Mitglied inaktiv
Hallo, meine Tochter 15 Monate alt ist seit ca. 2 Wochen ein kleiner Trotzkopf und Dickkopf. Sie ist schon als Baby immer schon agil und Quirlig gewesen, aber es wird immer mehr. Ich finds ja eigentlich ganz gut,das sie kein Duckmäuschen ist aber ne´Nummer weniger darf es auch sein. Auf der Wickelauflage probt sie den Aufstand, wenn man mit dem Buggy unterwegs ist schmeisst sie alles aus dem Wagen, meckert lauthals wenn ihr was nicht passt. Sie zeigt auch keine Schüchternheit gegenüber Fremden. Das laute Krakelen an allen möglichen Orten stört schon ein wenig, die Leute schauen, und sagen z.b. ganz schön Stimmgewaltig die Kleine...... Dann wenn einer schaut, schmeist sie direkt was aus dem Wagen, es hebt diejenige Person auch wieder auf, sie schmeist wieder weg.. Für´n mal super witzig, aber bei jedem....Nervig. Wenn ich ihr kein Spielzeug in den Wagen gebe, 1 Teil, dann krakelt sie noch mehr.. Sie will nur die Aufmerksamkeit auf sich gerichtet haben, sie wird sie so auch immer bekommen. Kann ich solche Sachen bei ihr schon unterbinden oder ist das gerade eine Phase. Grüße
Liebe Gamsi, kurz geantwortet: ja, es ist eine Phase; nämlich die Trotzphase. Und- meine Vorrednerin hat es in ihren Worten deutlich hervorgehoben: es ist ein Austesten von Grenzen und Möglichkeiten Deiner Tochter, als auch der Versuch mit Dir ins Gespräch zu kommen. Für die meisten Eltern ist dies eine echte Umstellung. Denn nun beginnt quasi der Part der Erziehung, die mit Grenzaufweisung zu tun hat. Und dieser Abschnitt bedeutet, dass man als Elternteil immer wieder an seine eigenen emotionalen! und nervlichen Grenzen gestoßen wird. Immer wieder bedeutet es für Eltern sich selbst zu reflektieren und zu schauen, ob das Verhalten des Kindes u.U. durch das eigene Zutun ( Ungeduld, Termindruck, eigene Müdigkeit) provoziert wird, ob es durch Verständigungsschwierigkeiten entsteht oder ob Dein Kind in der Tat schlicht und einfach auf Biegen und Brechen seinen Kopf durchsetzen will und in diesen Momenten nicht in der Lage ist Dir zuzuhören. Dies sind dann die typischen Trotzverhaltensituationen, denen man quasi "ausgeliefert" ist und dem Kind Vorgaben machen muss. Also z.B. ein Hinschmeißen an der Kasse aufgrund von Süßigkeitenverlangen durch Wegtragen beenden.... In den meisten Fällen kann man aber z.B. diese exemplarische Situation insoweit vermeiden, indem man seinem Kind zunehmend etwas zutraut. Je weniger Sie NEIN sagen müssen; d.h. Ihrem Kind eine Umgebung und Möglichkeiten schaffen, dass es immer wieder Besätigung durch eigenes Handeln erfährt, desto empfänglicher wird es für ein "echtes" Nein werden; was also mehr Gewicht hat. Ansonsten kann Ihr Kind ein NEIN in seiner Dimension nicht mehr unterscheiden und versucht es herauszufinden, indem es seine "Provokationen" potenziert. Also z.B. lauter schreit, einfach mal etwas kaputtmacht, andere Kinder attackiert usw. Nun ist auch die Phase gekommen, in der Kreativität erforderlich wird. Ablenkungen können noch helfen; den Blickwinkel auf etwas anderes zu richten. Eine andere Aktivität anbieten wie z.B. Laufen lassen, eine Pause einlegen, etwas holen usw. Hierfür kann es dienlich sein, wenn man sich in die Lage seines Kindes versetzt und einfach mal grob überlegt, wie es für ein Kind in diesen Momenten zu sein scheint: fühlt es sich vor Energie strotzend und wir unternehmen u.U. gerade genau das falsche z.B. einen Stadtbummel im Buggy. Oder- ist es übermüdet und weinerlich und ich verlange gerade Ruhe und Aufmerksamkeit? Auch jetzt und in dieser Phase gilt: ein strukturierter und vor allem vorausschauender Tagesablauf kann große Hilfe leisten. Ist also z.B. ein Stadtbummel am Nachmittag geplant, dann ist der Vormittag für den Garten oder Spielplatz zum Austoben reserviert. Essens und Schlafenszeiten sollten nach Möglichkeit gleich bleiben. So findet Ihr Kind Orientierung und Sie auch!! Eine gute Zeit und viele Grüße von Katrin
Mitglied inaktiv
