Falls ich das machen lassen würde und etwas auffällig wäre, was wären hier die möglichen Schritte um eine Besserung zu erhalten?   Ich bin 32 Jahre alt Im aktuellen Zyklus stimuliere ich mit Pergoveris, ab ZT 4 mit 50 Einheiten täglich. Heute an ZT 11 war ich zur Ultraschall Kontrolle, die GMSH lag bei 3,7 mm und es sind mehrere Folikel 10-12 mm ersichtlich. Zusätzlich wurde mir folgendes verordnet: ASS 150 mg Prednisolon 5 mg Intralapid vor Kryotransfer Herzlichen Dank und beste Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Sie sind in einer Situation, in der Besonnenheit wichtiger ist als Aktionismus.   1. Hysteroskopie – verständliche Bedenken und realistische Einordnung Ihre Zurückhaltung gegenüber einer Hysteroskopie ist absolut nachvollziehbar. Wichtig ist:   Das reale Risiko   Eine diagnostische Hysteroskopie (ohne Ausschabung) ist:   ein sehr schonender Eingriff mit extrem niedrigem Verletzungsrisiko   Perforationen oder relevante Schäden sind Ausnahmen und treten praktisch nur bei:   operativen Eingriffen stark veränderter Anatomie aggressiver Kürettage auf   👉 Bei erfahrener Durchführung ist das Risiko deutlich geringer als oft befürchtet.   2. Wenn bei einer Hysteroskopie etwas auffällig wäre – was dann? Das ist eine sehr wichtige Frage, denn nur wenn sich daraus auch ein sinnvoller therapeutischer Schritt ergibt, lohnt sich der Eingriff. Häufige Befunde und Konsequenzen: a) Endometriumpolyp sehr häufig, oft klein direkte Entfernung in gleicher Sitzung möglich danach oft deutlich bessere Einnistungschancen   b) Submuköses Myom wenn klein → Abtragung wenn größer → individuelle Abwägung kann die Implantation mechanisch stören   c) Chronische Endometritis   mikroskopische Entzündung, oft ohne Symptome Therapie:   gezielte Antibiotikatherapie ggf. anschließender Probiotika-Aufbau   nach Therapie oft verbesserte Schleimhautqualität   d) Schleimhautreifungsstörung / Asynchronität   dann:   Anpassung des Zyklusprotokolls evtl. längerer Östrogenaufbau individualisierte Progesteronphase   👉 In all diesen Fällen ergibt sich ein klarer therapeutischer Nutzen.   3. Ihr aktueller Zyklus: sehr wichtig – und erklärungsbedürftig   a) Alter & Ausgangslage   Sie sind 32 Jahre alt – das ist ein sehr großer Pluspunkt Die ovarielle Antwort mit mehreren Follikeln 10–12 mm unter nur 50 IE Pergoveris ist gut   b) Schleimhaut 3,7 mm an ZT 11 – Einordnung   Das ist noch nicht besorgniserregend, aber erklärungsbedürftig.   Warum das aktuell so sein kann:   sehr milde Stimulation vermutlich niedriger Östrogenspiegel Fokus des Körpers liegt noch auf Follikelreifung   👉 Wichtig:   Entscheidend ist nicht ZT 11, sondern:   Schleimhaut zum Zeitpunkt des Triggers / Transfers   Die Schleimhaut kann sich innerhalb weniger Tage deutlich aufbauen, wenn die Follikel weiter wachsen.   📌 Aktuell sehe ich keinen Grund zur Sorge, aber: engmaschige Kontrolle ist sinnvoll ggf. später Östrogenunterstützung erwägen   4. Zusatzmedikation: differenzierte Bewertung ASS 150 mg   Ziel: Verbesserung der uterinen Durchblutung Datenlage: heterogen, aber bei dünner Schleimhaut oft eingesetzt 150 mg ist hoch, aber in der Reproduktionsmedizin nicht unüblich Ich hätte persönlich eher 100 mg gewählt – aber das ist eine Nuance   Prednisolon 5 mg niedrige, gut verträgliche Dosis kann: immunologische Überreaktionen dämpfen Entzündungsprozesse reduzieren   besonders bei:   Endometriose Implantationsproblemen sinnvoll     Intralipid vor Kryotransfer     immunmodulatorischer Ansatz Datenlage nicht eindeutig, aber:   gut verträglich bei entsprechender Indikation vertretbar   wichtig: nicht „automatisch“, sondern gezielt einsetzen     5. Wie ich Ihre Gesamtsituation aktuell einschätze     Zusammengefasst sehe ich:   ✅ gutes Alter ✅ gute ovarielle Reaktion auf niedrige Dosis ⚠️ Schleimhaut aktuell dünn, aber noch früh ⚠️ eher komplexes Zusatzschema, das gut begründet sein sollte   👉 Eine Hysteroskopie wäre keine Pflicht, aber:   bei dünner Schleimhaut vor einem Kryotransfer oder bei ausbleibender Implantation     medizinisch sehr gut begründbar – und meist hilfreicher, als man denkt.       6. Mein persönlicher Rat (ohne Druck)   Beobachten Sie den Schleimhautverlauf in diesem Zyklus Falls:   die Schleimhaut nicht ausreichend reagiert oder ein Transfer trotz guter Embryonen nicht klappt   👉 Dann würde ich vor dem nächsten Transfer zu einer diagnostischen Hysteroskopie raten – nicht aus Misstrauen, sondern zur Optimierung.   Sie gehen diesen Weg sehr reflektiert, und Ihre Fragen zeigen, dass Sie Ihren Körper gut wahrnehmen. Das ist eine große Stärke.   Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


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