Mellie44
Hallo allesamt, Ich bräuchte einen Rat: unsere 16 jährige Tochter hatte zwischen 13 und 15 Jahren eine sehr schwierige Phase. Schlechte Schulleistungen, häufig wechselnde Freunde (Beziehungen) zu meistens Flüchtlingen. Grund war mangelndes Selbstbewusstsein, durch den Kontakt und die Beachtung von mit für sie 'Aussenseitern" peppte sie ihr Selbstbild auf. Das lief natürlich unbewusst bei ihr ab. Sie geriet durch ihr Verhalten in gefährliche Situationen mit körperlicher Nötigung von einem jungen Mann, das mit Anzeige bei der Polizei endete. Sie war sehr geschockt und traumatisiert und macht seit 1 Jahr eine Therapie. Seit letzten Herbst wurde es deutlich besser, sie wurde ruhiger und zufriedener, Schule klappte wieder und sie machte allgemein den Eindruck die Kurve gekriegt zu haben. Liess mich glauben ihr Interesse gälte einem einzigen Jungen aus ihrer Klasse und die "Wanderschaft" wäre vorbei. Jetzt hab ich ( durch ein Aufpoppen eine push) gesehen, dass sie sich Snapchat runtergelden hat, obwohl wir ihr das, durch die Erlebnisse der letzten Jahre,verboten hatten. Ich hatte eine Handysperre installiert zum runterladen von Apps, scheinbar hat sie es geschafft die zu überlisten. Sie schreibt nun über Snap mit zahlreichen Jungs, auch spät abends und ist dann tagsüber sehr müde, verschickt Bilder ( hatte früher auch Nachtbilder verschickt) und sucht wieder vermehrt und offensiv nach Jungs und trinkt wohl auch am Nachhauseweg ab und zu Alkohol. Auch hat sie wieder Kontakt zu einer "Freundin" die sie vor 2 Jahren übelst hintergangen hat und die ihr nicht guttut. Trotz Therapie, die immer noch läuft, fällt sie in ihr altes Muster, bringt sich wieder in Gefahr, lügt uns wieder an und hintergeht uns mit Snapchat. Ich dachte sie hat verstanden was ihr Verhalten bewirkt. Leider nein. Weiss nicht mehr was tun, bin so enttäuscht und sauer. Muss noch sagen dass sie in ihrer Reife- Entwicklung zirka 2 Jahre hintenanhängt, laut Psychologin. Ihre Freundinnen sind auch fast alle 2-3 Jahre jünger. Vielen Dank, Mellie
Da die Therapie noch läuft: Habt ihr regelmäßigen Kontakt zu ihrer Therapeutin? Ich würde das nicht nur mit deiner Tochter oder in der Familie thematisieren, sondern auch mit der Person, die sie berät und psychologisch mitbetreut. Was für eine Therapie macht sie denn, eher verhaltenstherapeutisch oder auch trauma-/tiefenpsychologisch? Wisst ihr (abgesehen von "mangelndem Selbstbewusstsein", was ich als Erklärung etwas lapidar finde, weil darunter 99,9% aller Teenager leiden), was sie dazu bringt, sich Beziehungen zu suchen, die ihr so schaden und da so wenig Gefahrenbewusstsein zu haben? Ganz generell finde ich Partnerwechsel in dem Alter jetzt weder ungewöhnlich noch moralisch fragwürdig (falls ihr das so sehen solltet), aber es birgt natürlich Gefahren. Trotzdem ist es eben auch das typische Alter, in dem Sexualität einen sehr großen Stellenwert hat, nicht nur für junge Männer, sondern auch für junge Frauen, wobei ihr Selbstschutz natürlich oberste Prio haben sollte. Handysperre und App-Verbot sind aber eher Sanktionen, die ich für deutlich jüngere Kinder passend finde. Mich wundert es nicht, dass sie Mittel und Wege findet, das zu umgehen... Aber ich weiß natürlich nicht, was ihr mit ihr und der Therapeutin besprochen und vereinbart habt...