Entschuldige, mir brennt es doch unter den Nägeln auf dein Posting zu antworten. Von daher geb ich doch meinen Senf dazu. Es ist (m)eine Sicht auf eure Situation. Ich bin der Meinung, dass deine Tochter nicht "den Aufstand" probt, sondern mit dir kommuniziert. Da du es scheinbar nicht verstehst, wird sie eben "radikaler" in ihrer Sprache. Folgendes als verständnisbasis: Das Verhältnis zwischen Eltern und Kind ist kein prinzipiell hierarisch geprägt. Aber das Gegenteil wird in unserer Kultur angenommen. So sagen Eltern Kindern ständig, was sie tun und lassen dürfen, wann sie aufstehen, rausgehen, was sie zu Mittag essen, wie lange sie aufbleiben dürfen, welche Spielsachen gekauft werden etc pp. Nun ist es aber so, dass ein Kind ein eigenständigen, von den Eltern unabhängig existierendes Wesen mit eigenem Willen und Denken. Ein Wesen, was die Verantwortung für sein Leben selbst in die Hand nehmen möchte. Deine Tochter bekommt jetzt immer deutlicher mit, dass sie einen eigenen Willen hat undsich auch unabhängig von Mami und Vati bewegen, denken und wollen kann. Die Mama ist aber im Glauben, ihr Kind sei noch viel zu jung, um zu wissen, was gut für es ist. Woher sollte denn so ein Kind wissen.... So geratet ihr gerade immer wieder in Konflikte. Du meinst, es ist gerade das Beste, zu Wickeln. Dein Kind jedoch fühlt sich dadurch urplötzlich aus der spannendsten Spielsituation herausgerissen. Da gibt es Protest. Dasist so, als reiße dich jemand urplötzlich, ohne Vorwarnung vorm Fernseher wegund ihr macht was du nicht so toll findest. Ziemlich oft wird an dir gezerrt und gezogen, ohne dass du weißt was los ist. Dazu kommt, dass die Welt äußerst interesant ist. Liegen zum Wickeln ist völlig out (nicht nur bei deiner). Du hast die Wahl nun zu Kämpfen oder zu Kooperieren. Beim Kämpfen gibt es nur verlierer. Kooperieren tust du, indem du von alten Gewohnheiten ablässt und Schritte auf dein Kind zugehst. Das heißt: Wickeln dauert jetzt evt länger, also nicht davon ausgehen, schnell schnell, dafür will ich nicht viel Zeit einplanen. Einmal freut sich ein Kind über Luft am Popo, andererseits kann man auch beim Wickeln eine schöne Zeit mit seinem Kind verbringen. Wickeln muss nicht im Liegen ablaufen. Stehender Weisen oder auch auf allen Vieren geht genauso gut. Das muss nur so kurz geübt werden wie das Wickeln als das Baby winzig klein war. An die Wanne stellen mit schönem Spielzeug auf dem Wannenrand, Kind aus dem Fenster schauen lassen. WIndelhöschen sitzen gleich beim Hochziehen, quasi wie ein Slip. Lass sie öfters aus dem Buggi. Nur da drinn sitzen und das schöne, bunte Leben an einem vorbei ziehen lassen ist einfach nur langweilig. Die Zeit, in der Kinder laufen lernen und die ersten eigenständigen Schritte, ist nicht mehr sie Zeit zum Kilometerschrubben. Meist kommt man nur im Schneckentempo voran. Man glaubt gar nicht, woran sich so ein Knopf erfreuen kann. Geht ihr nur Spatzieren, dann setz dir kein Ziel, geht da lang, wo sie auch raus kann. Zieh ihr nicht die schönsten Klamotten an oder nimm die Matschhose mit. Hast du mit ihr Termine, dann setz sie am besten ohne Zwischenhalt in Wagen und ab die Post zum Ziel. Naja, bevor es wieder zu lang wird: Die Antwort auf deine Postingfrage lautet Ja, es ist der Beginn einer Phase namens Ablösung. Und sie wird wohl bis zur Selbstständigkeit dauern. Wenn die Eltern nicht loslassen können, wohl auf ewig. Mein Vorschlag: Geh mehr auf die Bedürfnisse deines Kindes ein. Sieh es nicht als Untertan, sondern als Freund, dem du auf die Beine helfen darfst. Sieh es als Partner, wie du deinen Mann als Partner siehst. Kämpfe nicht, spiele also nicht mit deiner Macht. So machst du deftige Trotzköpfe. Gestalte nicht dein Kind nach deinen Bedürnissen, sondern mache auch "Einbusen" in deiner Bequemlichkeit, Bewegung, Wollen. Du sollst dich ja nicht aufgeben. Dein Kind wird es dir danken. Zudem benötigt dein Kind Verständnis, weil es gerade beginn, seinen eigenen Willen zu entdecken. Bisher war es ja fast eis mit Mama. Das erschreckt die Kleinen auch. Und so ein eigener Willen ist ganz schön gewaltig, was man alles wollen kann... So, dass war ein Bruchteil meiner Sicht der Dinge. Ich praktiziere sie mit meiner Tochter und bin bisher echt gut damit gefahren, bis auf verdammt wenige ausnahmen (da hab ich die Nerven verloren). Sie hat auch ihren eigenen Willen, aber wir kommunizieren darüber. Suse PS: Anders ausgedrückt, lässt sich auch sagen, dass man auch einmal an seine Nase fassen muss und das eigene Verhalten kritisch reflektieren muss. Der Mensch ist kein Gott, er wird auch nicht durch das Elterndasein dazu. Und das glauben aber viele. Fehler vor den Kindern zugeben ist keine Schande. Im Gegenteil, so wissen Kinder, dass Eltern menschlich sind und können mit Dingen, die ihnen zum Nachteil sind besser leben. Heißt aber nicht, du sollst dich vor deinem Kind erniedrigen. Aber, es liegt nicht allesam Kind!!! *fettgedrucktundroteinkreis* Du siehst, die Sache ist vielschichtiger als du mit deinem Posting wolltest oder dachtest.