Prometheus
Moin, ich bin seit ein paar Jahren geschieden. Unsere Töchter, 10 und 12, betreuen wir im Wechselmodell. Grundsätzlich verstehen meine Ex-Frau und ich uns gut, aber es gibt natürlich schon manchmal unterschiedliche Vorstellungen wenn es um die Kinder geht. So ist die deutlich strenger und restriktiver und ich nahbarer und flexibler. Das meine ich nicht wertend. Es sind einfach unterschiedliche Erziehungsstile und wir machen sicher beide nicht immer alles richtig. Der Unterschied ist: ich kann das meist akzeptieren ... sie oft nicht. So zum Beispiel bei diesem Thema: Ich bin ein Eulen-Chronotyp und lebe, seit ich Kinder habe außerhalb meines Biorhythmus. Ich werde abends erst sehr spät müde und tue mich, egal wann ich aufstehe, mit dem Wachwerden schwer. Auch kann ich morgens nichts essen, frühstücke also auch nie. Seit meine ältere Tochter auf einer weiterführenden Schule ist, steht sie circa 30 Minuten vor mir auf und setzt sich alleine in die Küche, um zu frühstücken. Ihre jüngere Schwester wecke ich, direkt wenn ich aufstehe. dann verbringen wir circa 30-45 Minuten gemeinsam in der Küche, während ich das Essen für die Schule vorbereite und wir Dinge für den Tag besprechen. So machen wir es seit mittlerweile zwei Jahren. Ohne Stress, jeder in seinem Tempo. Bei meiner Exfrau stehen alle gemeinsam auf, frühstücken zusammen, machen sich fertig und gehen dann in die Schule. Nun hat meine Exfrau schon mehrfach von mir verlangt, das morgens genauso zu machen wie sie. Ich müsste also 30 Minuten früher aufstehen, nur um todmüde und morgenmuffelig meinen Töchtern 10 Minuten beim Müsli essen zuzuschauen bis sie sich in ihre Zimmer und das Bad verkrümeln um sich fertig zu machen. Sicher können das viele, vor allem Frühaufsteher, nicht nachvollziehen, aber für jemanden wie mich sind 30 Minuten weniger Schlaf zusätzlich zu einem ohnehin permanenten Schlafdefizit eine echte Qual und für niemanden in meiner Nähe ein Gewinn ... auch wenn ich mich anstrenge. Und nein, früher zu Bett gehen, bringt leider gar nichts, wenn man dort mit offenen Augen liegt und wartet, bis man müde wird! Wer das alles für Quatsch und Ausreden hält, kann gerne mal nach "Chronotypen" googeln. Nach Aussage meiner Exfrau ist es extrem wichtig, zusammen in den Tag zu starten. ... was wir IMHO auch jeden Tag tun ... nur in einem etwas engeren Zeitrahmen, den jedoch keiner als stressig empfindet. Auch der Weg zur Schule und Bushaltestelle ist von mir aus circa 10 Minuten kürzer als von meiner Exfrau. Ich solle mich grundsätzlich immer nach den Bedürfnissen meiner Kinder richten und die würden das auch wollen, dass ich es so mache wie sie. Zwar haben sie das auch auf Nachfrage weder zu ihr noch zu mir jemals gesagt ... aber das würden sie angeblich nur machen, um nicht in einen Loyalitätskonflikt zu geraten. Meine Einstellung dazu ist: Wenn ALLE! Sich mit einem Ablauf wohl fühlen und gut klarkommen, gibt es faktisch keinen Grund, etwas zu ändern. Bei mir sind manche Abläufe einfach anders als bei ihr. Ich kann das akzeptieren. Sie nicht. Ich bin grundsätzlich offen für Veränderungen und auch für andere Sichtweisen. Ich halte mich für reflektiert und habe kein Problem etwas zu ändern, wenn ich es für sinnvoll halte. Vor allem für die Kinder. Da habe ich dann auch überhaupt kein Problem, bei mir selbst Abstriche zu machen. Was das oben genannte Problem angeht, sehe ich jedoch keinen Grund etwas zu ändern. Bitte nicht falsch verstehen. Sie ist in eine tolle Mutter und wir verstehen uns wie gesagt, eigentlich ganz gut ... trotz einiger unterschiedlicher Vorstellungen (die uns ja auch zur Trennung gebracht haben). Mich würde einfach mal interessieren, wie ihr das Thema seht. LG
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