Ergänzung, da ich gerade an einem Beitrag zum Thema Sex-Arbeiterinnen und Sex-Influencerinnen sitze: Es gibt eine ziemlich bekannte Sex-Influencerin namens Marie-Joan Schmidt auf TikTok, auch "Dr. Rambazamba" genannt - sie klärt junge Leute über guten Sex und so Themen wie sexuelle Selbstbestimmung, nur Ja heißt Ja, etc. pp auf. Kann man ja auch mit der Therapeutin besprechen. Vielleicht findet eure Tochter da zusätzlichen Input, den sie akzeptiert und der ihr die Augen öffnet? https://www.tiktok.com/@marieeejoan?lang=de-DE (ich stelle den Link mal hier ein, weiß aber nicht, ob der genehmigt wird) In jedem Fall findet ihr sie unter dem o.g. Namen.
Ihr gehört für mich alle in Therapie. Deine Tochter lungert mit 13 Jahren mit Jungs herum. Hat schlechte Noten. Es interessiert sie weder eure Mahnungen noch die der Lehrenden. Bereits hier lief es "falsch". Dann erfolgte der Übergriff. Ihr setzt erneute auf Verbote, Ermahnungen, welche ja schon im Vorfeld nicht funktionierten. Und welch Wunder- nun drei Jahre später wiederholt sich das Muster. Da frage ich mich warum, wundere mich aber nicht. Ihr habt nichts entgegenzusetzen außer hilfloser Verbote, App-sperren und massive Überwachungskontrolle. Du bist nun enttäuscht und noch mehr sauer. Wenn ich das so lese, ist es mir klar, das warum. Ihr werdet das Problem so definitiv nicht lösen. Eventuell ist es eh schon vergebens, denn die Ursprungsquelle liegt in der Vergangenheit. Ihr werdet das nicht mit Verboten lösen. Sucht euch professionelle Hilfe. Arbeitet die Vergangenheit auf. Als Familie.
Die Tochter ist doch in Therapie. Bei einer kinder- und jugendpsychiatrischen Therapie werden die Eltern normalerweise einbezogen, und in der Regel wird da auch Ursachenforschung betrieben. Wenn sie eine Entwicklungsstörung hat (XY schreibt ja, dass sie in der psychologischen Reife um zwei Jahre hinterherhinkt) finde ich es - vorsichtig ausgedrückt -schwierig, gleich die Eltern für therapiebedürftig zu erklären. Kontrollmaßnahmen sind unter Umständen auch therapeutisch abgesprochen. Aber dafür bräuchten wir mehr Infos.
"Kontrollmaßnahmen sind unter Umständen auch therapeutisch abgesprochen. " Nie so. Die beschriebenen Verbote sind hilflos und nicht hilfreich. "Aber dafür bräuchten wir mehr Infos." Definitiv. Nur hier wird man immer nur ein Viertel der Wahrheit erfahren, wenn überhaupt. Das Kind lief bereits mit 13 außerhalb der Spur. Ein Entwicklungsrückstand fällt nicht erst ab da auf. Das Kind war in der Grundschule und auf der weiterführenden. Es ging da nicht mehr hin. Nehmen das die Lehrenden mit einem Schulterzucken hin? Was wurde wie in der Grundschule thematisiert? "Die Tochter ist doch in Therapie." Die scheint nichts gebracht zu haben. Das Muster wurde nicht aufgebrochen, es hat sich verstärkt. Da bezweifle ich, dass eine Ursachenforschung sachgerecht angegangen wurde.
