Frage im Expertenforum Geburt an Lisa Westermann:

Geburt verarbeiten und zweites Kind

Frage: Geburt verarbeiten und zweites Kind

EvaZ

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Guten Tag,  ich habe vor 4,5 Monaten eine Tochter geboren und hatte eine Geburt, die sich wahrscheinlich jede wünscht. Um 20 Uhr ist meine Fruchtblase gesprungen, da ich noch keine Wehen hatte waren wir um 21.30 Uhr im Krankenhaus. Dort wurde ich untersucht und der Muttermund war 2cm offen. Da das CTG nichts angezeigt hat, sollte ich spazieren gehen. Um 23 Uhr waren wir zurück und ich hatte immer noch keine Wehen (dachte ich), nur etwas stärkere Rückenschmerzen. Ich lag noch etwas im Wehenzimmer rum, die Hebamme hat nochmal nachgeschaut und meinte dann es sind schon 7cm und die Rückenschmerzen wären Wehen. Kurz darauf kam die erste Presswehe und um 00:55 Uhr war die Kleine da. Klar tat es weh, aber nicht so, dass ich Schmerzmittel gebraucht hätte. Alle sagen mir wie viel Glück ich hatte und wie sehr sie mich beneiden. Aber jetzt mit etwas mehr Abstand erwische ich mich dabei, wie ich immer wieder über die Geburt nachgrüble und ständig meinem Mann Fragen stelle weil ich mich beispielsweise gar nicht daran erinnere wie ich in den Kreißsaal gekommen bin. Ob meine Tochter geweint hat. Ob sie im Kreißsaal getrunken hat. Und irgendwie belastet mich das und ich spiele ständig im Kopf nochmal alles durch.  Haben Sie einen Tipp für mich wie ich aus dem Gedankenkarussel raus komme? Im Geburtsbericht wird ja nicht viel stehen weil nicht viel passiert ist und ich wüsste aus dem gleichen Grund nicht worüber ich mit meiner Hebamme sprechen sollte. Die ist ja wahrscheinlich ganz andere Geburten gewohnt.. Und noch eine andere Frage, ganz davon unabhängig - denken Sie bei einem etwaigen zweiten Kind wird es dann noch schneller gehen? Müsste ich mich auf eine Hausgeburt einstellen? Wenn die Fruchtblase nicht gesprungen wäre hätte ich es wahrscheinlich zu spät gecheckt..


Lisa Westermann

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Hallo liebe Mama , Auch wenn die Geburt bereits einige Jahre zurückliegt, darf sie Sie heute noch beschäftigen. Eine schnelle und medizinisch unkomplizierte Geburt kann trotzdem überwältigend gewesen sein. Ihr Körper und Ihre Gedanken hatten kaum Zeit, mit dem Geschehen Schritt zu halten – Erinnerungslücken sind bei solch rasanten Verläufen nicht ungewöhnlich. Dass andere von einer „Traumgeburt“ sprechen, bedeutet nicht automatisch, dass sie sich für Sie auch so angefühlt haben muss. Vielleicht hilft es Ihnen, alles aufzuschreiben, woran Sie sich erinnern, und die fehlenden Stellen gemeinsam mit Ihrem Mann zu ergänzen. Auch jetzt können Sie noch den Geburtsbericht anfordern und ein Gespräch mit Ihrer damaligen Hebamme oder der Geburtsklinik erfragen. Sie müssen dafür keine dramatische Geschichte erlebt haben. Wenn das Grübeln Sie weiterhin belastet, kann auch ein Gespräch mit einer geburtserfahrenen Psychologin oder Beratungsstelle sehr entlastend sein. Eine weitere Geburt kann schneller verlaufen, muss es aber nicht. Eine Hausgeburt wäre deshalb keineswegs automatisch zu erwarten. Bei einer erneuten Schwangerschaft sollten Sie den schnellen Verlauf frühzeitig mit Ihrer Hebamme und der Klinik besprechen und vereinbaren, bei welchen ersten Anzeichen Sie losfahren – bei Ihnen könnten auch Rückenschmerzen ein wichtiges Wehenzeichen sein. So lässt sich vorsorglich ein guter und beruhigender Plan erstellen.


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