Mitglied inaktiv
hallo katrin, ich bin seit 3 monaten berufstätig, vollzeit, mehr als 40stunden/woche und nun passt mein mann auf unsere tochter (15monate) auf. es ist aber zur zeit mega-anstrengend: überall hin will sie mit, sie will nicht allein krabbeln oder laufen, sie will getragen werden. man muss sich ständig mit ihr beschäftigen, wo sie sonst auch mal ne halbe stunde mit sich gespielt hat. essen ist ein krampf, d.h. erst abends, wenn ich dabei bin, da wird die schnitte wieder ausgespuckt und so richtig eigentlich gar nicht gegessen. sie isst nur brei aus den gläschen ohne zu murren. alles, was wir ihr kochen, wird irgendwie verschmäht und es gibt ein riesentheater, erst recht beim windeln. ist das nur irgendso eine phase ? wenn ja, was passiert denn da gerade ? oder sollte mein mann strenger sein und ihrem willen nicht ständig nachgeben, was aber eine ordentliche szene zur folge hätte, wo sie dann so sehr weint und schluchzt, dass es einem das herz zerbricht. ich hoffe, es liegt nicht daran, dass ich als bezugsperson nun so viel arbeite. mein mann ist auch wirklich wahnsinnig liebevoll und kümmert sich rührend, manchmal - so denke ich- tanzt er sogar zu sehr nach ihrer nase. ich danke dir schon im vorraus liebe grüße yvonne h.
Liebe Yvonne, bei Deinem kleinen Mäuschen bahnen sich schon die ersten Vorläufer der Trotzphase an!!! Diese Phase geistert meist negativ in vielen Köpfen herum, weil sie eben für die Eltern ( und für das Kind) oft anstrengend ist. Aber- in Wirklichkeit ist diese Phase ein "Feuerwerk" des Selbstständigwerden für das Kind und das Abnabeln von den Eltern beginnt. Ich bezeichne die Trotzphase als eine Art Miniaturpubertät, da der Loslöseprozess ganz ähnlich verläuft. Die Kinder nehmen sich intensiv wahr und werten sich als "Ich-Persönlichkeit". Dazu gehört auch, dass nachgefühlte Emotionen, motorisches Handeln und vor allem das Verstehenwollen von ursächlichen Zusammenhängen ( Warum- Fragen, Selber-Machen) in zunehmender Form intensiv auftreten. In der "Trotzphase" können Eltern einem ständigen Kampf ausweichen, indem sie ihr Kind Alltägliches zumuten und ihm anvertrauen; also z.B. kleine Aufgaben übertragen, Mithilfe des Kindes einfordern etc. Das kann im Haushalt sein, beim Kochen, Anziehen, Einkaufen, im Garten etc. Auch wenn es anfangs u.U. etwas langwieriger erscheint, das Handeln des Kindes wird immer selbstständiger und flüssiger und es wird Euch überraschen, was es durch seine Erfahrungen für Transferzusammenhänge schafft und diese bearbeitet. Ist es nicht möglich, das Kind einzubinden, dann stellt ihm ein Ziel in Aussicht oder aber lenkt es ab. Bleibt glaubwürdig und denkt daran die angekündigte Aufgabe auch umzusetzen. Z.B. wenn wir nach dem Bezahlen den Kofferraum packen, dann hilfst Du mir o.ä. Trotzdem!!! braucht Euer Kind weiterhin Grenzen und Regeln und seinen Rhythmus. Dieses Dreiergespann sollte für Euer Kind gut durchschaubar und möglichst immer gleich sein. So hat es Orientierung und wird nicht zu leicht verunsichert. Darf es also z.B. in der Küche mithelfen, so sollte klar sein, dass es u.U. bestimmte Gerätschaften NICHT benutzen darf. Euer Kind hat also gerade viele grosse Aufgaben zu erledigen und ist quasi, vergleichbar mit dem Job, in viele riesen Projekte eingebunden, die es heisst zu bewältigen. Um Ruhe und Sicherheit zu erhalten, aber natürlich auch, um nichts zu verpassen, braucht es momentan ganz viel Elternnähe. Das Loben und das Bestätigen der uneingeschränkten Elternliebe hilft sehr, um auch mit Mißgeschicken gut umgehen zu können. Trägt Euer Kind momentan sehr viel seinen Schnuller, Teddy oder mag sich nicht so recht wickeln lassen, dann ist auch dies ein Zeichen dafür, dass es sich gegenständliche Dinge aussucht, um sich sicher fühlen zu können und damit den Loslöseprozess ohne direkte Elternnähe zu schaffen. Eine volle Windel kann auch dazu gehören; da diese gewohnt weich und warm ist. Also; Eure Situation ist ganz normal! Ihr solltet Euch in Regelauflagen einig sein und versucht die kleine viel einzubinden. Trotz allem :-), diese Zeit ist zwar teilweise sehr anstrengend, aber auch ganz wunderschön und interessant mitzuerleben. Achtet mal darauf, ob Ihr Euch schon im Verhalten Eures Kindes wiederentdeckt.... Viele Grüße von Katrin