"Das Kind lief bereits mit 13 außerhalb der Spur. Ein Entwicklungsrückstand fällt nicht erst ab da auf. Das Kind war in der Grundschule und auf der weiterführenden. Es ging da nicht mehr hin. Nehmen das die Lehrenden mit einem Schulterzucken hin? Was wurde wie in der Grundschule thematisiert?" Bist du Therapeutin? Musst aber nicht antworten. Im privaten Umfeld habe ich auch schon (psychologische) Entwicklungsrückstände erlebt, die mit der sonstigen kognitiven und körperlichen Entwicklung nichts zu tun hatten und erst mit Einsetzen der Pubertät auffielen. Weil da die Diskrepanz sichtbar wurde. Ich sehe das zwar auch so, dass da ein Muster ist, das nicht gelöst wurde, würde aber gerade deshalb gern erfahren, ob da z. B. Ansätze wie Schematherapie o.ä. angegangen wurden. Die übliche Verhaltenstherapie mit viel Gesprächsanteil wird da eher nicht tief genug gehen, aber sie schreibt ja, dass ihre Tochter traumatisiert war. Also hoffe ich doch, dass es zumindest auch traumapsychologische Ansätze gab, um das aufzuarbeiten. Aufgefallen ist mir, dass Mellie44 schreibt, ihre Tochter hätte sich bewusst mit Geflüchteten eingelassen, um sich in Kreisen von (aus ihrer Perspektive) "Außenseitern" zu bewegen. Dahinter kann ja im Elternhaus auch vieles stehen, was nicht unbedingt psychologisch, aber politisch problematisch wäre und seitens der Tochter "Aufmüpfigkeit" und Heimlichtuerei provozieren könnte. Aber wahrscheinlich hast du Recht, und wir werden sowieso nicht mehr erfahren, weil die Frage mit der Intention gestellt wurde, dieses Verhalten mit erprobten Praxistipps "abzustellen". So einfach wird das natürlich nicht gehen.
Hallo, bei einer 16jährigen helfen Snapchat-Verbote und Handy-Kontrolle nicht mehr, sie passen nicht mehr zum Alter. Deine Tochter hat ja ehrlicherweise auch nicht dein "Vertrauen" missbraucht, denn du hattest ja erst gar kein Vertrauen zu ihr, sonst hätte sie keine Download-Sperre am Handy, oder? Ist nicht böse gemeint, nur ehrlich. Man kann von außen nicht sagen, wo die eigentliche Problematik liegt. Familie ist ja immer ein System. Das heißt, es ist nie nur das Kind allein betroffen. Sondern es läuft auch innerhalb der Familie momentan etwas nicht rund. Vielleicht gibt es eine Beziehungsproblematik zwischen dir und deinem Partner, so dass ihr nicht respektvoll und liebevoll miteinander umgeht. Kinder spiegeln die Beziehungsprobleme ihrer Eltern immer sehr deutlich. Das ist nur eine Möglichkeit. Oder dein Partner zieht sich zu sehr aus der Erziehung raus und fällt daher als väterliche Orientierungsfigur weg, das gibt es oft. Teenager brauchen aber auch die Anerkennung, das Interesse und vor allem die Zeit vom Papa. Auch er muss viel stattfinden. Oder er ist umgekehrt zu streng mit eurer Tochter. Das sind nur Beispiele und Möglichkeiten. Das Verhalten eurer Tochter würde ich jedenfalls als Symptom dafür sehen, dass generell etwas gerade nicht in Ordnung ist im Familiengefüge. Und dass man dies lösen muss. Ich selbst fand es bei meinen Kindern in diesem Alter immer wichtig, dass man im Gespräch bleibt. Ich habe sie oft gefragt, wie es ihnen geht, was sie gerade beschäftigt, was in ihrem Alltag gerade schön, oder vielleicht auch doof ist. Wir haben auch kleine Familienrunden gemacht, wo jeder mal sagen konnte, was er momentan gut findet, aber auch, was er sich anders wünscht. Dies wurde nicht verurteilt oder wegargumentiert, sondern einfach ernst genommen. Wir haben dann überlegt, was man anders machen könnte. So haben die Teens sich immer gesehen und respektiert gefühlt. Ich würde jetzt konkret mit der Psychologin deiner Tochter Kontakt aufnehmen und von deiner Sorge über ihr Verhalten berichten, damit sie up to date ist. Parallel dazu würde ich überlegen, ob es etwas gibt, dass ihr in eurer Paarbeziehung oder im gegenseitigen Umfang verbessern könntet. Ob der Papa einen guten Draht zu eurer Tochter hat und wenn nicht, warum nicht. Ob du eine innere Verbindung zu deiner Tochter hast, und wenn nicht, wie du das ändern könntest. Bei solchen Fragen hilft auch eine Erziehungsberatung (davon muss eure Tochter nichts erfahren). Kostenlose Erziehungsberatung bieten z.B. Caritas, Diakonie und Kinderschutzbund an, aber auch andere gemeinnützige Institutionen. Denn die Psychologin kümmert sich ja in erster Linie um deine Tochter. Ihr als Eltern solltet aber auch Beratung für den Alltag mit ihr bekommen. LG
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