Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

Hashimoto und Jodeinnahme

Frage: Hashimoto und Jodeinnahme

MarieCurie2025

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Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiner, erst einmal vielen Dank für Ihre immer sehr ausführlichen und hilfreichen Antworten. Bei mir wurde vor Beginn des Kinderwunsches eine Hashimoto-Erkrankung an der Schilddrüse diagnostiziert, welche medikamentös eingestellt wurde. Nun bin ich im 2. Trimester schwanger. Von meiner FÄ wurde mir ein jodfreies Nahrungsergänzungsmittel (Folsäure-Präparat) verschrieben. Bei der Schilddrüsen-Vorsorge wurde mir jedoch gesagt, ich solle trotz Schilddrüsenerkrankung zusätzlich Jod in der Schwangerschaft zu mir nehmen. Nun meine Frage, ist eine Jodeinnahme empfohlen oder eher nicht? Vielen Dank vorab.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag,, vielen Dank für Ihre Nachricht und herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Schwangerschaft! Ihre Frage ist sehr berechtigt – das Thema Jod und Hashimoto-Thyreoiditis wird in der Schwangerschaft oft unterschiedlich bewertet, und es ist sinnvoll, hier genau hinzuschauen.   1. Grundsätzliches zur Jodversorgung in der Schwangerschaft Während der Schwangerschaft steigt der Jodbedarf, da:   die mütterliche Schilddrüse mehr Hormone produzieren muss, Jod über die Nieren vermehrt ausgeschieden wird, und das Kind ab etwa der 12.–14. SSW eigene Schilddrüsenhormone bildet und dafür Jod benötigt. Daher empfehlen deutsche Leitlinien (DGE, Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, DGfN, AWMF 2023)grundsätzlich eine zusätzliche Jodzufuhr von etwa 100–150 µg/Tag für Schwangere und Stillende.   2. Besonderheit bei Hashimoto-Thyreoiditis Bei Hashimoto-Patientinnen ist die Situation differenzierter:   Jod in moderaten Mengen ist nicht grundsätzlich verboten, aber eine übermäßige Jodzufuhr kann die Autoimmunreaktion verstärken und zu Schwankungen der Schilddrüsenfunktion führen. Wenn Ihre Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4) stabil sind und Sie L-Thyroxin einnehmen, kann eine moderate zusätzliche Jodzufuhr (bis 100 µg/Tag) sinnvoll und sicher sein – insbesondere, wenn Sie sich jodarm ernähren (kein regelmäßiger Fischkonsum, keine jodierte Salzverwendung).   3. Praktisches Vorgehen Besprechen Sie mit Ihrem Endokrinologen oder Ihrer Frauenärztin die aktuelle Dosis von L-Thyroxin und den letzten TSH-Wert. Wenn TSH im Zielbereich (meist 0,3–2,5 mU/l im 2. Trimester) liegt, kann man: → ein Präparat mit Folsäure + 100 µg Jodid wählen (z. B. Femibion 1, Eunova Mama 1, Orthomol Natal etc.). Falls Sie eine bekannte Jodüberempfindlichkeit haben oder Ihre Hashimoto-Entzündung aktiv ist (hohe TPO-Antikörper, häufige Schwankungen), sollte auf Jod besser verzichtet werden, bis sich die Werte beruhigt haben.   Fazit Bei gut eingestelltem Hashimoto ist eine niedrig dosierte Jodgabe (100 µg/Tag) in der Schwangerschaft in der Regel empfohlen, um Mutter und Kind ausreichend zu versorgen. Eine hohe Joddosis oder unkontrollierte Einnahme sollte jedoch vermieden werden. ich wünsche Ihnen für den weiteren Verlauf alles, alles Gute. Ihr Friedrich Gagsteiger


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